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Der israelitische Lehrer · 1866-08-09 · 32 (9.8.1866) · p. Seite 134

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
32 (9.8.1866)
Date
1866-08-09
Page
Seite 134 (sequence 4)
Language
German
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134 Laß dir Lebrerteiden gemeinsam sind, und daß collcgialische Liebe eigentlich Pflicht ist gegen daS eigene Ich. Darum werden Eie diese Nachschrii't wohl beherzigenswrrth finden. Mein f. Vater ha.te einen Seminarcollegen, der mein Vor- > bereitungslebrer wurde und mit d>ssen 3 Jahre jüngerm Sohne > ich in'« "Seminar kam. Letzteren hatte ich durch Gefälligkeiten | Ujtr so verbindlich gemackt^ daß er mir im Uedeifluß Betyeueri ungen seiner ewigen, unverbrüchlichen Freundschaft und Anhang-' | lichkeit machte. Jedesmalige Ferienbesuche bei uns bewiesen diese Freundschaft und machten.meinen Collegcn als meinen i Freund und den Eohn des Freundes meines nun verstorbenen Vaters jum Mitglied« meiner Familie. Aus die Zeit des letzten Besuchemeines Freundes fiel die oben beregte Gemeinde-Versammlung, die derselbe in der Art bespöttelte, daß er gar nicht begrei'en könne, wie ich ohne diese; oder mit dieser Bagatelle von Erhöhung V. nur annchmen könne oder wolle. Nachdem ick der Gemeinde die Niederlcaung der Stelle anj gezeigt batte, die ich der. neu eingegangenen Verpflichtungen wc- : gen, trotz der nunniebr gebotenen Erhöhung, nicht rückgängig macken konnte und wollte, erhielt Letztere: von meinem Freunde | sofort Liiert, was ganz anständig ist, denn Jeder sucht sich i sein Brod aui dieihm möglicl>e Weise zu erwerben. , ES war mir diese Eile sogar lieh, und nieine Familie zu Hause, besteb.nd aus.Mutter und Schwester, die bis kommendes Frühjahr wegziehen werten und deßhalb koppelten Umzug ver-! meiden wollten, machten dem einzigen Bewerber das Anerbief ten, ibn gegen billige Vergütung zu verköstigen :c., vorausge-! setzt, daß sie bis mm Frübjabre auch in dem für die An pruckslosigkeit dieser 3 Personen mehr' als geräumigen Sckulbause bleiben könnten — welcher-Vorschlag der neuen Acquisition jehrzu conveni-en schien. . . Sie können sich Lenken— wie ich Ihnen schon oben mit- - getheilt — daß dürck die plötzliche, unerwartete Niederle^ung i der Stelle von mir die Gemeinde — bat der Nachsatz Werth I und ist er nickt etwas gewagt? —- ru meiner Ehre seies gesagt, fürchterlich aufgebracht und. natürlich durch den folgenden > Act angenebm überrascht war. : Mein Collect, dessen Dankbarkeit ich nie begebrt, die mir bei jeder Gelegenheit zu tcthätigen er aber stets gelobte, mein Freund (!) schrieb während der jüngsten ^risckenieiertage an den Eultusrerstand m P. einen Brief des Inhalts, daß er nach den Feiertagen de. Stelle antreten werde, daß er aber beste, daß bis dahin das Schulbans von meiner Familie geräumt sei und er, der Euliusvcrsiand, stieiür soiort Sorge trage! Hätte mein Freund (!) meiner Familie nickt mündlich das Geger theil eingeräumt, so würde ich während meiner letzten Anwesenheit in V., zwischen z“' und rnm, eine Wohnung für sie zu miethen gesucht oder .sogleich ihren Abzug nach B. arrangirt. haben _ Meine Familie mußte sofort das Schulbans verlassen, und der neue Ledrcr rog ein, um an den leeren Wänden bie Beweise seiner Dankbarkeit zu finden und sich die Kost ä Brckurweise per Einladungen der durch ihn beglückten Gemeindeprivaten zu suchen In einem Briese an. mich bittet mich mein Freund um Verzerhung feiner Handlungsweise