Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 10 (7.3.1867)
- Date
- 1867-03-07
- Page
- Seite 39 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir möchten alle unsre Glaubensbrüder frei wissen. We groß aber ist noch'in Israel die Zahl der Unterdrückten, und wie sehr leiden sie noch durch alle Arten von Unterdrückung! Wenn in manchen Ländern, welche den Anspruch auf Cwllisation machen, sie für Aufhebung aller bürgerlichen oder politischen Beschränkungen kämpfe«, so leben sie anderswo noch in Mitten einer barbarischen Bevölkerung, deren Fanatismus sie unaufhörlich mit Gewalt bedroht und zu oft allen Ausschreitungen barbarischer Rohheit überliefert. Wir möchten Israel von Unwissenheit befreien und Alle an dem Umfange der Wissenschaft Theil nehmen lassen, welcher die gemeinsame Grundlage für die Eivllisation der Völker bildet Aber wie groß ist noch die Zahl derjenigen, welche, weit entfernt von unS, unter barbarischen Völkern lebend, durch Druck und Verfolgung an geistiger Arbeit gehindert, kaum sich einige Kenntniß von der Religion bewahrend, unser bedürfen und auf unsre Beihülfe warten, um aus der Verdummung herauszukommen,' in welcher sie leben. Wir möchten dir Welt mit unsrer Geschichte bekannt machen, mit unsrer Religions- und MoraUehre, mit unsrer Aufgabe für die Menschheit und der Stellung, welche wir in derselben einnehmen, und wir finden, daß noch überall die sonderbarsten Vorurtheile gegen uns bestehen und von Fanatismus und allen Leidenschaften, welche diesen ausbeuten, aufrecht erhalten werden. Die Schwierigkeiten unsrer Aufgabe sind sehr groß. Um sie zu erfüllen, müssen sich die Anstrengungen aller unserer Glaubensbrüder in der ganzen Welt vereinigen, und er ist erst eme kleine Anzahl von ihnen mit unS. Jedoch das Werk ist begonnen, und im Rückblick auf die Geschichte uusers Vereins, auf die bereits überwundenen Schwierigkeiten, auf das bereits gestistete Gute, haben wir ein unbegrenztes Vertrauen auf die Zukunft. Frage» wir vor Allem nach den Fortschritten unseres Zusammenwirkens. Die Gesammtzahl unserer Mitglieder ist seit der letzten Generalversammlung außerordentlich gewachsen. Local-Comite's haben, sich gebildet in Frankreich, in Luxemburg, in Italien, in Griechenland, in der Türkei, in Marokko, in Tunis, in Tripolis. Verschiedene neue Mitglieder sind gewonnen worden außer in Frankreich, in Algerien, Oesterreich, Rumänien, in der Türkei, in Syrien, Venezuela, Brasilien. Bezirkscomite's sind errichtet worden, wo im vorigen Jahre der Verein noch unbekannt war. So hat uns der beredte Aufruf des Oberrabbiners von Dänemark in diesem Lande 240 neue Mitglieder verschafft, und hat sich in d'effen rvolge ein Bezirkscomite in Copenhagen gebildet. In den Vereinigten Staaten haben sich zwei Comite's gebildet, und der Anschluß vieler Mitglieder steht dort in Aussicht Board of delgates in New-Dork, eine Körperschaft zur Vertretung einer Anzahl Amerikanischer Gemeinden, hat auf sein Jahres-Budget die Summe von 500 srcs. für die von uns zu errichtenden Schulen übernommen und bedauert, daß seine finanzielle Lage ihm nicht erlaubt, mehr zu geben. Die Gesellschaft Benei - Berith in den Vereinigten Staaten, ein philantropischer Verein, welcher an 10,000 Mitglieder zählt, unterhält mit unS die freundlichsten Beziehungen und gibt uns Hoffnung, sehr bald an unsrer Wirksamkeit thätigen Anthell nehmen zu können. In Brasilien (Pernambuco) haben junge Leute jüngst einen Wohlthätigkeits - Verein gegründet und statutarssch nicht blos einen jährlichen Beitrag festgestellt, sondern auch im Falle der Auflösung das ganze Vereins - Capital der Alliance verschrieben. In Curayao haben Damm einen Wohlthätigkeitsverein! gegründet und in gleicher Weise durch das Statut einen! Jahresbeitrag bestimmt und außerdem dem Localcomite un- , seres Vereins Beihülfe zugesagt. | An diesem Eifer, womit unsere Glaubensgmossen jener I fernen Länder sich uns anschließen, erkennt man, daß der alte Geist israelitischer LiebeSthätigkeit sie beseelt. Auch die israelitische Presse unterstützt uns kräftig. Wenn auch sonst vielfach auseinandergehend, in der An- . eiferung unsrer Glaubensbrüder zu Gunsten unsrer Unternehmungen gehen sie einig, und so hoffen wir, daß durch! diese Propaganda unser Verein sich auch bald in vielen : andern Ländern ausbreiten wird, in denen wir bisher nur wmige Anhänger zählen. Unser Verein ist noch weit entfernt von jmer univer- . seilen Ausbreitung, welche zu erstreben unsre Pflicht ist; aber trotz der Unzulänglichkeit unsrer Mittel, hat unsre > Wirksamkeit doch glänzende Resultate errungm, sowohl für die Verbesserung der politischen und socialen Lage unserer Glaubensgenossen, als für den Fortschritt in ihrer wissenschafllichen und moralischen Bildung. Im Orient ist die Lage j»er Juden in Persien für uns ein Gegenstand der Betrübniß und der Beunruhigung. Wir haben Ihnen dieselbe bereitim vorigen Jahre geschildert, aber sie hat sich leider noch nicht geändert, besonders in den im Innern gelegenen Städten. Verwundet — dürfen sie nicht wagen, sich zu rächen; geschlagen — nicht sich zu vertheidigen, beraubt — nicht sich zu beklagen. So haben sie grausame Leiden zu erdulden, und wir sind ihnen dabei die einzigen Vertrauten Von Zeit zu Zeit stürzt sich die Verfolgung mit barbarischer Wuth auf sie; alsdann gibt es schreckliche Scenen von Raub und Mord. Wir haben ihnen leider da wieder von einem traurigen Beispiele .der Verfolgung zu berichten.! Zu Balforudsch, in der Provinz Hamadan, war ein junges Mädchen entschwunden und dadurch die ganze Bevölkerung gegen die Jsraelitm aufgeregt worden. Von Raub und Mord bedroht, suchten sie sich durch Uebertritt zum Islam zu retten. Durch Vermittelung des französischen und englischen Ministers erlangten sie die Erlaubnis, ohne weitere Benachtheiligung zu ihrer Religion zurückkehren zu können. Die Regierung schien glücklich, durch diese den Israeliten bewiesene Genugthuung den entschiedenen Entschluß zu zeigen, sie beschützen zu wollen. Die Gesandtschaft in Paris versicherte uns dies in einem Briefe vom H. Juli, welcher al'o lautet: (Fortsetzung folgt,)