Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 35 (30.8.1866)
- Date
- 1866-08-30
- Page
- Seite 145 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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145 Liegenheiten und schloß fie von der Betreibung gewisser Handwerke und industrieller bewerbe auS. Zu öffentlichen Aemtern gelangte kein Jude, obgi-üch es unter den rumä"ischen Juden viele von Fähigkeit und B ldung giebt Auch von der Rationalaarde wurden die Juden ausgeschlossen. Damals wurde ich nach Buckarest gerufen. Ich kt m an, als die neu gewählte constituirende _ Versammlung die Verfassung berieth. In Rumänien giebt eS zwei Parteien, Unionisten und Separatsten. Zu den ersteren gehören natürlich die Watackm, Christen wie Juden. Buckarest wurde die Hauptstadt deS vereinig en R ikdeS. Dort befanden sich Fürst, Kammern, M nisterien, Etaatsratb, CaffaticnSbof un> alle hohen Behörden. Der Reichthum wuchs dadurch in der Walachei unverbältnißmäßig. In der Moldau dagegen geboren in nalü-licher Folg-rung Christen und Jude-' zu een Separatiüen. Jassp, die Haupstadt der Moldau, sank in Folge der Verneigung sehr Handel und Ve-- keh' nahmen ad, und der Lurns hörte auf. Der Preis der Mieden gnd der Wertb der Immobilien wurde geringer. Zeit und Gewalt, die von Tag zu Tag beträchtlicher werdenden Veränderung-n, die größere Garantie für Unabbäagigkei«, der gewödnliche Verkebr unter den Bevölkerungen, dies Alle? wird die Güster beruhigen »nd d'e Nothwendigke't, ja die Wobltbat der Pereiniiung begreiflich machen. Alle Spuren der irü'-en Trennung werden bald versckwinden. Die Ptoldau verpflichtete sich daher nur z'r dem Beitrage einer unbedeutenden Summe, Walachei dagegen zu 5,000,000, deren größere Hälfte von Juden gezüchnet wurde. Rumänien verd enk unsere Sympathie durch seine Verehrung für F ankeeick. U be-all stoß n wir auf i'aiizösische Nachahmung. Vi le Rumänen haben ihre Studien bet u»r gemacht und macken sie noch ba; ibre D plcmaten sind Franzosen, und sie sind stolz darauf. Uebüa-ns sind alle Rumänen, reich und arm, Aristokraten und Vt-bej r, tapfer, man würde leicht -une gute Armee von 30,000 Dt. na bilden kör nen. Alle züchnen sich durck eine tiefe Vaterlandsliebe aus. Unglücklicherweise erregt dieses sei öne Gi-iühi aber bei ihnen den Haß gegen die F'km"en und zwar derart, daß sie siob Fremde als Gig nt. inner des Bodens und von Immobilen gar nicht denken können. Sie haben rin unalaublickes Mintrauen ge cn Fremde, w'.e wir eS sonst nur bei den orientalischen Völkern sinken. Die Fremden, sagen sie, würden unS eines Tages vernichten oder beherrschen. In ihren Augen sind die Juden Freu de, selbst, diejenigen, welche ieit mehreren Generationen von Eingeborenen abstammen. Die Juden sind ihnen ebenso in reiigiöier Beziehung Ferner, Wie der Geburt nach Fremde. A!S religiöse Feinde, denken sie sich, haben sie J'sus Cbüsius gekreuzigt als Fremde würdn sie Rumänien zu Palästina und Buckarest zu Neu - Jerusalem machen. DaS Voruribeil gegm sie ist so sta'k daß ein Kandidat, welcher sich um einen vacanten Sin in der constituirenden Persammlung bewarb, sich sömlich i.n seinem Glaubensbekenntnisse verpflichtete, flegcn alle Anträge zu Gunsten der Juden zu stimmen. ' [ Und der JudAr giebt eS in Rumänien ll>0,000, darunter Reiche und B'ohlhab-mde, die Meisten aber leben von ihrer Arbeit. Sie sind Arbeiter aller Art und geschickt in allen Handwerken, keine Beschäftigung ifl ihnen fremd. Trä beit sin'et sich bei den Rumänen wir bei allen Bewo' ner» heißer Länder, nur die Juten k nn-n sie nickt. Sr: sind tbätig, intelligent arb ütsam und ökonomisch. Unter den R üchen gibt er Banquirrs und Geldleib,r, aber iie Letzteren finden sich auch unter den Ch'istn, ebenso wie der Wucher nickt blos bei den Judeck. Man rübmt den Jaden selbst seitens der hoben Behörden, Ministerpräsident John Gbita nickt ausgenommen, vielfach ehrende Handlungen nach Als ich in B>,ckarest ankam, war Rosetti Minister des CultuS und deS Innern. Ich lernte ihn nicht kennen, aber die öffentliche Meinung war. für ihn. Jetzt hatzkl > ihn John Ghika ersetzt. Ich weiß nicht« über jenen, alS daßer deS MuthS, der Festigtet und Fr.