Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 8 (21.2.1867)
- Date
- 1867-02-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mt Jsrarlitischf Lckrer. ndes Zeitschrift für die gesammten Jnteresien des israelitischen Lehrerst r \ und zugleich Organ für^en Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer Wittwen und -Waisen in Deutschland. M 8. Mainz, den 21. Februar 1867. (iksdvntsr ^«.IrrKaLK.) Wöchentlich l Nummer. Vierteljährlicher Abonnementspreis 27!r. — li\ Thlr. Bei franlirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 sl. 12 kr Anzeigen zu I Cgr. die Petitzeile. Bestellungen nchnien alle Postämter und Buchhandlungen an. Was verstehen wir unter fornialer Bildung durch den Unterricht? (Fortsetzung.) Die Aufgabe der Volksschule liegt nicht in der Ausbildung zu einem bestimmten Berufe. Der Kaufmann, der Oekonom, der Gewerbetreibende, sie haben Alle gleiche Rechte an die Volksschule. Es darf also in der Volksschule — Elementarschule — eigentlich nichts Anderes berücksichtiget werden, als die Bildung für das menschliche Leben im Allgemeinen, — die Bildung des Geistes und Herzens durchlebendigen, allgemein-fruchtbringenden Stoff. Sind wir ja selten oder nie im Stande, während der Schulperiode den künftigen Beruf eines Menschen voraus zu bestimmen, und wo dies der Fall ist, stützt sich diese Lebensbestimmung nicht auf die innere Triebkraft, auf die Erkenntniß der entsprechenden Anlagen im Kinde. Von einem eigentlichen Berufe kann hier also nur selten die Rede sein. Es hat demnach die Volksschule die Obliegenheit, das zu lehren, wodurch „die Menschheit sich fortpflanzt." Soll der Schüler in der Schule nur mit einer gewissen Fertigkeit, mit einem bestimmten Wissen bekannt gemacht werden, so ist der Zweck ein materieller; sollen aber die Kräfte und Anlagen! des Kindes in naturgemäßer Weise ausgebitdet werden, so ist ries der formale Zweck des Unterrichts. Eine wirkliche Trennung beider Unterrichtszwecke ist undenkbar, läßt sich nicht durchführen, ist auch von denkenden und wohlwollenden Schulmännern nie angestrebt worden. Wohl läßt sich eine Richtung des Unterrichts auf daS materielle Wißen denken, die den formalen Zweck ignorirt. Aber nimmer gibt es sormalbildenden Unterricht ohne materieller Grundlage, weil eben das Leben am Stofflichen hastet. Und gerade je höher und kräftiger der Geist entwickelt und gebildet ist, je mehr die formale Bildung bezweckt worden, mit desto mehr Energie wird sich, der Geist auch des materiellen Stoffes, woran die Bildung ja doch eigentlich haftet, oemächtigen. — Aber dennoch ist der formale Zweck des Unterrichts der höhere. Nicht die Summe eines oft einseitigen Wissens, nicht der hohe Grad der Fertigkeit in dem einen oder! andern Zweige des SchUlunter - richts macht den tüchtige«, ganzen Menschen, der im Leben der Gesammtheit seine Stelle wohl und ganz erkeNnt und ausfüllt. Eine gediegene Ausbildung der gesammten im Menschen ruhenden edelmenschlichen Anlagen und Kräne, j insbesondere eine tüchtige Aui bildung der Denkkrast gibt dem Menschen die Mittel in di- Hand, überall sich zürecht zu finden, seinen Platz unter seinen Mitmenschen gehörig auszufüllen Kömmt hierzu noch eine tüchtige Hertens- und Gemüthsbilvung, eine Richtung des gesammten Menschen auf das Höhere, auf daS Wahre, Gute und Schöne, auf die Sittlichkeit — dann hat die Volksschule ihrs Aufgabe erfüllt, und sie kann die spezi ll berufliche Ausbildung einer späteren Periode des Lebens getrost überlassen. Wird hierdurch der materielle Zweck der Schule vernachlässigt; wird das Maas der nöthigen Kenntnisse und Fertigkeiten, die man von den Schülern fordert, verkleinert werden? Werden die Schüler unpraktisch, im Leben unbrauchbar, werden sie weniger „sihreiben, lesen und rechnen" können.? Es ist uns wohl bekannt, daß man in neuerer und neuester! Zeit denjenigen Lehrern die den „formalen Zwecken" ihire Hauptausmerksamkeit zuwenden, vorgeworsen hat, daß!sie „einem hohlen unfruchtbaren Formalismus, Utopien und unhaltbaren Idealen" huldigen. Konnte so ein Schüler zufällig das „Einmaleins" nicht tüchtig > und correkt oder nicht geläufig „oren" so hat man einen „Sündenbock" im Lehrer eix Opfer für den Asasel gefunden, die Frommen und Praktischen rufen im Chorus: Steiniget ihn (den Lehrer), denn ,r jagt unfruchtbaren Ideen nach. Der formale Zweck des Unterrichts ist der höhere. In dieser, der „formalen" Richtung der Schule ver Gegenwart, ist eigentlich der Hauptunterschied unserer, Schule gegen die „Kirchenschulen" (Chedarim) der Berganäenhejt ausgesprochen. „In Betreff der Schule des 16. rmd fast des ganzen 17. Jahrhunderts (und bei den Judm des 18. Jahrhunderts) kann man von Methode, d. h. von bewußter und rationell-begriindeter Behandlung der Unternchtsgegenstände nicht reden." „Erst nach Pestalozzi — der leuchtendste Fixstern am pädagogischen Himmel-hat man die allgemeinen und besonderen Principien des Unterrichts