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Der israelitische Lehrer · 1866-09-27 · 39 (27.9.1866) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
39 (27.9.1866)
Date
1866-09-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Der Asmelitiselw IeKrer. Zeitschrift. für, die gesammten Jntereffen des israelitischen LehrerstandeS und zugleich ' Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittwen und -Waisen in Deutschland. J\§ 39* Mainz, den 27. September 1866. (Levdstsr Jahrgang.) Wöchentlich 1 Nummer. Vierteljährlicher Slbonnementepreis 27 kr. -Zi/4 Thlr. Bei frankirter Ziisendjing unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12 fr Anzeigen zu 1 Cgr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. rsJOy Organ Mit dieser Nummer schließt das III. Quartal und wir ersuchen unsere geehrten Abonnenten freundlichst, ihre Bestellungen alsbald beiden betreffenden Poststellen aufzugeben, damit in der Zusendung keine Unterbrechung eintritt. Hausarbeiten. Don M. Ich bin Lehrer in einer kleinen Gemeinde. Meine Schule zählt gerade anderthalb Dutzend — '"n — Schüler — Knaben und Mädchen. Davon sind 6 über 12 Jahre alt, 2 zwischen 9 — 12 und die übrigen unter neun. Will ich jedoch genau zu Werke gehen, dann habe ich noch zu me'- den, daß wöchentlich auch einigemale zwei fremde Kinder zu mir kommen, ein Knabe und ein Mädchen, welchen ich blos Religionsunterricht ertheile. Ich bin Element rrlehrer. Ich habe in meiner Schule drei Klaffen. In der Oderklaffe habe ich in 15, in der Mittelklaffe in 10, in der Unterklaffe in 6 Gegenständen Unterricht zu ertheilen, bei wöchentlich 26 Unterrichtsstunden. Ist kein „kaufmännischer" Rechenmeister unter den Lesern des „Jsr. Lehrer", der mir ein» mal ausrechnet, wie viel da auf einen Gegenstand kömmt? Vor einigen Wochen — es war so um die Erndtezeit — kam eine Mutter händeringend und schon auf der Straße mit meiner Frau zankend, zu mir ins Haus. „Du großer Gott, wie kann man so se n, Herr Lehrerl" sagte sie, doch bedeutend abgekühlt, „wie kann man so unbarmherzig sein. Sie wissen, Herr Lehrer, was wir zu thun'haben, wie ich für meine Haushaltung arbeiten muß Man kann doch nicht für Alles eine Magd oder Dienstfrau nehmen. Ich schicke meine Klara recht gerne in dre Schule — aber so viel Arbeit sollten Sie ihr doch nicht mit nach Hause geben: es ist mein ältestes Kind, und — müßte mir doch schon Dienste leisten im Hauswesen. Aber das ist zu arg. Das haben mir in unserer Zeit wohl Alles nicht gebraucht und ich muß e- Ihnen doch sagen rc." Ich ließ den Strom der Rede auStoben und sagte dann: „Sie mögen viel Recht haben, eber e» läßt sich eben doch nicht andermachen. Bis Ei« »ach Hause kommen, ist Ihre fleißige und brave Klara gewiß fertig — Und so war es auch. Denn die Frau hatte sich noch eine Weile mit der meinigen in der Küche recht friedlich unterhalten. Gestern kam Herr 83., der Gatte der obengenannten Frau zu mir, während wir, es war am zweiten Neujahrttage, zusammen aus dem Gottesdienste gingen. „Lieber Herr M.,' faste er, „ich möchte Ihnen etwas sagen, Eie dürfen mir ab'rr nicht böse sein. Ich sage es nicht als Eynagogenvorstand,") aber als Vater. Ich weiß recht gut, daß Sie Ihre Schuldigkeit als Lehrer thun. Ihre Schule ist gut, ganz gut, kann gar nichts dagegen sagen. Aber Sie sollten doch den Kindern wehr Aufgaben geben, daß sie zu Hause etwas zu thun haben. Da war ich unlängst in L. bei meinem Schwager — ich höre zwar den Lehrer nicht loben — aber als die Kinder aus der Schule kamen, nahmen fle gleich wieder ihre Bücher zur Hand und das dauerte bis tief in die Nacht hinein. Die Kinder sehen ganz bleich aus vor Anstrengung Sie sind alle so ruhig und still — während die meinigen im Hause herumtoben, wie losgebunden, daß man Kopfweh bekömmt. Da ist der Louis — bald fieben Jahre alt —, und der David — gerade 81/* —, wenn ich zanke und sage: „^Seid ruhig, thut etwas,"" so antworten sie: „„wir haben fast gar nichts aufgehabt; was wir zu lernen hatten ist schon längst gemacht!"" Und das Toben und Schreien geht von Neuem an rc." So der Herr, des Hauses; ein Bild elterlicher Erziehungsgemeinschaft, Uebereinstimmung der Gesinnung zwischen Mann und Weib. Ich antwortete ebenfalls: Sie haben Recht I will fehm, was zu thun ist, und Abhülfe schaffen. Nun ist das zwar doppelzüngig gesprochen. Aber ich gestehe, ich konnte weder dem Manne noch dem Weibe ganz unrecht geben; und da ich noch mehr überzeugt bin, daß fich mit diesen Leuten *) Und doch war ein bi-chen Autoritätsgefühl dabei.

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