Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 19 (9.5.1867)
- Date
- 1867-05-09
- Page
- Seite 74 (sequence 2)
- Language
- German
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flössen entgegenzuarbeiten, die ihr Wirken an der Wurzel angrersen. —Die öffentlichen Elementarschulen auf dem Lande sind nie eigentlich« Coftununalschulen, sondern haben steteine bestimmt ausgeprägte konfessionelle Färbung, nach der Persönlichkeit des Lehrers. Man trifft im Lehrerstande! noch sehr selten vorurtheilfreies. jeder confessionellen Partei-; sucht fremdes freihumanes Wirken , wie es in Schulen ge-; mischter Confessionen sein sollte. . Und daß ein solches vollkommen freies Wirken nicht im Sinne der Behörde und der „officiellen" Tendenz der Zeit lieat, wer könnte dar leu,- nen? Die Emheit der die Erziehung fördernden Elemente, deren Krone und Wurzel das religiöse Bewußtsein ist, kann > durch solche dioergirende Ansichten, wie sie unter den besagten Au'picien Religions- und Elementarschule bieten müffen, nicht gefördert werden, und der offen gelegte,- in das weiche j Gemüth des Kindes eingesrreute Zwiespalt, der zugleich die ' Achtung für die Lehrer schwächt, weil der Eine verneint,! was der Andere bejaht uno also dem Kinde nothwendig! die Wahrhaftigkeit des Einen oder des Andern oder gar j Beider zweifelhaft macht, kann wahrlich nicht segensvolle Wirkung äußern. Dazu kömmt nun noch die Zersplitterung der Zeit und der Lehrkräfte, was alles uns zur; Behauptung veranlaßt, daß tüchtige humane und religiöse ■ Bildung bei den Israeliten vom Lande nur durch gute isr. Volksschulen zu erlangen ei. Darum muß der israelitische Lehrer ein tüchtiger Volksschulmann sein, .der sich darauf! versteht, eine Schule zu leiten uns zu fördern. Darum suche : er, auch zu seinem eigenen (pecuniären) Besten, daß ihm der ganze Elementarunterricht übertragen werde. > Dann aber sei auch fein Unterricht derart, daß die Zwecke > der Religion durch ihn gefördert werden. Aller Unter- > richt sei religiös. Die Religion wirke veredelnd auf > sein gelammtes unternchtliches Wirken; damit auch das, i waS gewöhnlich' mcht qls religiöser Stoff gilt, gehoben und belebt werde, von dem göttlichen Hauche, der das Zeichen der Gottähnlichkeit im Menschen ist. Religion muß alle Theile des Unterrichts veredeln, wie sie alle Beziehungen des Lebens veredelt Man rotrb uns nicht mißverstehen. Das Judenthum und wir als Juden Haffen allen Mysticismus, alle Frömme-, lei, welche niederbrückt, stattzu erheben Aber wir lieben die Wahrheit; sie veredelt den Geist, und „Wahrheit ist Religion." (Fortsetzung folgt.) Wochenbericht. Alzey. ^Ilirnd« isruslite universelle. (Fortsetzung). Der Zweck war erreicht. Man befreite zum Nachtheil des Landes von der Concurrenz der Juden eine kleine Anzahl serbischer Kaufleute, welche nur mittels Privilegien leben konnten: Sie fürchteten die Juden, sie haben zu jeoer Zeit nicht weniger auch alle Kaufleute der anderen Länder gefürchtet. Man hat sie täwend Berationen gegen fremde Kaufleute Hervorrufen sehen, deren Freiheit durch öffentliche Verträge verbürgt war. Es genügt an den Befehl zu erinnern, welcher in der ersten . Hälfte dieses Jahrhunderts jedem Fremden untersagte, mit Waaren die Märkte Belgrads zu beziehen. - So sicherten sich diese Kaufleute durch diese und ähnliche Maßregeln ein Monopol, wobei das Volk nur zu leiden hatte und zu Schaden kam Daß dieses gegen die Inhaber solcher Privilegien gereizt war, kam den Juden zu Statten. Als die Juden in das Innere Serbien's vertrieben wurden, errichteten einige von ihnen in Schabatz ihr Wrarenlager an der türkischen Festungsmaaer dieser Stadt. Die Bewohner begaben sich bald zu ihnen, um die nothwendigsten Lebensbedürfnisse sich einzukaufen, und zwar ungeachtet oer weiten Entfernung, welche sie vom Mittelpunkted>er Stadt trennte. Man stellte an die Th'ire dieser Kaufhäuser, um ihnen die Kunden zu entführen, Pol zsiagenten, welche sich alles dessen. was aus den Läden getragen wurde, unter dem lächerlichen und lügenhaften Vorwände bemächtigte, daß es Contrebande sei, ohne jedoch, wovor man sich weislich hütete, darüber eine förmliche Anklage zu erheben Das Volk, welches mit Geschicklichkeit und List gegen die Polizei ankämpft, besuchte nichtsdestoweniger die Kaufläden der Israeliten. Niemals ist in Serbien weder die Geistlichkeit noch dar Volk unduldsam gewesen; in der ganzen Geschichte Serbien'- findet man keine Spur von religiöser Verfolgung. Die Feinde der Juden sind eine kleine Anzahl Menschen , welche von niedriger Habsucht und einem verabscheuungswürdigen Egoismus getrieben werden. Sie sind im Allgemeinen Kaufleute und Zelinasi (Wucherer, sogenannte Banquiers) Sie sagen: in Serbien gebe es keine große Grundeigenthümer; der Boden sei zerstückelt, die Industrie fehle durchaus, Künste und Wissenschaften liegen rn der Kindheit, die ganze Thätigkeit des Landes beschränke sich auf den Handel. Solle man nun dieses ohnehin so beschränkte Feld mit den Israeliten theilen, es ihnen vielleicht gänzlich üoerlassen? Das hieße, sich eine gefährliche uno unpolitische Lage schaffen. Die Theilhaber an dem Handelsmonopole der Serben bedecken somit ihren Egoismus! mit dem Scheine der Vaterlandsliebe und des Staatsrechts, i Sie kümmern sich nicht um die Moral der Vernunft. Wie dienen sie den Interessen des Staats? Sonst fanden die Bodenerzeugniffe durch die Handels - Concurrenz auch Käufer Das Monopol hat die Capitalien ent'ecnt und den öffentlichen Credit vernichtet. Der Wucher hat das Land an sich gerissen und zehrt eS auf. Den Producenten fehlt j es an Absatz, sie sind dadurch genöthigt, zu hdhen Zinsen i Geld zu leihen, und hierin liegt ihr Ruin. Eine kleine j Anzahl Priviligirter bereichert sich durch solchen Raub. 1 Diele Regierungsweise stand ebensosehr mit der Gerechligkelt im Widerspruch, wie sie unheilvoll für das Land war, und endigte mit der allgemeinen Unzufriedenheit. Man verglich.die neue Lage mit der früheren unter Obce- > nowicz und sgh em, daß die Rückkehr dieser Dynastie allein den drohenden Sturz des Landes zu b schwören vermöge. Unter denjenigen, welche einen Wechsel wünschten, befanden sich natürlich auch die serbisch n Juden. Sie besonderhaben von der Herrschaft Kara Georg's zu leiden gehabt. Sie lehnten sich nach der des Fürsten Milosch. Die heiß e.sehnte Rückkehr dieses Fürsten änderte den I Zustand des Landes, auch der Israeliten.