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Der israelitische Lehrer · 1867-01-31 · 5 (31.1.1867) · p. Seite 20

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
5 (31.1.1867)
Date
1867-01-31
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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jede freiere Regung wird gehemmt. und welchen peinlicher» Eindruck muß eS auf das Gemüth der jungen Leute machen, wenn sogar Mitglieder der Gemeinde sich dazu hergeben, erster zu denuncircn, wenn dieselben sich ein erlaurtcs Eabbathvirgnügen machen oder dann und wann eine Cigarre raucken u. dgl. (nicht am Eabbarh!) Eo sind die Seminaristen eS schon gewohnt, vcn jedem Beliebioen ton oben herunt.r angegeben zu werten. Possirte es dcch E'^>km, daß in der jüdischen Restau- ' rotion ein Mann, der zudem nickt einmal auS der Stadt war, einem Seminaristen — der nicht mit zu Tisch ge>essen batte — im vollen Zimmer die gröbsten Beleidigungen sagte, weil dieser während deS Tischgebetes 'den Kopf zu bedecken vergefien Halle, ihn aber vorher fragte: Sind Sie er» Seminarist? Daher die Furcht, die Unterthänigkeil. Das Tbester können sie nur heimlich besuchen, und dieser wichtigen Bildunxsmitiels' sollen sie nicht tbeilbaft'g werten^. Jeder Schritt wird -überwacht, .und da dieses die jüngeren Zögl:npe bald merken, so blicken sie oft neidisch auf einige Borrechte ter Senioren und sie sinw bäusig zu bereitwillig,, jeden ibrer Schritte zu bela scheu und, wenn nicht die D nuncalion auszusübren. so doch mit beneiden zu droben. Ta ist in ein r großen Stadt der gute Ruf manchmal gefährdet. Ich spreche au- Erfahrung und bemerke ferner, daß eS auch hier edle Ausnahmen gibt und ocen bezeichnet eben solche »Elementargeister" sind, die nachbcr alS Lehrer mit ibren Gemeinten aucu nicht recht »auskommen" könn>n. ES wäre d»rgl. mehr anzuiübren, das' Wenige aber genügt schon, um ungefähr zu beurtheilen, mit welchem Sinn,-mit welcher Aengfil Lkeit die angehenden Lehrer in ihre Stelle einrücken. Es drangt mich, hier noch einen Uebelstand gelegentlich anzuiübren: das ist der Musikunterricht in dem Seminar. Ich glaube nicht zu viel zu behaupten, wenn ich sage, daß nicht einer der aus der Anstalt abge»enten Candidaten iäbig ist, gründlich.wMusikunterricht zu ertheilcn*), da auf jeden Einzelnen alle vierzehn Tage ungesätr */« Stunde Spiel (Clao:er — Violine wird nickt unterrichtet) und 1/4 Stunde Singen kommt. Abgesehen daron. daß den Lehrern dadurch ein bedeutender Nebenverdienst abgebt, sind sie auch nicht im Stande, einen Chor zu leiten, und wo ein solcher bestanden, zerfällt er bäusig beim Eintritte eines angehenden Lebrer-. Ferner liegt er in den Rabbinen. Diese besitzen — oder besaßen bisher — in Hannover eine zu große Macht. Jeder Eckr'tt d.s LcbrerS wird ron ihnen strengstens überwacht und vcn jeder Kleinigkeit wollen sie Rechenschaft haben. — Ihre Autorität ist unnabbar und äveS soll sich ibr fügen. Konnte es dock verkommen, daß ein Landradbiner einem durch seine Kenrtnisie und seinen Charakter hochgeachteten Lebrer sein'»ernstes Mißfallen" ausdrückte, weil obgenann e Lebrer einen Aufruf in der »Zta. f. Nordd." an. die College« ergeben ließen zur Ccnserenz nach Lehrte; war doch ein Land aboiner entrüstet darüber, daß eine Ansiorderunz zur 'Unterstützung eines unglücklichen Erllegen nicht