Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 41 (11.10.1866)
- Date
- 1866-10-11
- Page
- Seite 170 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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170 Tod des Sünders, mtbjäfji eine Pforte zur Reue offen. Acht oder neun Tage find dem Verurtheilten gesch nkt, um durch aufrichtige Reue und unaufhörliches Gebet die himmlische Gnade zu erflehen. Der zehnte Tag wird der Versöhnungstag genannt Es handelt fich darum, Friede mit dem Himmel ,u schließen vor seinem Ablauf; denn am Abend dieses schrecklichen und ernsten TageS schließt und siegelt der Herr für ein Jahr das Buch des Schicksals und das LooS jedes Israeliten ist unwiderufiich entschieden Das ist die Tradition des Dersöbnungstages, und die hohe Verehrung vor diesem geheimnißvollen Tage ist dem jüdischen Volke so fest eingeprägt, daß die größten Zweifler und Religionsspötter, diejenigen, welche das ganze Jahr hindurch in Conflikt mit dem himmlischen Gesetze sind, sich sammeln, Nachdenken, und ihre Blicke zu dem Weltenrichter erheben. Am Vorabend dieses Täges, bevor die Nacht auf die Erbe herabsteigt, versammelt sich die große israelitische Familie beim Mahle, um 4>ie nüthige Kraft für die .kommende Feier zu srmme'n, denn von hem Augenblicke, wo der Stern leuchtet, ist es verboten, irgend eme Nahrung während 24 Et irden zu nebmen. Kein Stückchen Bros», keinen Tropfen Wayer. Der Geist entfesselt von irdischen Dingen, , soll sich ausschließlich aen Himmel wenden. Dieser Tag ist für Gott, und nur für ihn. Sobald der Abend gekommen, wallfahren die Israeliten nach den-Gotteshäusern. Unter dem Arme tragen sie ein Päckchen, worin sich bei dem Gebetbuche das leinene Gewand befindet, in welches sich der Gläubige für einen Tag einhüllt.. Dieses unheimliche Kleid ist ein Theil der Aussteuer der jungen Eheleute. Ein jever Jude hat, so lange er lebt,, in seinem Schranke das fatale Leichentuch. Wenn der große Tag erscheint, wo der Herr, wie gesagt, unwiderruflich die Rechnungen der Sterblichen abschließt, geziemt -es dem Menschen, an den Tod zu denken, und er stellt sich im Tempel nicht in heitern glänzenden Festgewändern dar, sondern in der letzten Umhüllung, um dem Schöpfer gleichsam zu sagen: Ich bin bereit! Es ist in der That eine großartige und schauerliche Legende, und es ist nicht zu -erstaunen, daß sie an die Gemüther pocht und die Beleuchtungen erregt. Am Abend des Versöhnungstages ist der Anblick imposant und Schauer erregend. Man stelle sich vor: Alt» Synagogen von ernster Bauart, ohne irgend einen Schmuck und darin Hunderte von Männern und Frauen beim Scheine unzähliger Wachskerzen, veraltete Gebete hersingend Beim ersten Anblicke gleichen sie. Gespenstern, die aus die Erde herabsteigen zur Zeit, wo die Menschen schlafen. — Finstere Gelänge, schwer»iithige Gebete. Alle Seelen er-! beben, alle Herzen schlagen; denn fobald der Chasan das j erste Gebet anstiwmt, steigt der Gott Israels apf seinen Thron und richtet, ob d e Reue der Menschen wahrhaft ist und irgend eine Nachsicht verdient. (Schluß folgt.) * Israelitisches Knabenpenstonat in Mainz. Knaben jeden Alters, welche eine Mainzer Unterrichtsanstalt besuchen, können in einem privaten, Israel. Knatenpenfionate daselbst Aufnahme finden. Ueberwachung der Schularbeiten, Erziehung im sittlich-religiösen Sinn, gesunde Wohnung und Verköstigung, sonpe schließlich eine liebevolle Behandlung bilden die Grundsätze dieses Ekabliffements. Die Leitung ist einem öffentlichen Lehrer bei der Erwerbs- und Handelsschule ln Mainz übertragen. Preif, Bedingungen :c. werden vom Herausgeber dss. Bl. mitgelheilt. NlÜ'Mzu Jngenbeinr bei Landau. Das Winter-Semester beginnt am 4. Oktober. Lehrgegenständs: deutsche, französische und englische Sprache, Arithmetik, Handelskunde u. f. f. Pxilfwn im Hause der Vorsteher. Für die Israeliten Religionsunterricht bei dem Mitvorsteher und Ledrer Bärmann. Preis sehr mäßig. Nähere Auskunft eltheilt auch der Herausgeber dieser Zeitschlist. Jugenheim, den 6. September 1866. Die Vo steher: Urion & Bärmann. Bei 933. Adolf Si Co. in Berlin sind erschienen und durch alle Buckbandlur >en zu beziehen: vaffrl, Or. 'David. Schulwörterbuch der hkbräischc» Sprache, nebst Paradigmen. Preis trrck. 1b Sgr. Hkiuewaon, vr. I. Vocabularium zum Siddur il'O, nebst alpl abetiichem -Wörterbuch und Anhang, enihaltend die Fundamente der bebiaisckiN Sprache Lum Selbstunterricht und Schulgelrauch. 3. Auegabp. Preis birch. 121/* Sgr. Nathan, Jeel. Vocabularium -um Pentateuch rrnr, nebst Bieauuget^bcllen der lelräisäen Sprache, SudsianUva und Verba. Permebrt und virbcssert von vr. Me.sei, Rabbiner in Pestb. 6. Auflage. Preis 12'/, Sgr. — Vocabularium zu den Psalmen E’t'rn und den wichtigsten Tbeilen d s G<bclbuch«s, 'ür Säulen und zum Privatgebrauch. 2. vermehrte Auflage. Preis 10 Sgr. Pleßncr, Hol. I. htivi rtre m Züdisch-mosaischcr Religiousnnterricht für die israeliliiche Zugend. vin für den öffentlichen, auch Privqi- und Selbstunterricht fich eignendes Lehrbuch der Hauptreligtonewabrheiten und Lehren des Judenthuins. 2. Ausgabe. Preis geb? 20 Sjr. Versiebend« ircffliä e Lebrbüchcr sind bereits in mehreren Lehranstalten eivgeführt und empfehlen wir dieselben zur weiteren Verbreitung. Bei 95B.f Adolf Lk Co. in Berlin 59. Unter din Linden ist erschienen und Hund alle Buckbandlungen zu. beziehen: Kochbuch für israelitische Frauen! von Rtbrcka Wals» aeb. Heinemauu. Rebst vollständiger Speisekarte und Hausapotheke, Anweisung zur Führung einer religiös jüdiichen Houodaltung. Vierre verb. Aust. — Preis: geh. 1 > Thlr. Sauler geb. i'/i Tilr. Verantwortlicher Redacleur: I. stlingenstern -in Ldernhcirn in Rheinhesten, Eommiffion -bei Lskar Leiner m Leipzig. — Tarnpf-Schnellpres : ejibst es.enpru lbstrerlag der Rcdoction. Für den Buchhandel: von I. Gott »leben »n Mainz. m