und suckt die Schuld auf seinen Vater zu wälzen, der ihm den'Brief an,den Eultusvcrstand Liktirt. resp. ibn gezwungen habe, denselben zu schreiben. Ich enthalte mich jeder Illustration dieser Handlungsweise und überlasse Ihnen die Beurtheilung derselben. Sie werden meinerseits aber doch gewiß keine Hartherzigkeit darin finden, wenn ich nur erlaube, darauf aufmerksam zu machen, daß der Freund meines s. Vaters ein naher Sechziger ist, und o» nach dieser Praxis ihm nicht der Gedanke peinigend sein mag, daß dereinst vielleicht auch ein lediger College seines Sohnes, seine Familie plötzlich, auf geschilderte Weise, austreiben und obdachlos machen würde. j Dieser Vorwurf mag hart klingen, aber ich denke, zur richtigen Beurtheilung einer Sache muß man sich an dih Stelle je» der Partei denken — und ist dieser Satz richtig, dann habe ich hier nickt mehr niederzesckriebcn, als was mein College und mein Vorberertungssehrer, der Freund meines s. Vaters vor dem Diktat und dessen Riederschreibung gewiß hätten bedenken sollen. Nur indem wir die richtigen Coniequenien ziehen, gewinnen solche Illustrationen des h'ehrerlebens Bedeutung für die Gjesammtheit, und machen die öffentliche Rüge zur Pflicht gegen das Allaemeine — als Warnung für das Ganze Das sind nicht ^unedle Beweggründe, nickt gemeine Persönlichkeiten; es sind wahrheitsgetreue, lebensvolle Schilderungen, Mahnungen an die Lehrer der Gegenwart und Zukunst.. Und so steheich jetzt in eimm anderen Berufe — den nebst den weiteren Motiven seiner Erwählung ich Ihnen! in meinem 'Nächsten m ttbeiley werte — und lebe sogar in einem anderen Lande — doch ich will es Ihnen heute schon verresthcn — als Geschästercisnder. Wären es nickt schon der Zcilien zu viele, und würde Ihnen dieser kurze Abriß meircr Lebensgtschickte nicht schon ermüdend sein, so könnte ich Ihnen noch Vieles mittbeilen. Ich will dieses ater für das nächste Mal aushcben und bitte Sie für heute nur noch, auch fernerhin Ihr freundliches Wohlwollen zu erhalten. . Ihrem ergebensten X. Anzeigen. Jsraclitische^ehrer stelle. Die Stelle des Lehrers an der israelitischen Schule zu Landau ist in Erledigung gekommen. Außer freier Wohnung bezieht der Lehrer aus der Stadtkasse einen Baargehalt von 425 fl. Dieser Gehalt wird von 5 zu 5 Dicnstjahren um je 25 fl. gesteigert, bis er die Höbe von 625 fl. erreicht. Dem Lehrer wird außerdem der Vorsängerdienst übertragen, wofür er außer den Casualien einen Jahresgehalt von 100 fl. aus der israelitischen Cultkasse erhält. Bewerber um diese Stelle haben ihre Gesuche längstens bis 16. August o. I. bei dem unterfertigten Amte einzureichen. Landau, den 26. Juli 1666. Das Bürgermeisteranit, Eichhorn. I Jiteanz. jJn der isr. Neligionsgemeinde zu Heldenbergen ist bis zum 1. September l. I. ,die Stelle des Religionslehrers und Vorderer^ welcher zugleich den Elementarunterricht zu 'ertheilen hat, erledigt. Mit der Stelle ist, ein Einkommen von 350 fl. baar, 25 fl Wohnungs- und Heizungsvergütung und außerdem circa 300 fl. Accidenzien für Versetzung des Schächterdienstes verbunden. Concurrenzfähige Bewerber wollen sich bei dem Vorstand der isr. Gemeinde Hefdende rgen im Kreis Vilbel anmelden. Simon B. Oppenheimer, Vorsteher. LeiantcrorUicker Rcdacteur: I. Klingen stein in Ldernheim in Rheinhesim^Selbstverlag der Redaction. Für dm Buchhandel: in Eommisiion bei Lskar Leiner in Leipzig. — Tampf-Schnellprependruck von I. Gott sieben in Mainz.

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