zuerst an ihn kam, sondern durch die »Ztg. d. Judenth." und detr '.Jsr Lehrer" veröffentlicht wurde; (der Grund ist unschwer zu erratben.) Eckon im Seminar saugen die Zö, linge . also Servilismus und Unterthänigkeil ein, schon'ca wwd ihnen der »Standpunkt zum Vorgesetzten klar gemacht." Und dieses Abhängigkeitsgefühl klebt vielen Lehrern lange an, , sie bringen eS mit in die Gemeinde und glauben es ewig bewahren zu müssen. Darum scheuen sie sich größtenteils, ein freies, kräftiges Dort zu sprechen, darum die stetige Besorgniß, ihre Worte möchten von dem Vorgesetzten mißbilligt werden; darum die Angst, sie möchten, wenn sie frei und freisinnig reden, zu etwa vacant werdenden besieren Stellen nicht befördert werden. Wo sell nun die Harmonie und Verein'gunz h-rkommen? Darum sollten die Lehrer Hannover'« bedenken, daß sie Lehre» sind, die den Anforderungen der Zeit gewachsen, und keine Schüler; sie sollten daran denken, daß im Woble der Gesanimtheit das H>il d s Einzelnen beruht, daß vereinte Kräf e viel vermögen. Sie sollen vor allem nicht so fuea tsam sein top« C’»’N co’t'N möchte ich ihnen zurufen: seid Männer 'und bedenket, daß vcn Euch zum großen Thcil das Wohl der Gemeinde, die Bildung abhängt. „Helft Euch selbst" — »dann hilft der Helfer droben.' Die intelligenteren Lebrer im Hannoverlande, wie die oben erwähnten, wißen da»; und darum naben sie we'Slich gerathen, in corpore sich krm allgemeinen d utsch-israelitischen Le ververein anzuschließen. Es beißt sitzt: »Schließ an ein Ganzes Dich an." Es wird jetzt um so leichter, als ganz Norddeutschland zu einem Bunde geeinigt ist. Indemdie Hannover'scken Colle, fen sich dem »UntzrstStzungSverein iür ganz Deutschland" anschließen, werden sie nickt allein den Verein stützen und kräftipeu, sondern auch für sich einen sichern Anhaltspunkt finden. Möchte mein Wort dtzu etwas beitragen; damit wäre seine Absicht erfüllt. Einer aus der Nähe! Anzeigen. Zur Nachricht. Allen Freunden und Eollcgen im Haniivvcr'scheu, die mich mit der Anfrage beehrt haben,' was von dem Raisonnemeiu deo Herrn B l u m e n a u in Bielefeld in Nr. 3 der „Ztg. d. Judmtbums" zu halten sei, diene zur Antwort: Kein Anschluß derbanncver'fchen Lehrer an die Unlcrslützungokasfe für Rheinland und Westfalen! Nicht vcn eineni Partieulariönius in den andern! Bleiben wir der -einmal aufgefteckten b c s s c r c in Fabne treu: Allgemeiner Anschluß an den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger iSr. Lebrer, Lehrer - Wilrwen und -Waisen in D c u t s ch l a n d! — Mehr n"’"x in Haimover! H arburg im Januar 1867. I. 2. Fleischbacker. In unserem Verlage erschien foe-en: Der Sprachnnterricht io der Volksschula Ein Beitrag zur sachgemäßeren Gestaltung drflclben. Von Georg <-L u z. *1 Es nr nicht d'e> Aufgabe des Seminars, dafür zu sorgen, daß diese Rüsitkehrer werden können, wohl aber, daß sie befähigt sind, den Gesanaunterricht' in der Schule und den Synagogenchor zu leiten. Redaktion i2’li Bogen groß 8°. Preis fl. 1. oder 18 Ngr. Wiesensteig, 18 Januar 1867. Schmid'sche Buchhandlung. Velantwortticher Redacteur: I. Rlingenstein in Ldernheim in Rheinhesien; Selbstverlag der Redaction. Für den Buchhandel: in Eommisiion bei Oskar Leiner in Leipzig. — Tamps-Schnellprefsenrduck vo» Z. Gottsleben in Mainz.-

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