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Der israelitische Lehrer · 1866-09-13 · 37 (13.9.1866) · p. Seite 153

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
37 (13.9.1866)
Date
1866-09-13
Page
Seite 153 (sequence 3)
Language
German
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153 i noch tttfetem Hasse gegen Me Christen erfüllt seien und daß dadurch die Annäherung unaufhörlich gehindert werde. i Ich erwiederte: Der Einwurf scheint ernst zu sein, mein Herr! Sr scheint e» aber nur und verschwindet vor den Thatsachen der Gegenwart. Zunächst will ich Ihnen sagen, daß der Haß der Jaden gegen die Christen nur zu sehr gerechtfertigt sein könnte. So viele Verfolgungen und Tödtungen unter ihnen um ein anzedichtetes Verbrechen zu rächen, entschuldigen und erklären denselben nur M sehr. Man hat indeß die Jaden zu dem gemacht, was sie sind. Reichen sie rdnen die Hand und mir auffallender Schnelligkeit wird b;c Trennung aushören. Sie finden den Beweis dafür aller Orte, wo sic ihren Mitbürgern gleich gestellt sind; dort nnden Sie auch nicht die geringste Spur von Christcnhaß bei drn Juden. Man fand ihn ehemal» ebenso gut in Belgien, Holland, England, Frankreich wie in Rumänien, denn dort wie hier herrschte die gleiche Verachtung und Zurückstoßung. Aber nur in den ersten Jahren diese» Jahrhunderts und nur von meiner Kindheit her erinnere ich mich diese» traurigen Verhältnisse». Vierzig Jahre spät >r, meine Herren, lebte uns dies nur noch ui der Erinnerung. Erbeben Sie die Juden Rumäniens, so werden sie v rgesscn, daß sie von Ihnen unterdrück! worden sind; sie werden sich glücklich schätzen mit Ihnen verbunden, Ihnen glüchzestellt zu sein. Man iürchtet dennoch, daß die Juden selbst die Trennung suchen möch'en, weil sie ihre eiama'igen Gewohnheiten so hartnäckig seftsalten. Sehen Sie denn aber nicht mitten unter Ihnen eine beträchtliche Anzahl 3sraelit!n gekleidet' wie Sie? Trägt dir'Jugend und tr agen nicht Alle, welche ich hier gescbcn habe und die aus allen Städten der Fürstenthümer als Deputirte zu mir kamen, dieselben Gewänder wie Sie? Sie ahmen Euch .gern nach, wo Ihr sic nicht zurückstoßet. Und die jüdischen Frauen — sehet Ihr aus den Promenaden nicht auch sie gekleidet wie die Euriqen, nach Eurer oder besser nach der Pariser Mode? Ist nun nicht, wie unter den jüdischen Männern, so unter den jüdischen Frauen eine große Anzahl würdig, an der Seite btt Rumänischen Bevölkerung zu geben? Würdet Ihr sie nur nick, sicehrn, sie würden sich glücklich schätzen und stolz darauf s-in, EaL ihr: Häuser zur Gesellschaft öffnen zu können und Ihr würdet dort eine Redlichkeit, Keuschheit und eheliche Treue finden, wie kiese Tugenden von jeher sich bei uns vererbt ha cn. Und dann, meine H'rren, überlasten wir auch der Zeit etwas. Das Eer g' t nie gern sci^e Gewohnheit >n aus und unter der uzcnb folgen Biele dem Willen ihrer alten Eltern. Denn der göttliche Ausspruch lautet: „E.rr denen Vater und deine Mütter/ und die Achtung gegen Vater und Mutter hat hiernach tiefe Wurzeln bei Israel geschlagen und ist sich stets bet ihnen gleich geblieben. Indeß die Alten gehen von unS und die Jugend bleibt uns. 'Rach einigen Jahren der Verbüderunz würden Sie diese nebensächlichen Unterschiede schwinden sehen. Endlich, meine Herren! was können Sie von der Vollendung dieses Akts der Gerechtigkeit, durch die Verbrüderung der Juden fürchten? Sehen Sic auf die Staaten Europa', wo man die Juden als gleichberechtigte Brüder ausgenommen bat Hat man irgendwo Grund, die» zu bereuen? Das Benehmen der Juden zeigt sie überall' als der Gleichberechtigung würdig. Seit mehr als M Jahre« besieht die Jury in Frankreich. Roch nicht ein Jude ist de» Mords oder der Giftmischerei anqeklagt gewesen Diese Verbrechen sind ihnen unbekannt. Sie wisten auch, meine Herren, wozu