Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1866-08-16 · 33 (16.8.1866) · p. Seite 138

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
33 (16.8.1866)
Date
1866-08-16
Page
Seite 138 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4896751-5428724-5431643--1430-4897927
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

138 finden Sie es wohl erklärlich, daß für die verschiedenen Vereine für «eitergehendes hebräisches Wissen in Wien sich immer ein kleines Publikum findet und für das von Herrn Prediger Jellinek mit so viel Hingebung geleitetes Bet-Hamidrasch genügende Dorkevrilrnfse sich finden und der beste Wille in allen Kiesten vorhanden ist, diele Anstalt nach Möglichkeit zu fördern. Ich schreibe Ihnen wohl später einmal mehr darüber. Gcbetübersetzen wird auch in den Mädchenklasien getrieben, und es Ist immerhin eine schöne Anzahl von Gebetstückcn, welche auch diese erlernen. Natürlich sind es nur die wichtigsten, die einen Einblick in die jüdische Liturgie bieten, und zur lebendigen Thellnahme an unserem Kultus befähigen. Eellsiversiördlich bilden 'die biblische Geschichte, die nachbiblische Geschichte des Judenthums und die Religianslehre Bcstandtheile des Unterrichts in dieser Anstalt. Kür diese Schule wurden im vergangenen Jahre ca. 7600 fl. verausgabt. Don dieser Summe wird jedoch ein Thcil durch Schulgelder und deral. gedeckt, so daß dre Gemeinte nur einen Zuschuß von 2^9.. fi. 18 kr. zu machen hatte. Stellen wir dieser Ausgabe die für den Tempel und andere Gemeindcansialten, io z. B. der Kanzlei mit ll,ü3u st. 14 kr. — gegenüber und bcdcnkcü Sie, daß die Gesammtausgabcn der Gemeinde im laufenden Jahre 60,100 fl. 48 kr. betrugen, so müsi>n wir-diese Ausgebt für die bedeutsamste und wichtigste Anstalt einer Religiorsgemcinde allerdings als sehr niedrig und unvei hältnißmäßig finden und dürfen erwaitlN, daß die Fürsorge für diesen Zweig des Gemeindelebcns sich noch sehr hebe. Dennoch dürfen wir nicht annthmen, als sei die Gemeinde und inebesondere deren Doistand gleichgültig gegen die Rcligior.sschule. Tie Dlänn«i, die sie leiten — die Cchulseknon besteht ans - Mitgliedern, worunter Herr Josef Werthcimer, Kuranda, L>r. Leopold Kompeit u. A. — sind so anerkannt tüchtige und hervorragende Mitglieder unsirer Gemeinde, daß wir mit Sicherheit annehmeu dürfen, daß ste nichts versäumen werden, um die unter ihrer Leitung stehende Anstalt zu heben und zu fördern und daß sicher auch einmal die Einsicht durchgreiicn wi:d, unserer edlen Gemeinde eine ihrer würdige Volksschule zn geben. — In Baden wurde an Stelle des Ministerialraths Dalli der scithe ige Krersgerichtsrath Ellstälter als Mi nisdcrialrath ins Finanzministerium berufen. Das dürfte in Deutschland wohl der eiste Jude sein, der eine so hohe Stellung im Staate bekleidet. Aus dem diesjährigen Berichte der (englischen) Mijsicnsgesellscba't zur Bekehrung der Juden, der uns soeben *) zuges.ndrt wird, nachtem er schon vor Wochen zur Post gegeben war *) Wir wissen nicht, wem wir dies Vergnügen oder die Ehre (?) verdanken. Ter Ekel, den uns diese Bestrebungen immer einflößen, die unbedeutenden Ersolge, die errungen werdm und die die ganze Geschichte nur als einen Humbug, als Goldmacherei einiger Ueberläufer erscheinen lasten, die die Frömmigkeit ihrer neuen Glaubensgenoffen (wenn wir bei solchen Menschen ohne Treu und Glauben von „Glaubensgenossen' reden können,) benützen, veranlasten uns zur Bitte, uns nächsthin mit dieser Zusendung zu verschonen. Red. entnehmen wir nur 2 Notizen; 1, Aus dem ganzen weiten Erdenrunde wurden im Jahre 1805 — 76 jüdische Seelen gefangen, worunter 57 Erwachsene und 19 Kinder. Die Kosten der Mission betrugen 38,000 Pfd. St. — fl. 