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Der israelitische Lehrer · 1866-10-18 · 42 (18.10.1866) · p. Seite 173

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
42 (18.10.1866)
Date
1866-10-18
Page
Seite 173 (sequence 3)
Language
German
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173 Walken -er Gottheit nennen es i;t all Eins; in allen Zeitigen liegt etwas Gutes, Großes, Erhabene-, werden sie auch oft von Schlauköpfen zu niedriger Dienstbarkeit des Egoismus gezwungen. Kein Mnsch ist übrigens im Stande, sich den Einwirkungen derselben ganz zu entziehen und wohl dem, der es versteht, die gut! Seite herauszufinden und in diesem Sinne seine Lebensbahn ernst und stetig zu wandeln. Um nun nicht als willenloies Spiel der Wellen von Meinung zu Meinung, von Idee zu Idee, fortgewirbelt zu werden, muß man sich umthun. Man muß frisch und keck hineinlangen ra das bewegte Leben, man muß scheiden und wählen; man muß mit Einem Worte seine Zeit kennen und verstehen lernen. Das wäre ganz besonders der Lehrerwelt, warm an's Herz zu legen. «Der Lehrer, und ganz besonders der israelitische Religions- und Volkslehrer, ist so recht mitten in das Leben gestellt und seiner eiaenthümlichen Stellung wegen mehr den Bewegungen desselben ausgesetzt als manche Höhere Stände. Diese Beweguggen berühren ihn so nahe, daß auch die anspruchloseste Persönlichkeit dieses Standes in ihre Strömungen gezogen, sich mit den Anforderungen der Zeit mehr oder weniger bekannt machen muß oder eine gar traurige Stelle zu spielen gezwungen ist. Ganz besonders sind es die Fragen des socialen, des nationalen und religiösen Gebietes oder wenn wir wollen, des synagogalen Lebens, welche gegenwärtig in den Vordergrund treten und große Rührigkeit und ungewöhnliches Leben innerhalb ihrer Gebiete zeigen. Die Erscheinungen auf diesen Gebieten wer den ven rer Tagesliteratur in den manchfachsten Färoun gen bis in die kleinsten Kreise getragen und wehe dem Lehrer, der sich in diesen Fragen nicht einigermaßen heimisch wei -, und n-.chk im Stande ist, sich ein sachgemäßes llrtheil zu b lden. - Das sociale Gebiet ist ein schlüpfriger Boden md gefährlich ist's, am demsel-en zu weit zu gehen; dann es sire.ft gar zu dicht an -das politisch: Feld. Dagegen tritt es seinem innern Wesen nach so nahe an den Lehrer heran, daß er der Forderung, sich mit den gangbaren Ideen auf diesem Gebiete, die die Gestaltungen des Lehens m der nächsten oder ferneren Zukunft vielfach umzüsormen berufen zu sein scheinen, bekannt zu machen, gar nicht auSweichen kann. Doch vor chtig und , mit g ößter Sorgfalt müssen übrigens d:c Erscheinungen auf diesen Gebieten geprüft werden, und ein großer Jrrthum ist es, wenn ein Lehrer meinen sollte, er müsse jedem phantastischen Gebilde nachjagen und seinen Kops :nit unpraktischen Träumereien und abentheuerlichcn Tyeorien füllen. Der Lehrer da s dem Leben nicht ferne stehen, aber er muß sich wohl hüten. Phantasiegebilden uachzujagen, zu agitiren oder sich bei Agitationen mißbrauchen zu lasten. — Nur di? erbärmlichste Ignoranz und der herzloseste Egoismus vermag es, sich gegen joie Bewegungen des nationalen Gebietes abzuschließen. Das nationale Leben entsproßt ja aus dem hl. Gefühle! z^m Vatcrlande und klammert sich fest an den heimathuchen Boden, in den der Mensch