Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 17 (25.4.1867)
- Date
- 1867-04-25
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4896751-5428720-5431734--1618-4898081- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haiti 1× ep/1044690
OCR text
N — 67 — strebte sich, widerstrebende Elemente einander zu nähern und sie gemeinschaftlich für das Wohl des Vaterlandes wirken zu lassen. Ec verkündete die Gleichheit aller serbischen Unterthanen vor dem Gesetze, ohne Unterschied der Suite, und er eiferte mit ebenso viel Geschicklichkeit und Muth für seine hochherzigen Ideen, wie er auf den Schlachtfeldern für die Freiheit seines Vaterlandes gekämpft hatte. Ec verstand es, auch die geringste Abweichung von einer freisin >igen Politik zu vermeiden und jeden Unterschied zwischen Christen nnd Juden zurückzuweisen. Unter der aufgeklärten Regierung dieses Fürsten stieg der Wohlstand des Landes merfyidj. Handel und Ackerbau breiteten sich ausi der Reichthum der Einzelnen stieg gleichzeitig mit dem des Staates; die Steuern wurden pünktlich und leicht bezahlt, und der Wohlstand wurde allgemein. Die an allen Rechten, der Serben betheitigten Israeliten trugen viel zur Hebung des Landes durch ihre Tätigkeit für Handel und Industrie bei. Von 1817—30 waren zwei Drittheile der ersten Kaufleute Belgrad's Inden. Ihrer Vermittelung verdankte eS Serbien, daß es der Sammelplatz fremder Capitalisten wurde, welche in diesem neuen Staate zahlreiche Unteinehm mgen begründeten. Das Glück der Israelitin in ih-en Handelsunternehmungen verfehlte nicht, den Neid und Haß der nicht-israelitischen Kaufleute zu erregen, welche den Kampf mit ihnen nickt auszuhalten vermochten. Da begann die Anzettelung jener Jntriguen, welche io veihängnißvoll für sie geworden sind; jedoch unter der Regierung des Mllosch wagte Niemand, sie zu beunruhigen. In dieier Zeit erkannte die Türkei'die Selbstständigkeit Serbien's an. Jnveß, weder in deizsrst n Dokumenten über diese Aenderung (Haiti - Scheriss vjon 1830), noch in den späteren, worin die Selbstregierung dieses Landes geordnet wurde (Hatti-Sch.'riff von 183Ö und 1834) findet man ein Wort, womit die Lage der Israeliten besonders berührt werde. W:e sollte auch der Fürst Mflosch einen Rechtsunterschied zwischen seinen Unterthanen gemacht haben, er, der ein n neuen Staat eben auf Vernunft und Recht gegründet hatte? Argwöhnte er gar, daß »an die Juden Ausnahmen unterwerfen könnte? Das Ustao, die Grund Verfassung Serbien's, welche nicht die volle Billigung des Fürsten Milosch erhielt, ist in allen auf die bürgerlichen R'chte bezüglichen Bestimmungen von einem und demselben Geiste der Unparteilichkeit beseelt. Kein Ausdruck läßt den geringsten Zweifel über die Verhältnisse der Jiraeliten; nirgends wird zwischen ihnen und den anderen Bürgern unterschieden. Paragraph 27 spricht sich wie folgt aus:; »Ich will (sagt der Sultan), daß die Bewohner Serbien's, Unterthanen der hohen Pforte, geschützt seien in ihrem Vermögen, ihrer Freiheit und Ehre. ES würde mit meinem ausdrücklichen Willen im Widerspruch stehen, daß ein B wohner dieses Landes, wer er auch sei, seiner Rechte beraubt oder einer Strafe unterwerfen werden könnte, ohne vorheriges richterliches Urtheil. In dessen Folge ist es im Interesse eines Jeden erforderlich, verschiedene Behörden einzurichten, deren Aufgabe es sei, die Ausführung der Beamten und Bürger zu überwachen und Berbrechm in Gemäßheit des Gesetzes und der Gerechtigkeit zu bestrafen u. s. w." Diese Bestimmungen