45G.U00; demnach kostet eine Seele die runde Summe von fl. 0000. Das sind theuere Seelen. Werden sie so viel wcrth sein? Wieviel europäifche und specifisch Londoner Seelen — das doch auch manche verlorene Seele hat, wo es notorisch Tausende von Menschen gicbt, die den Namen GotteS nie kennen lernen, nichts von Religion und Sittlichkeit wissen, ihr Leben im Pfuhl der Sünde, des Verbrechens, der Schande beginnen und endigen; wie viele solcher unglücklichen Menschen, sagen h>.r, könnten aus dem Pfuhle leiblicher und geistiger Verdammniß mit dieser Summe gerettet werden! O Heuchelei, o Einfalt! Wien. Ter seitherige ErzictnngS-Direktor Tr. Szantü wurde als jüdischer Fcldprediger ist der k. k. österreichischen Armee angestellt. Der „AUg. Ztg “ wird geschrieben: „Einige Blätter wollen wissen, daß die der Judengcmeinde Wiens aufcrlegte Ausrüstung von 4 Freiwill genbataillonen zuiückgchlommcn sei. Diese Meldung ist un ichtia. Ter in Folge einer kaiserlichen Entschließung erflosiene Auftrag ist der Gemeinde; zugesteUt worden. Baron Rothschild hat sich lcß.alb zum Graien Belcredi begeben und ibm gegenüber ein herbe Sprache geführt, unter'Andcrm auch an,.deutet' daß er Ocsterrcüd verladen würde. Daraus erklärte Graf Belcredi, daß die Maßregel nicht so böse gemeint sei. Die Eultusgemcindc hat min erst einen Ausschluß nicdergcscht, * um zu bcratben, welche Schritte geschehen sollen, um die Rücknahme dieser unerhörten Maßregel z« bewirken." Der „Schlesischen Ztg.„ schreiet man aus Nicolsburg rom 23, Juli: „Dcr Ecmmandant der in Ricolsburg befindlichen preußische« Truppen hatte kürzlich der dortigen Judengemeinde eine Eontrihulion von -20,000 fl. auserlcgt. Da aber diese Gemeinde außer Stande ist. einen solchen Betrag zu bezahlen, so -begab sich ani Wunsch dcr Gemeinde eine Deputation, bestehend aus dcm Bürgermeister Blau und noch zwei Gemeinderäthen, zum König von Preußen i s Hauptquatier und legte ihm das Geme'ndebuch vor, welches auswicS, daß das jäbrliche, Einkommen der Niccisbnrger Gemeinde nur 1800 fl betrage. Der König war ge^cn die Deputat cn freundlich und ließ der Sladtgemeinde die Eonlricuticn nach." Prag. Ter Vorsteher dcr isr.Eultus-Gemeinde dahier, He.r Ernst Wchli, ein Dian», der sich um alle Anstalten der hiesigen Gemeinde s hochverdient gen acht hatte, ausgezeichnet durch Wissen und Ehartkter, ist gestorben. Oesterreich. Rühmliches Zcugniß kür die Treue des jüdischen Stammes geben zwei Porkommnsssr aus dcr neuesten Kriegsgeschichte: Aus den gefangenen Ungarn wurden, wie dem „Wiener Fremdenblalt" aus Neisse gcmelbct wurde, eine „ungarische Legfcn" unter der Ansübrung Kläpka's gebildet. 1900 Ungarn Ixßen sich anwerben. Die Mitgefangenen Juden, — eS sollen ihrer 6l > gewesen sein — weigerten sich, den dem Kaiser von Oesterreich geschworenen E d zu brechen. Sie zogen es vor Kriegsgefangene zu bleiben und als solche ihre Erd- und Schanzarbeiten "fort zu verrichten. — In Lembergwollten die zur Ableistung des Fahneneids schon in der Kirche versammelten Rekruten den Eid nicht leisten. Erst als 22 jüdische Rekruten mit ihrem Beispiel vorangcgangen waren, ließen sie sich dazu bereit finden. Wird Oesterreich, das bekanntlich ein kurze- Gedächtniß hat, sich dieser Treue seiner jüdischen Untertbanen erinnern, oder werden die Juden nur bei ihren ungarischen und polnischen LandeSgcnossen später wieder dafür zü büßen haben, ohne von Oesterreich geschuht zu werden? LerentworUichcr Rcdacteur: I. Kl in ge« stein in Ldcrnhcim in Rhrinhesien; Sclbstverlog der Redaction. Für dm Buchhandel: in EommifiioN bei Lsk ar Heiner m Leipzig. — Tampf-Echnellpresimdrrick von I. Gott »leben ln Mainz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.