kindlich-gut seine erstes Wünsche, seine ersten Hoffnungen pflanzte. Wer will dem Lehrer zumuthen, daß er gewaltsam den Einfluß des nationalen Lebens von sich abweise? Doch auch dabei bat er sich allerdings zu hüten vor w itgehestder politischer Polemikj welche in gar vielen Fällen in sogenannte Kannen- T I gießerei einschlägt. Der Lehrer muß für seine Nation fühs len und sich., zur klaren Erkennt.iiß der politischen Aufgabe des Vaterlandes hinzuarbeiten st eben. Aber auch aus die« i se« Gebiete bars rr nur ein lebendiges Mied in der großen Gesellschaft der Gebilvelen uub Erkennenden lein. Ein Heroordrängen ans politischem Gebiete steht seiner mehr dem Innern zugewandten Lebensaufgabe ferne. — Das religiös synagogale Leben umfaßt die heiligsten Interessen des Judenthums, und durchdringt mit unwiderstehlicher Gewalt in alle schichten unseres Voltes. Gerade in der gegenwärtigen Zeit gibt sich eine ungemeine Regsamkeit auf diesem Gebiete nach allen Richtungen hu, kund (?). Diesen Bewegungen auf dem religiösen und synagogale n Gebiete muß mit warmer Theilnah• :c gechlgt werden, denn gerade das synagogale L.ben, das Bewegen auf dem Gebiete der Religion ist es, welches oa-s richtige Lerständniß der übrigen Lebensoerhältnifle bringt. Hier ist auch der Religionslehrer in seinem Kreise; hier oärs und muß ee thatkraftig eingreifen und mit voller Kraft seiner selbstständigen Ueberzeugung realen Boden.zu schiffen suchen. (Schlich folgt.) Bäcker schau. Do rrrie 2 r uljasi- Praktische Anleitung für den ersten Unterricht im Anichauru, Sprechen, Zeichnen, Schreiben, Leseu, Äeuiocien, Sin,en uud Rechnen von Adolf Klauwell, ElemeutarLhree an der IV. Bürgerschule zu Leipzig. Leipzig, Druck und Verlag von Julius K.inkhardt, 1866. „ES ist ein erfreuliches Zeichen der Zeit, daß dem Elementarunterricht im enaern Sinne, ich meine der untersten Stufe oder dem Anfang? des Volksschulunterrichts, jetzt so viel Aufmerksamkeit gejchenke wno. Man hat mehr und mehr erkannt, daß, wie nur aus einen guten Grund ein festes Gebä ide, so auch nur auf einen guten Elomenlarunterricht ein den Anweüerungen der Gegenwart entsprechender Volksschulunterri.cht ausgeb-!ut werden kann." Wie sind mit ganzer Seele m>t dieser Ansicht des Hrn. Verfaffers einverstanden, und begrüßen deshalb das Schriftchen, das uns mit der eigenthum ichen Methodik der Leipziger Volksschulen, und insbesondere mit dem Wesen der Or. Vozel'scheu analytisch-shnch.'l/chen Le^elehrmeihode, die eben den ganzen Schulunterricht der untersten Klaffe umfaßt, bekannt macht, aus^s Wärmste. Wir haben zener Leselehrmethore im Anfänge dieses Jahrgangs unserer Zeitschrist einen leitenden Artikel gewidmet. weil w:r sieJür bochst bemerke swerth hielten., .ohne daß m° jedock aus Fr. Nießmann's Schrift eure Einsicht von ihrer ganzem Bedeutung erhalten konnten, obwohl wir ahnten, es se das, mehr als eine Leiemcthode, was durch Dr. Loge "geboten wurde. Jetzt finden wir eine Nutzbarmachun; der Jacotot'schen Idee, die trotz ihres Werthes doch 'i r die deutsche Schule bedeutungslos zu werden schien, weil J.colot in Mechanismus verfiel und seine Idee in der Ausführung nicht mächtig genug hervortreten .ließ, und so nachmn) nach in eiste banale Schulhalterei, ohne Drsciplin und Geist, mit Thar-

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