Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 27 (4.7.1867)
- Date
- 1867-07-04
- Page
- Seite 112 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4896751-5428720-5431757--1673-4898126- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
112 t verschwanden ibre ungeheuren Moßverhältnisie und ihre Höhe schien kaum beträchtlich, eine Täuschung, welche in dem außerordentlichen Umfang ihrer Grundlage liegt, der ö, 6 und 800 Fuß betragen soll, indem diesedie scheinbare Höhe verkleinert. In Staunen und Bewunderung versunken, stand ich vor dem roßten der Wunderwerke de- Atterthums, von den, Anblicke esselben überwältigt und in einem Widerstreit der Gefühle begriffen, die in meinem Herzen auffiiegen. Jahrtausende sind an diesen Lüerken vorübergegangen, ebne sie zu zerstören, und andere werken sie noch unversehrt finden. Alle aber werden fragen, warum cS so ungeheurer Schätze, so vieler Menschenleben bedürfte, um mit diesen riesenmäßigen Masten eine Händvoll Staub zü bedecken. Daher waren es denn auch nur kalte Gefühle der Bewunderung, die. mich bei ihrem Anblicke.ergriffen, denn ich dachte an die Schmach und die Sklaverei der Völker,, die auf ibrem blutigen Rücken meilenweit her die Steine ^um Bau dieser Denkmäler der Eitelkeit und deS tyrannischen Stolzes ibrer Könige zusammentrugen, ich gedachte der unglücklichen . Kinder Israels, die in drückender Herrschaft lebend, die Z egelsteine, aus denen andere Pyramiden bestehen, brennen und noch.dazu da- Stroh zum Feuer zusammenlesen mußten. Als ich mein Auge genugsam an den Formen dieser Riesengrabmäler gesättigt hatte, li-ß ick mich von meinem Begleiter, den tzoraüsgeeitten Gefährten nachsühren. Die an der Außenseite auf 3 bi- -4 Fuß breiten und ebenso hohen Stufen emporsteigente Weg war gefährlich, tbeilS'wegen ausgebrochener und nur noch mit den anderen sebr locker zusammenhängender, theils wegen so glatter Steine, daß man leicht darauf auSgleiten konnte. Daher umschlangen mick die Führer mit beiden Armen und brachten mich auf diese Wttse immer höher, so daß wir etwa nach einer guten halben Stunde aus der Platform oben ankamen. Die Äusfickt war über alle Erwartung und Vorstellung großartig. Mein entzückt S Auge überfab, daS 10 Meilen lange Riltbal, die Imki Ortschaften und Dörser, gleich Inseln auS dem Auste rclgend, der sich in fast unabsehbarer Breite auSdebnt, er haftete an das ölender de Gelb der Wüste, aus welcher nab und fern neck' andere Py amiden in Trümmerbaufen untergegangener Städte herüoerblickten, cs ruhte auf den Kronen der nahen Palmenwälter, aut ewig grünen Wiesen, die aus der. Ferne, wie Smaragde, glänzten und ergötzte sich an EairoS Krackt, das mit seinen Kuppeln und Minarets am Gesichtskreise auitauckte, bis cs sick endlich müde und gesättigt wieder "dem Steinkolcsse zuwrndte, auf dem wir stanken. Unser Standpunkt, die Plattform, hielt etwa 3t> O.uadratfuß nnt ist aus ungeheueren Granitblöcken, deren manche 3>> bis r-n Eer.tner wiegen mögen, obne alles Bindemittel zusammengeiügt. Durck welche ^mechanische Krär'te mögen, diese Quader zu dieser Höhe herauige'ckafft worden sin. Ter Boden war mit arabischen, persischen und rock anderen Inschriften und den Namen derer bedeckt, welche diese Höbe erklimmt hatten, und mit >einem gewissen.Stolze, auf der Stelle stehen, wo