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Der israelitische Lehrer · 1867-01-10 · 2 (10.1.1867) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
2 (10.1.1867)
Date
1867-01-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I Zeitschrift Der Jterartiüsriu' IeKrer für die gesammten Interessen des israelitischen LehrerstandeS und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittwen und -Waisen in Deutschland. J\6 8. Mainz, den 10. Januar 1867. (Sivhsnler Jahrgang.) Wöchentlich 1 Nummer. Vierteljährlicher Abonnementspreis 27 kr. — V4 Thlr. Bei frankirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12. kr. Anzeigen zu 1 Egr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandllmgen an. Mehr Schatten als Licht. > Ein Erzichungsgrundsatz. Obiges ist das Thema einer Sukkothpredigt, enthalten! in einer jüngst von einem jungen Rabbinen, Zögling des; Frankelffchen Seminars, edirten, neben einzelnem in Aus- I druck und Ausführung freilich Absonderlichen, dennoch in Kern und Inhalt weit mehr Treffliches und Gediegenes darbietenden Predigtsammlung. Dieselbe schließt sich sinnig an die rabbinische Vorschrift für. die Laubbütte an, daß selbige .mehr Schatten als Licht" (präciser: Sonnenwärme!) verschaffen müsse: und dies nun, weil ja die Hütte ein naheliegendes Symbol des häuslichen Lebens sei, als Motto für die Jugenderziehung aufstellend, führt der Redner im zweiten Theile seines Vortrages , sehr erbaulich und einleuchtend aus, wie Versagen dem Kleinen weit zuträglicher sei als Gewähren, da sie nur im Entbehren für alle unvermeidliche Wechselfälle des Lebens vorbereitet werden könnenwogegen sie, wenn nur an Genuß und Wohlleben gewöhnt, in Zeiten der" Prüfung und Roth notwendig der Verzweiflung und dejm Verderben anheimfallen müffen. Eine dringliche Mahnung an die Eltern, mit Einfachheit, Anspruchs- und Prunklosigkeit, Verzichtleistung auf Glänzen nach Außen und Befriedigtsein mit häuslich-stillem Glück und Frieden thatlächlich ihren Pflegebefohlenen daS Beispiel zu geben, g«bt dieser Exposition schöne Abrundung und Vollendung. Je befriedigter wir aber von diesem - Theile der Rede uns finden, desto mehr Scrupel erregt uns der ihm vorangehende, speziell von jüdisch-religiöser Erziehung handelnde,; indem zwar die Form der Behandlung ganz dieselbe (Lehre und Leben, Wort und Thal), der Inhalt dagegen als ein auf dem lockeren Sande blinder Gläubigkeit erriclletex Bgu sich darstellt I Um dem Leser ganz klar zu sein und dem Verfasser nicht etwa durch verstümmelte Wiedergabe seiner Worte Unrecht zu thun, möge dieser Theil hier vollständig seinen Platz finden. „Religion muß das Erste sein, woraus wir bei der Erziehung unserer Kinder unser Augenmerk richten. Wir find die Erben einer großen, glorreichen Vergangenheit — wir erhoffen eine Zukunft — wir stehen im Dienste des Judenthums, Gott bat uns unsere Aufgabe zugewiesen, wir müffen Unsere Erziehung so einrichkn, daß unsere Kinder nach uns diese Aufgabe, diese Mission auf sich nehmen und weiter führen; — das Judenthum aber — das Judenthum — nicht wie es sich heute Viele zurechtlegen — sondern das wahre, echte, dos der heiligen Thora und der Tradition, legt uns gar mancherlei auf: Gebote und Cerewonien, deren letzter Grund uns nicht gngegeben, ja deren letzter Grund erforschen und ergründen zrr wollen uns geradezu verboten ist. (Joma. 67, 6.: Meine Gesetze sollt ihr beobachten, Ich der Herr habe sie festgesetzt, und Du | bifl nicht befugt, über sie zu grübeln). Turm unsere Zeit; aber, v. V., geht ein Zug der Forschung, der Bloßlegung j und Aufdeckung alles, auch des Geheimsten und Verhüllte- I sten. Unsere Zeit will begreifen, klar, deutlich, will überzeugende Gründe für Alles, was von ihr verlangt wird. Dieser rege Anschauungstrieb ist gewiß segensreich, so er sich hält innerhalb seiner Schranken, in den Gebieten, die ihnz zugewiesen. Verderben aber stiftet er dann, wenn er sich verwirrt in die Sphäre der Religion. — Wer da mit Ansprüchen austritt, die er erheben darf in anderen W:ffenschaiten, auf anderen Gebieten, der raubt sich selber seine Ruhe, seinen Frieden; darum, Israeliten, ist's, wenn je. so in unserer Zeit geboten, dem Kmde recht früh begreiflich zu machen, daß in allem Religiösen der „Schatten mehr ist als die Sonne —" es liegt in uns der Drang, dem Lichte uns zuzuwenden, sonnenhaft hell will unser Geist, unsere Vernunft das sehen, was ihm die Religion befiehlt — da gilt's denn früh schon dem Kinde zu sagen: Sieh, mein Kind, die Sonne selber an, ohne die könnten wir nicht leben — erstarren müßte alles ohne ihre Wärme, und was wäre ein Leben ohne Licht, sie ist von Gott selber zur Wohlthäterin der- Menschen geschaffen —. kannst du ihr aber in's Antlitz schauen? Wendet dein Auge sich nicht bei jedem Versuche geblendet ab? Das Menschenauge ist nicht gemacht, solch' Helles Licht zu ertragen. Und wie's unserem leiblichen Auge, mit der Sonne, so geht'S unserem geistigen Auge mit Gott und seiner heiligen Religion. Moses, der GotteSmann, dem der Herr sich offenbarte, den er gewürdigt und erkoren zu seinem Boten, der die höchste Höhe der!

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