Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 44 (1.11.1866)
- Date
- 1866-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I Kr Jünikliti.'-rlir Jelner. Zeitschrift für die gcsammten Interessen des israelitischen Lchrerstandes und zugleich Lrgan für den Verein znr Unterstützung hilfsbedürftiger ifraclitifchcr Vebrer, ^ebrcr- Wittwen und -Waisen in Deutschland. J\§ 44. - Stainz, den 1. Itovember 18(i(j. (Secjhster Jahrgang1.) ' Wöchentlich I Nrm wer. Vierteljährlicher Adonnemcntsp>eir> 87 kr. >.4 2l'Ir. Bei lraiilitter Znientl-ng unter üriiijldie•' 18 kr. Anzeigen zu I Egr. die' Petitzcilc. Bestellungen nehmen alle Postämter ulid Buchliantlungen an. Die Seminarfrage. (Fortsetzung.) Tos Seminar zu Münster, für die beiden preußischen Provinzen Rheinland und Westsalen von dcni seligen Haindors begründkt, ist in jüngster Zeit Gegenstand vielseitiger Besprechung geworden, und es ist nicht zu bezweifeln, daß diese Anstalt in ihrem Bestehen gefährdet st und jedeusoUs einer totalen Umgestaltung entgegengchen düisle. Tie'e.therigen Leistungen der Anstalt entziehen sich somit einer Besprechung, da eine solche jetzt siuchtlos märe. Uebrignis sind auch diese Leistungen oftmals Gegenstand 'öffentlichere Bturtheilung und der Controverie gewesen. Mit Unrecht^ baden die jetzigen Lehrer gegen fold’e Beultheilungen oppo mit. Wer konnte unter solchen Verhältnissen den Lehrern der Anstalt einen Borwurf daraus machen, wenn die Ausbildung der Zöglinge mungelhost war? Wo die Lehrer eines Exminars in wahrhaft kärglicher Weste besoldet werden, - wo die ganze Last des Unterrichts aus 3 Ledrcrn lastete, von welchen z. B. der Lehrer für die hebräischen Fächer :nr hohen Grestenalter noch thätig war und diesen Lehrern auch noch der Unterricht in der Bereinsickule oblag, wo die ganze Anstalt aus so precären oder fast gar keinen Grundlagen rubte und ihr Leben zumeist du.L Einnahmen, triftete, die immer erst in durchaus nicht geeigneter Weise von Privaten und Gemeinden gesammelt wurden — tonnte man tüchtige und erfolgreiche Leistungen durchaus nicht beanspruchen. Ein jetzt erschienenes Statut hat die Sachlage nicht verbessert, eher verschlimmert. Wir wolten die allerdings seht begründeten Einwendungen gegen dieses Statuts hier nicht wiederholen. In einer Zeit, wo die Erbrechte überhaupt nicht mehr so sehr respektirt werden, sucht man das Präsidium m einer israelitischer Lehrerbildungsanstalt einer Familie — männlicher und weiblicher Tescendenz — für alle Zeiten zu übertragen; Einsicht und Eochkcnntniß soll durchaus nicht als unerläßliche Bedingung gelten. Allein uns scheint bei all den Protesten und Oppositionen das rechte Wort in dieser Sache bis jetzt doch nicht gesprochen zu-sein, und das ist allerdings weniger befremdend als bedauerlich wod überzeugt uns, daß auch hier leider die Opposition mehr äußerlichen persönlichen Motiven, als richtiger Sachkenntniß. und gutem Willen enksprosien ist und gibt'uns Recht und Beranlasiung zu dieser Be'vrechung. Was hat überhaupt ein Curatoliune und ein Piäsidium, das sich vererbt, mit der inneren technischen Leitung eenes Seminars zu sä affen? Waruni ist uns in der ganzen Anaire noch nicht das rechte Won begegnet, daß die Gemeinden und die D'kcendei.ten der Marks-Kindorf'schen Stiftung-aller-ine« in sinanciellen, äußern ^Fragen verachtn nuo beschließen mögen, was sie wollen, wenn n.an von ihnen im Allgemeinen ein warmes Interesse >.n der Sache erwarten kann, daß sie aber vor Allem eine Behörde wählen in d bilden, »Hisstn. an deren Ep-tze der Tiiektor des Seminars' steht, zu deren Milglnder alle Lehrer der Anstalt und ciye beliebige Anzahl sachunv fachkundiger Männer zählen, welchen die alleinige innere Leitung, die Regelung des Unterrichts- und Lehrplans zusteht, und worin dasEruatorium und Präsidium eben ein für allemal gar nichts zu sprechen haben, weil sie von der Sache Nichts verstehen? Das ist eben das Traurige in unserer Zeit, daß Jeder sich genügend Sachkenntniß zutraut, eine Schule und selbst ein Lehrerieimnir zu beurtbeilen und selbst thatsächlich zu leiten, wenn'Stand und> berusliä e Vorbildung iln auch nach ganz anderer Lebensricitung lnn seinen Wirkungskreis angcw'.e'cn haben. Das ist die fatale Geringschätzung der Lehrer, die zur Folge hat, daß z. B. in die'sir ganzen Angelegenheit noch Niemanden von den Lehrern eia Urtheil begehrte, die doch in einer solchen Sache die eilte Stimme haben müßten. Wir wollen die Folgen er Opposition abwarten, oie '0 thätig ist, wollen sehen, ob die Gemeinden, die die Gründung einer neuen Anstalt in die Hand eenomniui haben, etwas Bcfferes zu Stande bringen; dann erst weroen wir auch schließen können, ob die jetzige Opposition aus richtigen Motiven entstanden ist. Das Seminar zu Bad Ems? Unsere Opposition gegen diese Anstalt wird unfern Lesern im Gedächkniß sein. Sie ging von einem tüchtigen, ehemaligen.Zögling jenes Seminars aus, der etwas Befferes wurde durch eigene Kraft.