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Der israelitische Lehrer · 1867-01-03 · 1 (3.1.1867) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
1 (3.1.1867)
Date
1867-01-03
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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I Her.Hsrselitisrlw Zehrer. 4 i Zeitschrift _£-;* für die gesammten Interessen des israelitischen LehrerstöndeS . und zugleich Drgan für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittwen und '-Waisen in Deutschland. J\§ 1 Mainz, den 3. Januar 1867. (Siebenter Jahrgang.) MSchenIlich I Nummer. Vierteljährlicher Abonnements preis 27 lr. --- 1/4 Thlr. Bei irankirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12 kr. Anzeigen zu l Egr. die Petitzeile. , Bestellungen nehmen alle Postämter und-Buchhandlungen an. ^ine Wahlrede des Herrn Domkapitulars »e. Ehr. Mo »fang in Mainz. . — In den trüben, regnerischen und kurzen Dezembertagen Hi eses Jahres wurde in der goldnen Stadt Mainz erstaun- Tich viel Staub auf gewirbelt und viel leeres Stroh ge- Hrolchen; Manche mögen sich auch nach Herzenslust im Schmutz gebadet haben. Unbekannte und bekannte Redner traten iuf und sprachen über die bevorstehende Landtagswahl im frankfurter Hofe, allwo das katholische Casino seinen Sitz ufgeschlagen hat und in andern dunkeln und lichten Räumen, über Allerlei, was die Urwähler zur Parteinahme b'e- Pimmen konnte. — Die Wahlen sind vorüber. Es liegt der Lendenz unserer Zeitschrift und unsrer Stellung ferne, über tüese Wahlkämpfe unr Wahlreden zu uctheilen. Aber es ist auch der Juden bei diesen Reden gedacht morden. Ludw. Bamberger, ein Führer der Demokratie im Jahre 1646, zetzt in Paris, war der Kandidat der Fortschrittspartei*) Die religiöse Frage ab ebenfalls Beranlasiung zur Erwähnung der Juden. Da trat denn auch Herr Dr. Chr. Dtoufang, Domkapitular in Mainz, Vertreter des Hecm s^iichossKetteler in der ersten hessischen Kammer mit einer »Toleranzrede" aus. Das ist eine neue Rolle für diesen Herrn; Rann man uns darum verargen, wenn wir unsrerseits mit Einiger Verwunderung und einigem Mißtrauen diese Rede qMiten? Wir wollen nun die Worte des Hrn. Domkapitulars hier beleuchten. — Wir geben sie darum wortgetreu Mieder! „Das zw eite Unrecht, welches die Mainzer Zeitung uns «mthut, besteht darin, daß sie uwere Bestrebungen in der re li - S iö sen Frage entstell. In unserm Programme, das wir ver- Hfsentlicht haben. und das ohne Zvsifel in allen Ihren Händen ist, heißt es:. „Ganz besonders sollen unsere Vertreter bei der in nächsten Sitzung der Stände in Aussicht *) Es fehlten dieser Partei 50 stimmen zum Siege. Rudolph »am beiger Bruder des obigen, wurve in Wörrstadt, >ar. Marcus rdinger von Worms >n feiner Barerstadt depulirt, fv daß in der »eijnchen jetzigen Kammer z»v«i Israeliten find. beide der Fortschritts- ^ter zugehörig. — stehenden Regelung des Verhältnisses der Kirche zum Staate der Grundsätze w ihrer Gerechtigkeit und wahrer Freifinnigkeit eingedenk sein." Das ist doch ebrlich und deutlich gesprochen. Wir fahren in unserem Programme fort: „Achtung jeder wahrhaft religiösen Ueberzeugung, Anerkennung der den christlichen Consessionen rechtmäßig zukommenden Selbstständigkeit, gesetzlicher Schutz der freien Entfaltung, unseres religiösen Lebens! Rur auf diesen Grundlagen ist der Friede unserer Bevölkerung zu sichern, und nur wer diesen Frieden zu fördern bereit isl, soll unsere Stadt in der Kammer vertreten." ,DaS war für Jeden verständlich. Diese. Worte sind eigentlich einer falschen Deutung gar nicht fähig Und dennoch stellt die Mainzer Zeitung, wie Sie schon aus dem Munde meines verehrten Vorredners gehört haben, die Frage: Wo bleibt denn die jüdische Confession? Ich konnte antworten: Davon besonders zu reden, lag gar keine besondere Beranlasiung vor, denn weder die Katholiken, noch die Protestanten, weder der Fortschritt, noch was man Reaktion nennt, legt derjüdischen Konfession irgend etwas in den Weg. Und doch, meine Herren, wir sagen ausdrücklich: „Achtung vor jeder wahrhaft religiösen Ueberzeugung, Ordnung des Vechältnisies der Konfessionen nach den Grundsätzen wa.rer Gerechtigkeit und wahrer Freisinnigkeit. — Daß wir unseren israelitischen Mitbürgern nicht zu nahe treten, daß wir sie nicht vergewiltizen wollen, daß wir ihnen die freie Entwickelung ihre» religiösen Lebens gönnen; dafür sprechen klar unsere W-'rte, ich bitte nur, sie genau ainusehen; aber dafür sprechen als ein Beweis der Wahrhaftigkeit unserer Worte auch unie.e Handlungen Wann, meine Herren, frage ich Sie, wann wurden jemals in unserer Stadt die Israeliten in der freien Gestaltung ihres religiö en und Konfessionellen L bens behindert? von wem ist das je geschehen? Es bestehen hier zwei israelitische Gemeinden, wir mischen uns m diese Disierenz nicht ein,- es sind unsere Mitbürger wir achten sie. wir hindern sie m Nichts Doch, Imeine Herren, bester noch als mit solchen mehr allgemeinen Reflexionen kann ich Ihnen durch eine einfache schlagende Thatsache beweisen, wie wir

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