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Der israelitische Lehrer · 1867-05-30 · 22 (30.5.1867) · p. Seite 88

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
22 (30.5.1867)
Date
1867-05-30
Page
Seite 88 (sequence 4)
Language
German
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88 „Ich ahnde bis in das dritte und vierte Geschlecht an denen, welche mich hassen.^ Unsere israelitischen Weisen haben begriffen, daß man die Tragweite dieses Nusspruches erkoren müsse. Sie haben gesagt: Gott strafe die Geschlechter, welche ihn Haffen, aber in der vierten Generation lasse er seinen göttlichen Zonr.fallkn. Euer Zorn, ja Euer Zorn istimsterblich I Meine Herren I Wir wollen in Zukunst keine Gelegenheit vorübergehcn laffen, um gegen diese empörende und ungerechte Anklage Verwahrung einzulege». Ich habe vor der. Majorität der constituirenden Versammlung in Bucharest dagegen Verwahrung eingelegt, welche mich so freundlich ausgenommen hatte, und die nur ein furchtbarer Pöbelaufstand gehindert hat, ihren Beschluß in Ausführung zu bringen. Ich lege auch hier Verwahrung dagegen ein im Namen aller uiu'rer Glaubensgenossen in der ganzen Welt: Nein, nein, wir-haben Jesus Christus nicht gekreuzigt! - ' O, wenn unsre Religion, welche alles überdauert und durch Nichts erschüttert werden kann, wenn unsre Religion, das Wort deffelben Gottes, welches auch die Christen, wie wir, verehren, seit der bedeutsamen Offenbarung am Sinai I ein Band der Vereinigung um die Juden aller Jahrhun-1 derte schlingt: so bleibst du, Jerusalem, lange Zeit gesegnete! - Stadt, uns ein Gegenstand unauslöschlicher Erinnerung;! aber unser Vaterland ist Frankreich, unser thcures undj ruhmreiches Frankreich, das zuerst Unter allen Nationen' französische Juden, ihren Mitbürgern der anderen Culte gleichstellte. (Forts, folgt.) Das „Rensiadter Wochenblatt* enthält felgende Miltheilungen: Neustatt, 19. Mai. Wir hatten gestern und rorgestern «ine seltene Feier in unsirey Statt — die Einweihung deS neuen ifraclitifd'en Gotteshauses. Im maurisch-romanischen Styl ragt das hübsche Haus mit seinen Mincrets ähnlichen Thürmcken aus herrlicher Umgebung hervor, gelungen in allen seinen baulichen Einrichtungen, ein monumentales Gebäude: taL unserer Statt zur Zierte seinen Gründern und Erbauern zur Ebre gereicht. Auch das- Innere ist sehr hübsch und dock in keiner Weise überladen, ganz eines Gotteshauses würdig. Tie Feierlichkeiten begannen Freitag gegen 5 Uhr, da von den 6 ältesten Männern der israelitischen Gemeinte die Thora-Rollen (b. h. tie auf Pergament geschriebenen fünf Bücber Mcsis) in die neue Synagoge getragen, von ten beiten Rabbinern Tr. Salrenti und Tr. "Grünebaum am Eingang empfangen und in der heiligen Lade nielergeiegt wurden, unter Eborgesang von der wcblgelungenen Orgel begleitet. Daran schloß sich der Gottesdienst in einer durchaus würdigen und erhebenden Weise. Mit den Gliedern der Eultgemeindr und zahlreichen auswärtitigen Glaubensgenossen hatten sich die Herren Beamten und tie Glieder unserer Stadtverwaltung, sowie viele hiesige Bürger eingefunden.*) Vor Allem.müssen wir dem Eantcr, Herrn Stern, ein ganz unbetingtes Lob zollen für den würdigen, klangvollen, äußerst ansprechenden Vortrag der Soli, Gesänge und Recitative; man darf der israelitischen-Gemeinde zu einem solchen Leiter ihres Gottesdienstes gratuliren. Nicht minder verdienen die Eböre unsere lobendste Anerkennung; es haben besonders *) Ta sehr viele Gesuche um Karren zurückgewiesen werden mußten, so theilen wir unfern Mitbürgern.mit, daß. wie wir hören, derselbe feierliche Gottesdienst nächsten Freüag Abend wiederholt wird, wozu Jeder freien Eintritt hat. das ,,l.