üfinnigkeit bedarf. John Ghika aber ist eine ausgezeichnete Wahl ein geschickter Diplomat und voll Crfabrung, er kennt sein Land und sein Amt. Im Verein mit den übrigen Ministern ruht alle» auf festen Garantien. (Fortsetzung folgt.) O beruh eim. Wenn wir auch zur Zeit noch nickt im Stande sind, +tn Mitgliedern unseres Vereins den ihnen zugehörigen RechenschafkSbelickten zu liefern, so können wir doch uns nicht verjagen. ihnen einige allgemeine Mcktbeilünge» zu macken. Wie unsere Einnabme, so wird auch der Ueberschuß für unfern Verein dem im vorigen Jahre mindesten« gleich sein, und so wird unser St imm-Vernzö.-en sich au' daS Doppelte steigern. S:it den AchawaS des 2. Jahres batten wir eine n'mbait größere Za ü drucken last N, um solche^u-ch feste angestellte ColporteurS währ nd des EommcrS und insbesondere in der Crndteferie auf dm Markt zu bringen. Die Unaunst der Zeit wa,' leider diesem Vorhaben entgegen, und wir konnten auch die paffenden Männer nivr fiikeu, welche sich diesem „aL unserem Becünken auch iür den Colrorleur würdigen und nickt uneinträglichen Geschä'te unterzieben wollten. - Dadurch ist unser Ertrag wohl nickt so bock geworden, a.s wir selbst erwarteten; aber er wird dennoch in Ansehung dieser Zeit und Umstände unsere Freunde überraichcn. Wi' haben j.tzt-ale Pensionäre 5 Wltrwen zu unterstütz n: 1 aus dem Gioßberzoatbum Hessen, 2 aus Bayern, 1 auS Kurheffcn und 1 au« Westfalen, letztere mit einer Waise. Wir haben ferner einen sehr kranken, dienftunsä igen Colleien mit fünf Kindern, ein n desgl. mrt Frau, einen alleinstehenden und einen, hoffentlich verübe geh nd, mit 3.Kindern. Vorläufig, bis zur definitiven ' Aue-l-ickung. wurde intern dieser Pensionäre eine AbscktagSrate von fl. zugehändigt. Die Ausgleichung wird am Schluffe de« Rechnungsjahres erfolgen, welches um so früher einkreten wird, je mehr sich un'e'e getckätz! n College, die noü rüchstän- 'ig sind, mit der Einsendung ihrer wohl sehr verspäteten Zahlungen beeilen werden. Die n ue 0-bnun: der Dinge, die tiesgebenden politischen Aen e ungen werden wobl nickt o ne Rück wirkung aus unfern Von-in bleiben; — wir dürfen hoffen, daß diese politischen Ver- Znde ungen, die ja, sowie man allseitig annimmt, die Einheit Deutschlands fördern, füu ckere Sache vom günstigsten Erfolge sein werden. Ei»' besonders müssen wir unle-n Eollegen in manch n-Land,rn jetzt bckon zurusen: Die H'fi iyngen, für die jüdiscke Schule und ihre Vertreter Beibülfe aus Staatsmitteln zu erwirken, ist wohl jetzt aus lange Zeit v rmchte'. Auch die Gemeinden als 'clche werden durch anderweitige Ausgaben zu sehr belastet sein, um u-s, wie e« wobl sein sollte, für solch-: Vereine eingehende Mitwirkung zu versprechen. So bterbt denn unter, alte Devise: „Lelbüdüife" volle Wahrheit. Fr-ilich und selbstverstän'lick ist di-ffe Selbstbülfe n'ckt so gemeint, daü wir nicht die Unterstützung edler Püva'en, und zwi' meh^ noch als bis jetzt ges-rcben, in Anspruch nehmen sollt n. Zu diesem B:- buse fo-dgr.l wir be>on^e--s: energische Tbätigkeit beim Verkaufe der? Ackawas. Auch hat sich in letzterer Zeit das^Spendesammeln bei freudigen Veranlafsun-en, bei Hochzeiten, Beschneid.rnqen u s. f als sehr wirksam oereigt. und ndlr bitten'unsere College» di se Goleaenbeiton mehr alt bi? jetzt geschehen, zu benützen und nie ganz vorübcrgehcru^ lassen. Und somit sei unser Weck an-ck ferner Gott beioblen. — Die Kreuzzeimng (in Berlin) fäbrt -fort, auch jetzt ibrem Hasse gmen die Ju>en Luft zu macken. Da* Frankfurter Jonna >n!bält zu- Eiwieder. n.-. auf diese Ani indung folgenden Artikel, dem wir eine r«ckt weite Verbreitung und geeignete Berücksichtigung gönnen. > V.