lassen den Feinden der Juden keine Möglichkeit mehr, ihre Rechte zu bestreiten, - und dennoch haben sie es versucht, aber vergeblich. Sie fanden an der Festigkeit des Fürsten stets ein Hinderniß. (Forts, f.) Karlsruhe, 17. April. S. K. H. der Broßherzoz habe» sich unter dem 6. d. M. allergnädigst bewogen gesunden, de« iSrastitsschrn Haup'lehrer-Coßmann Ladcnburger in Ladenburz die kleine goldene Civilmedaille zu verleihen. (KarlSr. Z.) Erlangen, 13. April. Das Gemeinde-Collegium und der Magstmt, beide einstimmig, haben beschlossen, dem Professor Dr. Herz das Ehrenbürzerrecht hiesiger Stadt zu verleihen. (Man wird sich der Vorkommnisse in Folge seiner Ernennung als Professor, noch wohl erinnern.) (Nürnb. Kour.) Buttenhausen (Württemberg), 8. April, lieber daS jüdische Schulwesen habe ich J?nen Neues aus Württemberg wenig mitzutheilen Während im Elementarschulwesen Württembergs sehr viel zu seiner Hebung von unserem Kaltminister uif unser» O'erschul-ehörden (Evangelisch >s Konsistorium und Katholischer Kirckenrath) gethan wird, -oäbrend in vielen Fächern Normal» lehrpläne >ür alle Schulen erschienen sind, wird für die specifisch» jüdischen Fächer u >d sü' das speeisiich israelitische in derisrael. Elementarschule nichts gethan. Vom Lesebuch hört man zw« durch eine Eorresponden» des „Israelit",*) daß es bald erscheinen soll, aber ossiciell ist unS Lehrern noch nibtS mitgelheilt worden, und wir werden das neue Schuljahr wieder mrt dem christlich n Le'ebuch beginnen müssen. Lehrer Löwenthal in -vu baa, V rfasser einer hebräischen Lesebüchleins für Anfänger, ist auf sein Ansuchen mit der gesetzlichen Pension in den Ruhestand verseht worden. Der Unterstühungsvercin für israel. Lehrer Württembergs hat bereit» en Vermögen von 400— 500 fl, und gibt zwei dürftigen Lehrern Unterstützung. Zu wünschen wäre, daß sich mit demselben ein Lebrerverein mtt jährstch.-n Konferenzen verbände, in denen die besonderen Verhältnisie der tsrrst. Schule besprochen werden könnten. Von der gekannten Intelligenz der Ausschuß- Mitglieder des Unterstützungsvereins ließe sich erwarren, daß fit auch darin.Be'riedigendes leisten würden. ••) Die pädagogische Monatsschrift „Volksschule" enthält in den letzen 3 Heften veS Jahrgangs 1860 Artikel über die jüdischen Volksschulen Württembergs von Lehrer Weil in Freudenthal, in welchen er zuerst das Resultat seiner pädagogischen R-ise gibt, wir eS seiner Heit auch im „Israel. Lehrer" veröffentlicht wu-de, dann aber die>e Resultate auf die israel. Schul-n Württembergs anvendet, für jedes Religion?- und weltliche Fach das Lehrziel und Andeutnnzen über die Behandlnna jedeeinzelnen Fachegibt. (W r auch im „Jsr. Lehrer." Red.) Dieselbe Zeitschifr enthält eine vergleichende Schulstatistik vom Lehrer Claus in Jsny, aus welcher Nachstehendes die Leser des ^Israel. Lehrer" interesstren dürste: i Nack dem Glaubensbekenntnisse kommen auf je 100 Württemberger 1864 68.8 Protest., 3(t,4 Kathol., 0,7 Israel. württ. Gelehrtenschül. 78.2 „ 20.0 „ U Preußen Gl 37 m 1.3 * preußische „ 65 n '28- 1. „ 6,0 tt Bayern 27,5 tt 71.3 „ 1,2 tt bayerische „ 32,8 tt 64 8 * 2 4 tt Baven 32,6 tt 63,6 1.8 tt badische „ 41,3 w . 55,2 - ft 3.4 ' j > *) int feindlichen Sinne, darum unzuverlässig. — Red.! **) und daß sich ein Weg fände, Unterstützungsverein und Konfe- I renzen mit den „allgemein-deutschen" Unternehmungen in Zusammen-! bang zu bringen, damit die so gut situirte« jüdischen Lehrer Württem-! bergs vom Gesammtkörper ferner nicht getrennt bliebe» Red. I