die Eroberer aller Jabrhunderte gestanden batten, gruben auch wir unseren Namen in den Stein und schickten uns dann zum Hinabüeiaen an. Dieses.ist noch gefährlicher, als das Hrnaufsteigen und nur mit der äußersten Vorsicht langten wir am Fuße der Pyramide wieder an. Ueber anpewehten Land, in den w r oft bis an die Knie versanken und berabgefallenes Steingerölle hinweg, umgingen wir dieselbe in einer Viertelstunde und stiegen sodann auf der nördlichen Seite.wieder einige Stufen zu der Oefinung hinan, die in das Innere führt. Nur auf Händen und Füßen kann' man hinein gelangen, da der schlotäbaliche Eingang nur 4 Fuß weit ist und die Wände so glatt sind, daß sie keinen sicheren Halt gewähre«. Erst ab und dann auswärts felgten wir unseren Führern, die mit einer Fackel vorankrochen und kamen etwa nach 50 mühselipen Schritten in eine geräumige Halle, die man den Saal der Könige nannte. Anzeigen. Die isr. Lehrerevnferenz in Rheinhessen betreffend. In unserer letzten Conferenz zu Mainz — vor jetzt 2 Jahren — wurde beschlossen, die nächste Versammlung in Darmstadt abzuhalten, und dadurch unsere ursprünglich blos stuf Rheinhcssen beschränkten Bestrebungen auch auf Starkenburg auszudehnen. Nachdem jedpch das vorige J-Hr zur Abhaltung einer Conferenz ungeeignet war, schlagen wir im Hinblick auf die Generalversammlung des Unterstützungs- Vereins vor, sie auch in diesem Jabr ausfollen zu lassen, resp. mit d r Versammlung in Frankfurt zu verbinden. Es -wird sich dort wohl Zeit finden, das, was uns besonders snteressirt, in einer Nebenversammlung zu besprechen Da wir hassen dürfen, daß unsere Freunde Alle in Frankfurt sein werden, so dürfte es Manchem bedenklich erscheinen,!Zeit und Kosten auch noch einer Separatconferenz zuzuwenden. Sollten jedoch die verehrlichen Conferenzmitglieder mit uns in diesem Betreffe nicht übereinstimmen, so bitten wir um geschätzte Miltheilung an Emen der Unterzeichneten. Alsheim, den 23. Juni 1867. Der Vorsitzende: K. Marx. Der Schriftführer: .1. Klingensteln. Offene Lehrerfleüe. Die Steve eines israelitischen Rrirgionsiehrers, Dorbetrrs und Schächters in der Hiesigen Gemeinde ist bis zum 1. August d. I. etledlgt. Das Einkommen beträgt außer den Accidcnzicn als Vorbeter und mindestens 120 fl. SckächlergebüHren, 250 fl., nebst freier Wohnung und Heizung. Oualificirte, unverheiraihete Bewerber wollen sich unter Vorlage ibrer Zeugniste alsbald an den Unterzeichneten Vorstand wenden Sprendlingen, Kr. Offenbach im Juni 1867. Für den Vorstand: Jsaac Stern. Vakante Lehrerftelle. Die israel. Religions-Gemeinde Flonheim (Rhein- Hessen) sucht einen tüchtigen Religivns- (und Elementar-) Lehrer. Auch hat derselbe den Cantor-Dienst zu versehen. Gehalt 400 fl. jährlich nebst freier Wohnung und Heizung und bei guter Leistung und Führung schon nach dem ersten Jahre und für dasselbe 50 fl. Zulage. Amtliche Nebenverdienste circa 50 fl. Auch ist viel Gelegenheit zur Ertheilung von Plivatstunden in dem wohlhabenden und nach Bildung strebenden Orte. Frankirte Meldungen beim Vorstande (Flonheim) oder Kreis-Rabbinat (Alzey). L.-eiaMwortllL»i Redattcur: I. Klingenstein in Ldernheim in hcheinhesien; Selbstverlag der Redaction. Für den Buchhandel: in Lomniiffion bei Lstar Leiner m Leipzig. — Tampf-Schnellpreffendruck von I. GottSleben in Mainz.