«cd» dodi,“ hebräisches Lied bei Sabbath-Eingang, das Hosianna und Halleluja (am Sabbath-Vormittag) einen großen Eindruck gemacht und von dem ernsten Streben und guten Stimmen der Sänger und Sängerinnen das beste Zeugniß abgelegt. Das Orgelspiel deS Herrn Hamma geschah mit einem Geschmack und einer Präcision, die, wenn man die Schwierigkeit des hebräischen Tertes in Erwägung zieht , nur einem wirklichen Künstler, wie Herr Hamma eS unwidersprechlich ist, in dieser vollendeten Weise gelingen konnten. Ueber die Weiherede des Bezirksrabbiners Herrn Dr. Salvendi lassen Sie uns mit wenigen Worten hsnwegeilen. Wir sind die Letzten, die es versuchen möchten, irgend einer religiösen Ansicht ihre Berechtigung und also. dem Herrn Rabbiner daS Recht zu bestreiten, eine Philippika gegen alle und jede Aenderung der herkömmlichen Gebräuche, Gebete und gottesdienstlichen Ordnung der Juden (die doch bekanntlich in den düsternZ-iten deS Mittelalters so manche Auswüchse getrieben) zu halten. Aber ob diese Zeit und dieser Ort und diese Versammlung der rechte Platz gewesen find, um eine 1'/,stündige Rede mit Protestationen gegen jede Veränderung des Herkömmlichen zu füllen ' und als Kern der Predigt die Pflicht zu betonen, daß die ganze Gemeinde nicht bloß alsabbathlich, sondern täglich, und, haben wir den Redner recht verstanden, täglich mehrmals den öffentlichen Gottesdienst in der Synagoge zu besuchen habe, ob, sagen wir, dies die geeignete Gelegenheit war, möchten wir fast bezweifeln. Zum Gluck war die Feier am Sabbath - Morgen, zu der sich eine noch größere Maffe Tbeilnehmender inzwischen eirgeiunden hatte, eine völlig ungetrübte. Ihr Glanzpunkt war die Weihcrede des Bezirksrabbiners Dr. 'Grünebaum, und wahrlich seine Worte! werden lange und nachhaltig im Herzen und im Geiste der Izahlrrichen Zuhörer leben! Das waren Worte, wie unsere Zeit und unsere Pfalz sie bedarf — Worte, die aus dem Herzen kamen und zu den Herzen drangen: Worte begeisterter Vaterlandsliebe —=■ o es thut dem Juden so wohl, vom Vaterland, daS er eben erst gewonnen hat, zu bören und zu sprechen! — Worte inniger Menschenliebe, die sich weit über die engen Grenzen des Eonfessionellen emporschwingt; Worte tiefer, wahrer, inniger Religiosität, die dem Gegebenen, der Geschichte, der Vergangenheit ihr Höhe- Recht zugesteht, das Alte zu schützen und zu erhalten sucht, und nur gegen das Veraltete, gegen Werkheiligkeit und abgestorbenes Eeremonienwcsen den Kampf erhebt. Wir sahen beim Schlüsse des Gottesdienstes Männer aller Eonfessionen, aller Stände und Alter um den wackern Kämpfer für Recht und Vernunft sich schaaren, ihm ihren Dank und ihre Glückwünsche darbringend,. und eben vernehmen wir, daß noch am Nachmittage eine Deputation der Gemeinde, ihre Vorstände an der Spitze, sich zu dem würdigen Geistlichen begab, um ihm ihren Tank und ihre Sympathie auSzudrücken und sich den Tert der Predigt zu erbitten, die demnächst im Druck erscheinen wird. Reunionen und Bälle schloffen die schöne Feier, die durch keinen weiteren Mißton gestört wurde. Möge taS neue GotteShauS und verbefferte würdige Gottesdienst m ihm blühen und ein neues Band werden, das die verschiedenen in ungetrübter Eintracht lebenden Eonfessionen unserer Elädt zum Heile Aller gemeinsam umschlingt! Briefkasten. Die Herren: SB. i. SB.; Dr. M. St in Frankfurt a. O. und Eamor SB. o. D. E. wollen entschuldigen, wenn mir deren geschätzte Arbeiten, wie alles Andere, nicht gerade Drängende biS zur Vollendung deS begonnenen Leitartikels zurücklegen müssen. 91, H. it. Die ein gegangenen Meldungen f. d. K sind-dem Betreffenden vorgelegt. Die Redaktion. Verantwortlicher Redakteur: I. Klingenstein in Ldernheün in Rhrinhesien; Selbstverlag der Redaction. Für den Buchhandel: in Kommission bei L skar L ein er m Leipzig. — Tamps-Schnellpreffenrduck von I. Gott sieben in Mainz.

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