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Der israelitische Lehrer · 1867-08-22 · 34 (22.8.1867) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
34 (22.8.1867)
Date
1867-08-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Der IsrselrtMke Iekrer. Zeitschrift für die gesammten Jntereffen des israelitischen Lehrerstande- . ' und zugleich ( : Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Kehrer, Lehrer- Wittrven und -Waism in Deutschland. JXÜ 34. Mainz, den 22. August 1867. (Siebenter Jahrgang.) Wöchentlich 1 Rümmer. Vierteljährlicher Slbonnementspieis 27 kr. — V« Thlr. Bei frankirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12 kr Anzeigen zu I Egr. die Petit,eüe. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen art. Das nationale Moment in der Erziehung . und feine Bedeutung für diefelbe. Von M. 'Zleustädker^ Lehrer in Hovestadt. * > x h 6 „Wer die Schule hot, hat die Zukunft 1" Wenn dies Wort Stiehl's, des Vaters der preußischen Schulregulative, m seiner ganzen Bedeutung wohl bestritten werden kann, indem nicht die Schule, sondern andere einflußreichere Factoren, vorzüglich die hohe Schule res Lebens selbst die LrbenSanschauung, das Wollen und Handeln des Menschen als solchen, wie als Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft (des Staates) j in erstkr Linie bestiiümen: so ist dennoch nicht zu verkennen, I daß auch die Eckule einen Einfluß, und zwar einen gewich-; tigen Einfluß auf alle Lebensbeziehungen des Menschen, auf seine Stellung zu allen Fragen, die die Zeit und die Menschheit berühren ■, ausübt, und es zeugt von der Energie und Consequenz der conservativen Partei, daß sie, um die wildanstürmenden Wogen des seit der französischen Revolution und den Freiheitskriegen im Volke lebenden neuen Geistes zu brechen, auch die Schule in den Dienst ihrer Parthei > stellte, um von unten auf dem Geiste der Zeit und dem Geiste der Geschichte systematisch entgegen zu arbeiten. Denn: wem verdanken die preußischen Schulregulative anders ihr Entstehen, als dem Gedanken, durch die veränderte Organirrung der Schule, (der Volkserziehungsanstalt) auch den Geist des Volkslebens anders zu orgamsiren und auf andere . Bahnen zu lenken? Das Wort Freiligraths vom Dichter: „Der Dichter ieht auf einer höheren Warte als auf den Zinnen der i Partei!" — ist gewiß auch auf die Schule, aus die Pä- > »agogik anzuwenden; auch sie soll auf einer höheren! klärte stehen, als auf den Zinnen der Partei. Wer wenn mich damit gesagt ist, daß sich die Schule nicht einseitig in . kn Dienst einer politischen Partei begeben darf, so ist nicht! »mit gesagt, daß sie, die dem vollen frischen Leben dienen, i ftc für da« Leben wirken und erziehen soll, nicht Stellung ' zu nehmen Hat, zu den großen weltbewegenden Fragen, die die heutige Zeit, die die heutige Menschheit aufwirft; ste muß mit Bewußtsein an der Lösung der großen Fragen, die die Zeit sich gestellt hat, arbeiten. „Die Schuhe," -sagt Diesterweg in dem Vorworte zur dritten Auflage seines Wegweisers für deutsche Lehrer," ist in Bewegung, weil die Lehrer sich bewegen, und sie bewegen sich, weil die Zeit sich bewegt. Oder sollen sie stillstehen, während alle andern fortgeben? Der Bildungsorganismus einer Nation ist nothwendig ein verkleinertes Abbild von ihrer weltgeschichtlichen Stellung und Aufgabe. Das Bildung-ideal einer Zeit muß auch daS Ziel unserer Bildung durch die Schulen sein." Eine jede Zeit hat, wie jedes Volk, ihre Aufgabe, üeren Lösung sie ihre Kräfte widmen muß, um an dem kommenden Geschlechts, wie Schiller sagt, die Schuld zu entrichten, die sie den vergangenen, deren gemeinschaftlicher Arbeit sie so mele theuere Güter verdankt, nicht mehr entrichten kann. So hatte das hellenische Volk die Ausgabe, der Menschheit die theuern Güter der Kunst und Wisienschast zu geben — und wenn dem Volke selbst auch unbewußt: das ganze Leben des hellenischen Geistes in allen seinen verschiedenen Beziehungen wurde von der die Geschichte lenkenden Allmacht auf die Bahnen geleitet, auf welchen es die Lösung seiner Aufgabe erreichen konnte. Der Bildungsorgänismus der Nation, das ganze öffentliche Leben derselben war aus die Lösung ihrer hohen Ausgabe gerichtet. Und so werden wir, wenn wir die Geschichte mit prüfendem Blicke durchgehen, stetfinden, daß, mag ein Volk oder eine Zeit die ihm oder ihr von der Allmacht zur Durchführung für die Menschheit verliehene Aufgabe erkennen und mit Bewußtsein für dieselbe' streben, oder mag es unbewußt dieser Ausgabe sich hingegeben, das Volksleben in allen seinen verschiedenen Aeußerungen, vor allem sein Bildungsorganismus aus dem Wesen dieser Aufgabe seine Richtung erhalten werden. So, um noch ein Beispiel anzuführen, beim israelitischen Volke, das sich in seinem Culturleben als der Begründer und Erhalter der heiligen Schätze der Religion und GotteSerkenntniß darstellt. Sein ganzes Erziehungs- und Bildungswesen war von dieser Aufgabe durchstrahlt; denn durch sie wurde die ganze GeisteSthätigkeit des Volkes fast ausschließlich auf die

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