Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 38 (20.9.1866)
- Date
- 1866-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitschrift . : für die gesammten Interessen des israelitischen Lehrerstandes "* und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lchrer- Wittwen und -Waisen in Deutschland. J\§ 38. Mainz, den 20. September 1866. (Levdsler Jahrgang.) Wöchentlich 1 Nunmur. Bicrtcljiihrlichcr Sidonnkmentspieiv 27 kr. --- ^4 Thlr. Bei frankirtcr Zuimdung unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12 kr. Bnrcigen zu I Cgr. die Petitzeile. Bestellungen nehnien alle Postämter und Buchhandlungen au.. Das Lesebuch für jüdische Schulen. (Schluß.) Man wird uns die weitere Auszählung, der Lesestücke, welche wir für das Lesebuch geeignet halten, erlassen. Wie wir im Buche selbst nicht schematisircn wollen, so 'st cs uns auch genügend, im Allgemeinen angedeutet zu haben, daß der Jnha't des Lesebuchs „aus dem Leben gegriffen, das Leben darstellen soll; daß er wahrhaft belehrend sein'm ß, nur Wisienswürdiges und BehaltenswertheS darstellen darf". Also „edle und große Gedanken über Gott und seine Eigenschaften, über die Natur, ihre Kräfte, Erscheinungen, Wirkungen und Einrichtungen, und über den Menschen, sein Wesest und seine Schicksale, seine Geschichte und sein Walten in der Welt". Wir haben nur noch eine Bemerkung zu wiederholen. Wenn wir beim zweiten Theile des Lesebuches, — für die Mittelklaffe — verlangten, daß die Lelestücke. wenn auch nicht eigentlich für die Schule gemacht, so doch für dieselbe bearbeitet werden müffen, so sollen hier, für die Oberklasse, die Aufsätze für das Lesebuch unbedingt den Werken der klastischen Nationalliteratur entnommen und nicht etwa für die Schule gemacht werden, „weil diese Erzeugnisse, was den Inhalt betrifft, die edelsten, und, was die Form betrifft, die vollkommensten sind; und weil jeder Men'ch ein Recht auf denjenigen Theil der Nationalliteratur hat, 'der die Allseitigkeit seiner Geistes- und Gemüthsbildung zu fördern vermag." Nur wahrhaft Musterhaftes im Inhalt und Form regt die ganze Kraft des Schülers an, und entfernt jenen schleppenden Ton, der so gerne einreißt in solchen Schulen, wo die Lehrer in den Lesestunden Mußestunden haben. Und nur, wem jene geistige Weihe geworden, die der Schriftsteller' „von Gottes Gnaden" erhabenes Besitzthum ist, vermag immer in Stoff und Form das Beste zu bieten, „goldenen Inhalt in — goldenen Schalen"; (nicht silbernen; denn die Form muß dem Inhalte ebenbürtig sein.) Soll das Lesebuch ein Etbauungsbuch sein? Wir haben dies in dem oben angedeuteten Artikel im Jahre 1857 . schon veineint; wir können es heute, wo uns gewistermasten; einige weitere Erfahrungen aus diesem Gebiete geworden sind, nur mit der allergrößten Entschiedenheit wiederholen. : Das'Lesebuch muß religiös jGedanken' enthalten, — religiöse Empfindungen veranlass n; es muß das aber, ohne doß es Stücke enthält, die, etwa im Predigt- und Gebetstone abgefaßt, das Gcgentheil bezwecken würden. Ter Schicker ist; nicht zum Vortrag solcher Stücke geeignet. Er ist nicht im! Stande, Tieferes auf diesem Gebiete zu erfassen, weil ihm,! dem Glücklichen, die Lebenserfahrung (die Anschauung l) ab- 1 geht, die den Aelteren so che Lektüre wohl zuweilen zum , Bedürfniß machen mögen. Hohler Pathos aber, das! wissen mir, schädigt die Wahrhaftigkeit.- Eigentlich rein- ' religiöse Gedanken und Empfindungen sollen in der Schule! nur durch das Lesen der Bibel und den Religionsunterricht! angeregt werden I Wie. verhält >s sich nun mit dem specifisch - jüdischen Elemente km Schnllesebuch? Soll dasselbe überwiegend sein oder gar nicht hervortreten? Wenn wir unserer vollen Ueberzcugung Rechnung tragen könnten, so würden wir allerdings ein ganz confeffionsloses Buch vorziehen. Leider aber sind die Verhältnisse nicht dazu angethan, daß wir diejenige consessionslose Schule, die auch dem Judenthum gerecht wird, erwarten dürfen. Wir sind eine verschwindende Minorität — so sagt man — und können also im Leben der Schule keine Berücksichtigung finden. Das jüdische Schullesebuch wird also für jüdische Schulen berechnet sein, und darf mithin auch jüdische Stoffe enthalten. Doch wünschten wir diese nur in mäßiger Weise und mit großer Auswahl verwendet. Das Betretende muß dem übrigen Lesestoffe, gleichstehen in Form und Inhalt, j Es darf nicht gerade pkovocirend, nicht unterscheidende Lehren als solche besonders hervortreten lassen. Statistische Noti-; zen, bedeutungsvolle historische Darstellungen, Legenden in anziehender Form u. dgl. ur. — das find die Stege, die wir in dieser Richtung zu empfehlen haben. Noch viel Verd enst ist übrig. Aber cs ist uns un-; möglich, die Aufgabe, die wir uns gestellt, in einem Zeitungsartikel vollständig zu erschöpfen. Manches ist noch in! Frage gestellt, über gar Vieles ist die Discussion noch nicht