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Der israelitische Lehrer · 1867-03-07 · 10 (7.3.1867) · p. Seite 39

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
10 (7.3.1867)
Date
1867-03-07
Page
Seite 39 (sequence 5)
Language
German
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39 Wir möchten alle unsre Glaubensbrüder frei wissen. Me groß aber ist noch in Israel die Zahl der Unterdrück- , ten, und wie sehr leiden sie noch durch alle Arten von Un-; terdrückung I Wenn in manchen Ländern, welche den Anspruch auf Cwilisation machen, sie für Aufhebung aller bürgerlichen -oder politischen Beschränkungen kämpfen, so leben sie anderswo noch in Mitten einer barbarischen Bevölkerung, deren Fanatismus sie unaufhörlich mit Gewalt bedroht und zu oft allen Ausschreitungen barbarischer Rohheit überliefert. Wir möchten Israel von Unwissenheit befreien und Alle an dem Umfange der Wissenschaft Theil nehmen lassen, > welcher die gemeinsame Grundlage für die Civilisation der! Völker bildet Aber wie groß ist noch die Zahl derjenigen, j welche, weit entfernt von unS, unter barbarischen Völkern le- , bend, durch Druck und Verfolgung an geistiger Arbeit ge-! hindert, kaum sich einige Kenntniß von der Religion be> ' wahrend, unser bedürfen und auf unsre Beihülfe warten, um aus der Verdummung herauszukommen, in welcher sie leben. Wir möchten die Welt mit unsrer Geschichte bekannt . machen, mit unsrer ReligionS- und Morallehre, mit unsrer Aufgabe für die'Menschheit und der Stellung, welche wir in derselben einnehmen, und wir finden, daß noch überall die sonderbarsten Vorurtheile gegen uns bestehen und von Fanatismus und allen Leidenschaften, welche diesen ausbeuten, aufrecht erhalten werden. Die Schwierigkeiten unsrer Aufgabe sind sehr groß. . Um sie zu erfüllen , müssen sich die Anstrengungen aller unserer Glaubensbrüder in der ganzen Welt vereinigen, und e« ist erst eine kleine Anzahl von ihnen mit uns. Jedoch das Werk ist begonnen, und im Rückblick auf die Geschichte uusers Vereins, auf die bereits überwundenen Schwierigkeiten, auf das bereits gestiftete Gute, haben wir ein unbegrenztes Vertrauen auf die Zukunft. Frage» wir vor Allem nach den Fortschritten unseres Zusammenwirkens. ' Die Gesammtzahl unserer Mitglieder ist seit der letzten Generalversammlung außerordentlich gewachsen. Local-Comite's haben sich gebildet in Frankreich, in Luxemburg, in Italien, in Griechenland, in der Tückei, in Marokko, in Tunis, in Tripolis. Verschiedene neue Mitglieder sind gewonnen worden außer in Frankreich, in Algerien, Oesterreich, Rumänien, in der Türkei, in Syrien, Venezuela, Brasilien. BezirkScomite's sind errichtet worden, wo im vorigen Jahre der Verein noch unbekannt war. So hat uns der beredte Ausruf des Oberrabbiners von Dänemark in diesem , fianbe 24(j neue Mitglieder verschafft, und hat sich in dessen r^olge ein Bezirkscomite in Copenhagen gebildet. In den Vereinigten Staaten haben sich zwei Comite's gebildet, und der Anschluß vieler Mitglieder steht dort in AuSiicht Das Bosirck of delgates in New-'Aork, eine Körperschaft zur Vertretung einer Anzahl Amerikanischer Gemeinden, hat auf sein Jahres-Budget die Summe von 500 srcs. für die von uns zu errichtenden Schulen übernomrnen und bedauert, daß feine finanzielle Lage ihm nicht er- ' laubt, mehr zu geben. Die Gesellschaft Benei - Berith in den Vereinigten Staaten, ein philantropischer Verein, welcher an 10,000 Mitglieder zählt, unterhält mit unS die freundlichsten Beziehungen und gibt uns Hoffnung, sehr bald an unsrer Wirksamkeit thätigen Antheil nehmen zu können. In Brasilien (Pernambuco) haben junge Leute jüngst einen Wohlthätigkeits - Verein gegründet und statutarssch nicht blos einen jährlichen Beitrag festgestellt, sondern auch im Falle der Auflösung das ganze Vereins-Capital der Alliance verschrieben. In Curayao haben Damen einen Wohlthätigkeitsvereiu gegründet und in gleicher Weise durch dar Statut einen Jahresbeitrag bestimmt und außerdem dem Localcomite unseres Vereins Beihülfe zugesagt. An diesem Eifer, womit unsere Glaubensgenossen jener fernen Länder sich uns anschließen, erkennt man, daß der alte Geist israelitischer LiebeSthätigkeit sie beseelt. Auch die israelitische Presse unterstützt uns kräftig. Wenn auch sonst vielfach auseinandergxhend, in der Aneiferung unsrer Glaubensbrüder zu Gunsten unsrer Unternehmungen gehen sie einig, und so hoffen wir, daß durch diese Propaganda unser Verein sich auch bald in viele« andern Ländern ausbreiten wird, in denen wir bisher nur wenige Anhänger zählen. Unser Verein ist noch weit entfernt von jener universellen Ausbreitung, welche zu erstreben unsre Pflicht ist; aber trotz der Unzulänglichkeit unsrer Mittel, hat unsre Wirksamkeit doch glänzende Resultate errungen, sowohl für die Verbesserung der politischen und socialen Lage unserer Glaubensgenossen, als für den Fortschritt in ihrer wissenschaftlichen und moralischen Bildung. Im Orient ist die Lage der Juden in Persien für unS ein Gegenstand der Betrülmiß und der Beunruhigung. Wir haben Ihnen dieselbe bereits im vorigen Jahre geschildert, aber sie hat sich leider noch nicht geändert, besonders in den im Innern gelegenen Städten. Verwundet — dürfen sie nicht wagen, sich zu rächen; geschlagen — nicht sich zu vertheidigen, beraubt — nicht sich zu beklagen. So haben, sie grausame Leiden zu erdulden, und wir sind Ihnen dabei die einzigen Vertrauten Von Zeit zu Zeit stürzt sich die Verfolgung mit barbarischer Wnth auf sie; alsdann gibt es schreckliche Scenen von Raub und Mord. haben ihnen leider da wieder von einem traurigen Beispiele der Verfolgung zu berichten. Zu Balforudsch, in der Prbvinz Hamadan, war ein junges Mädchen entschwunden uno dadurch die ganze Bevölkerung gegen die Israeliten aufgeregt.. worden. Von Raub und Mord bedroht, fuchtln sie sich durch,Uebertritt zum Islam zu retten. j Durch Vermittelung des, f 'anzesischen - und englischen Ministers erlangten sie die Erlimbniß, ohne weitere Be- : nachtheiligung zu ihrer Religion z arückkehren zn können. Die : Regierung schien glücklich, durc> diese den Israeliten bewiesene Genugthuung den entsch ebenen Entschluß zu zeigen, üe beschützen zu wollen. Die Gesandtschaft in Paris versicherte uns dies in einem Breie vom M. Juli, welcher al'o lautet: ' (Fortsetzung folgt.). -

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