es die Juden in den ihnen offen stehenden Careiören bringen. Wieviel Männer unter ihnen in den Künsten, Wissenschaften, in der Literatur, auf der Redner» bübne. im Äarreau! Ich will nicht alle ansühren, ich weise nur auf England und Frankreich hin. Do t war,, außer den Juden im Parlament, vor 5 Jabre ein Jude Lord-Mayor in London und der gegenwärtige Lord-Mayor dort ist wiederum ein Jude. . In Frankreich, — o, verzeihen Sie mir, meine Herren, ein Gefühl edlen Stolze». In unser:« modernen Staaten gibt es eine hohe Funktion, welche von jedem, der sie übt, das höchste Ebr-.esühl, die skrupulöseste Gewissenhaftigkeit, die strengste Rechtschastenheit verlangt, näm'ich das Finanzministerium. Meine Herren! Im Jahre 1K48 bekleidete diese» Amt ein Jude. E» gibt auf der Er'e eine Macht, welche Gott in die Hände des Menschen gelegt bat: das Richteramt. Der Justizminister ist somit gleichsam ein Diener de» Höchsten, denn Gott setzte dieses - Amt ein, gab die Gerechtigkeit, zum Schutze der Menschheit. Das Justizministerium ist demnach hoch erhaben, heilig und damit ward von der provisorischen Regierung eia Jude bekleidet, welcher Mitglied derselben war.- Und dieser Jude steht hier vor Ihnen. (Leifall, Unterbrechung.) Meine Herren! Ich bin bewegt und muß schließen. Aber wird diese Sitzung ohne Früchte bleiben? Wird diese unerhörte Ehrenbezeugung gegen mich, daß so viele hohe Männer eineu einfachen Bürger umstehen, kqine Spuren hinterlassen? Mein Leben ist bald vollendet, mein; Herren, und ich warte auf den Tilg, wo Gott mich abrnf n wird Aber wenn er das Mo aß seiner Gnade gegen mich damit voll machen wird, daß er Sie für den Gedanken einer vollständigen Emmcipatcon der Juden begeistert, wmn ich bevor höre bei der Rückkeh' in mein Vaterland, daß Sie diese ia Ihre Verfassung ausgenommen haben, so wird mein letztes Wort sein: Gott segne Rumänien!" — Sie wissen, mein lieber Havin, was erfolgt ist und wie wmig mm o.ul eine Kamme'majorität rechnen kann. Die ein» gest'.iscktesten Judenfeinde baden einen Volksmfstand angeschürt, dessen schreckliche Folgen ich Ihnen in meinem vorigen Briefe geschildert habe. ' Ich crneure, mein theur-r und alter Freund, den Ausdruck meiner innigsten Zuneigung. Ad. Cr^mieur. Jöraelitische LehrerhildungS-Anstalt in Würzburg. Wir erhalten von der Vorstar dfchaft dieser; Anstalt folgende Zuschrift: „An die löbl. Redaktion des > Israelitischen Lehrer, sn Mainz. In Nr 31 Ihres Blatte« j befindet sich eine Correspono-nz aus Unlersranken, welche, bezugnehmend auf eine Mitthnlung der bayerischen Schul- > zeitung, berichtet, daß bei der Hauptprüfung am k. Schul- I lehrer-Seminar dahi i von fünf Zöglingen dev israelitischen! Lehre-bildungs-Ansta t vier die zweitletzte u:jö E ne: die i letzte Note erhalten. Diese Angabe ist aber völlig utt- I wahr. Die bayr. Schulzeitung spricht entweder von einer l Concursprüfung, welche nur von solchen erstanden wird,! die bereits 4 Jahre uls Lehrer fnngirten, welche Prüfung aber natürlich kein Zögling unserer Anstalt mitmachte, da dieselbe erst seit z w e Jahren besteht oder sie spricht von dem vorjährigen Fiüaleramcn, das ebenfalls von fünf Israeliten mitgea-achl wurde, von denen abe wiederum keiner der unsrigen Anstalt anzebört. Von unserer Anstalt hingegen haben se hs austretende Zöglinge das später stattgehabte Final-Erruen am k. Schullehrer-Seminar dahier mitgemacht, wlbei sich folgende Resultate ergaben: Ein Zögling erhielt Hanptnote 1-2, d. i. vorzüglich zu sehr gut, drei erhielten die Hauptnote 2, d i. sehr gut und zwei die Hauptsrote 2—3, d. i. sehr gut zu gut. Jeder Wahrheitsliebende wird Eingangs erwähnte Correspondenz zu würdigen wissen und ist man nicht gewillt; auf deren weitern offenbar tendenziösen Inhalt weiter einzugehen.

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