Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 51 (20.12.1866)
- Date
- 1866-12-20
- Page
- Seite 210 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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210 Berlin, 7. Dez. Brr her Debatte über daS Etat der Universitäten beantragt Dr. Losch, daß auch an der KönigSberger Universität jüdische Docenten /endlich zugelaffen werden möchten, wo auf der Eultusminister auf die besonderen Statuten der Königs erger Universität hioweist, welche die Anstellung jüdischer Docenten, eben auSschlirßea. In New-^ork beschäftigt man sich jetzt eifrig mit der Errichtung eiws jüdischen Seminar-, das besonders den Zweck haben soll, Geistliche and Lehrer für die amerikanischen Gemeinden zu bilden. Die Tendenz dieser Anstalt soll eine vorwiegend oder vielmehr ausschließlich reformistische sein, und -s wurde beart'aqt, daß die Mügtieter des leitenden Eomite's nur aus solchen jüdischen Gcmeind n gewählt werden sollen, die in der Liturgie die Bitte um Wiederherstellung des TewpelS d^r blutigen Opfer, und A-kunft d s persönlichen Messt s gestrichen habeu. Newhork Hot an Dr. Adler und Einhorn ausgezeichnete Repräsentanten der Reformrichtung, die sich dabei alS bedeutende Eoryphäen auf dem Gebiete der jüdisch-theologischen Wissenschaft ausz^ichnen. Es läßt sich daher erwarten, daß da» zu errichtende Seminar ein Hervorraa ndes Institut werden wird. Darauf reduziren sich auch die Rachrichten von einer zu errichtende.! jüdischen Akademie in Amerika. Man will einfach, wie d'es in Amerika durchgängig im Brauch ist, rin crnfessionelles Eoll g. wo alle Wissenschaften und d e Wissenschaft des JudentbumS vereinigt gelehrt werden sollen, und dem in der ideologischen Elaste die Krcne aufaesetzt werden soll. Daß natürlich der Amerikanismus manch-s Absonderliche zu Tage fördert, erhellt auS der Einbildung, eS würden aus dem Seminare Theologen „auch für Europa" herrorgeben. Ein klare- Bild der Verhältniste gibt ein Bonmot, das in ganz Rew- 2>ork gang und gäbe ist. In der Adler'schen Eynag-ge — EManuel Gemeinde — betet man hebräisch, mit unbedecktem Haupte; in der Einhcrn'schen fast nur Deutsch mit bedecktem Haupte; ein Witzling sagte dabertreffend: In der Emanuelgemeinde sitzen sie we die G'jim und-beten wie die Juden; in der Einhorn'schen Synagoge sitzen sie wie die Juden und beten wie die Gojim. _; Lesefrüchte. Mitgetheilt non K. Marx. Durch Rächt zu« Licht! Zur alt« Synagoge zog's mich noch einmal hin; Dort, an geweihter Stätte, ließ ich vorüberzieh'n Vergangner Zeiten Bilder, von welchen jedes spricht: Gott hat Euch weis' gesühret, — „durch Dunkel zu dem Licht." Der Tempel muhte sollen, das Opler, mancher Brauch — i Hinaus in alle Welten zerstreut' uns Gottes Hauch. Tie Wahrheit zu vcrtündm ward Israel bestimmt — Vom Lande seiner Väter es weinend Abschied nimmt; Doch blieb ein Angedenken, — ihm mehr als Tempclschätz' — Aus Brand und Stürm gerettet: die Thora, das Gesetz. Sie ist chm Trost geworden in schlimmer Zeiten Nacht, ' Ein Balsam sür die Wunden, die Bruderhah gebracht. Nicht will ich heut' verweilen bei thränenschwcrem Leid- Märtnrcrvolk — Israel: freu dich der bessren Zeit! treu dich! Was du gerettet durch hohen Sinn und Muth, chon lange ist's geworden zum allgemeinen Gut. Das deine Thora kündet, erkannt wird'» — bald erfüllt: „Gott schuf hier alle Menschen in semem Ebenbild!" Trum sei: „Ein Recht sür Alle!" „Ten Nächsten lieb gleich dir!" „Ist Gott nicht Aller Vater, nicht seine Kinder wir?!" Solch Wort wirtt lichtverbreitend, „sie müsten's lasten stahn," Und Israel, aufathmend, sieht schwinden Haß und Wahn, Sieht aufüeh'n neue Denker, die Ritter hoch vom Geist, Von denen laut vor Allen mein Volk dich „Lessing" preist: — Tenn Lessing hob im Bilde des edlen Mendelssohn Tie Duldung und die Lieb« im „Nathan" aus den Thron. — Und wieder nahen Zetten, die ganze Welt erbebt. Als laut das Volk rm Westen den Freiheitsruf erhebt. ■ Noch heut' ein mächtig Ringen, noch heut' das Schwert im Strett, — Doch gew mit Riesenschritten nach „Vorwärts" unsre Zeit. Bald stufet jede Schranke, di« Mensch vom Menschen trennt — Tie Zeit! naht, wo die Menschheit ein Brudervolk sich nennt. Was in per Synagoge, der alten, ich gedacht, Als ich die letzten Grüße beim Abschied ihr gebracht — Erfüllet mich mit Hoffnung, mit hoher Seligkeit. Leb' wohl! du alter Tempel! Gruß dir, du neue Zeit! Homburg. Louis Lehmann. Anzeigen. Mahnung eines alteü Schulmannes. Man sollte jedem Linde, da» den Robinson gelesen hat, sagen: Merk Dir, der Mann, der dies herzige Buch geschrieben, hieß Daniel Defoe, und er schrieb auch zwei Schriften, von denen die eine gegen die Herrschsucht der Geistlichen und für das Recht der Freidenker eintrat; die andere Schrift aber zei te, daß dre Lehre von der göttlichen Herrschermacht eine falsche sei. Für diese Schriften hat der Verfasser des Robinson tzffentlch am Pranger stehen und zwei Jahre im Kerker büßen müssen Er ertrug vas, was ihm znr Schmach werden sollte, mit Gleichmuth und heiter in dem.Bewußtsein, der Wahrheit gedient zu haben. Ihr, - die Ihr den Robinson gelesen, merkt Euch daS l . c^ür die israelitische Religionsgemeinde in O Mainz wird ein qualifizirter Religionslehrer gesucht. Fixer Gehalt fl. 600. — Anmeldungen sind bi^ zum 15. Januar 1867 an den Aktuar Moritz Aourdon zu richten. Ldhrer-Gesuch. Die israelitische Gemeinde zu FlörSheim a. M. sucht einen Lehrer (ledig), der zugleich Vorbeter- und Schächtersielle versehen kann. Die Einkünfte belaufen sich auf circa 400—450 fl. Gef. Offerten sind unter der Adresse der Vorstands M B. Aah» daselbst zu richten Für den Buchhandel: in __(Wrd fortgesetzt.) Verantwortlicher Redacteur: I. Klingenstein in Ldernheim in Rheinhesten; -Selbstverlag der Redaction. Eonnnrflion bei Lskar Leiner in Leipzig. — Tampf-Echnellprestendruck von I. Gott-leben in,Mainz.