Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 32 (9.8.1866)
- Date
- 1866-08-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr Jteraclittwhf Schrtr. Zeitschrift für die gesammten Interessen des israelitischen Lehrerstandes und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittiven und -Waisen in Deutschland. -:---fc_ J\@ 32. Mainz, den 9. August 1866. (Lsvkstsr Jahrgang.) Wöchentlich 1. Kummer. Vierteljährlicher Abonncmcntepicis 27 kr. — 1,4 Thlr. Bei frankirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 fl. IS kr. l Anzeigen zu I Cgr. die Petitzcile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen a». Das Lesebuck für jüdische Schulen. (Fortsetzung.) Wir dürfen, nachdem wir solche Aeuserungen vernommen, nicht mehr zweifeln, daß die mißverstandene Concentration im Lesebuche keinen Anhalt finden soll. Wie beim Leseunterricht selbst derjenige Lehrer am wenigsten leisten wird, der Alles zu leisten glaubt, das Heterogenste an den Haaren beizieht, so wird dasjenige Leiebuch am schlechtesten sein, das noch Dieses und Jenes, gleichsam so nebenbei, zu sein vorgiebt — Compendium der Geographie und Geschichte, der Naturlehre und Granimatik u. s. f. Solche Conccntration, wie sie die preußischen Schulregulative anempfehlen, kann und wird noch viel Unheil in den Köpfen anrichten. Indem wir also das sogenannte Reallesebuch (wiederholt) als der Zwecken des Lesebuches für Volksschulen an und für sich nicht entsprechend, zurückweisen, glauben wir unserer Aufgabe näher zu sein, und wir wollen nun weiter auseinanderietzen, wie überhaupt der Lesestoff im Lesebuch nur dann gsnügt, wenn er den Schüler naturgemäß fortschreitend im Lesen fördert und der fortschreitenden Bildung des Verstandes und des Gemüthes angemeffen ist, sich aber allen anderen für den Leseunterricht nebensächlichen Zwecken verschließt. Ist der Zweck des Lesebuchs das Lesenlernen, so werden uns unsere Leser entschuldigen, wenn wir, hier abschweifend, auf den Unterricht im Lesen, seinen Zwecken und Zielen überhaupt, etwas näher eingehen, um desto klarer über den Stdff zu werden, den das Lesebuch in seinen verschiedenen Ssufen enthalten soll und kann. Wir hqben beim Unterrichte im Lesen, — von dem Inhalte des Gelesenen ganz abgesehen —, doppelte Zwecke im Auge, die^sich jedoch einander ergänzen: die „mechanische" Fertigkeit im Lesen und das „Verständniß" des Gelesenen. Diese, die sreithätige (dynamische). Verarbeitung des Gelesenen im Geiste ist wohl schließlich Hauptzweck; denn das mechanische Leien könnte als ganz unnöthig erscheinen, wenn der Lesestoff nicht zum freien Verständniß des Lesenden käme; .die Erfahrung lehrt uns jedoch, daß beide Zwecke einander decken und ergänzen, cir s ohne das andere nicht zu erreichen ist. Verständniß des Gelesenen ist nicht, wo nicht die mechanischen Schwierigkeiten gehoben sind, und die mechan.sche Fertigkeit wird unterstützt und sicher nur dann erreicht, wenn sie Hand in Hand geht mit dem Verständniß. Das Verständniß des Gelesenen (das dynamische Moment) begreift noch in sich auch die Thätigkeit des Gemüthes,; als weiteren Zweck des Lesens, d. i. diejenige Thätigkeit der Seele, die die dem Inhalt ,des Gelesenen entsprechenden Gefühle wach ruft. Nach diesen Voraussetzungen über die verschiedenen Funktionen der Seele bei Lesen unterscheidet man die bekannten .! drei Stufen des Lesens: 1. die Stufe des mechanischen Le- ■ sens; 2. die Stufe des logischen Lesens; 3. die Stufe des! ästhetischen Lesens. Es ist jedoch selbstverständlich, daß diese Stufen, — die den verschiedenen «chulklaffen im Allgemeinen entsprechen, also, daß in der untern Klaffe der Schule I j vorwiegend die Aufmerksamkeit auf die mechanische Fertigkeit v! zu richten ist, während die Mittelklaffe das logsiche Verj ständniß und die Oberklasse das ästhetische Lesen als ihre! eigentliche Aufgabe zu betrachten haben; daß, sagen wir, diese Stufen nicht strenge von einander getrennt werden können uyd.dürfen. Wir haben schon gesagt, daß ein Moment das andere unterstützt, und so dürfen wir auch die Gelegenheit nicht verabsäumen, die uns geboten wird, schon von vornherein die drei Momente zu berücksichtigen amd bis zuletzt im Auge zu behalten. Nehmen wir, um uns das klar zu machen, das Lesebuch der Elementarklaffe, die Fibel zur Hand. Das Kind liest: Muh, Muh, Muh, So ruft die braune Kuh; j Wir geben ihr das Futter, Eie gibt uns Milch und Butter :c.; - | oder: 1 Ein Herz, ein Herz Hab' ich in der Brust, So klein und klopft doch voller Lust, | Und liebt doch den Vater, die Mutter so sehr. I Und wißt Ihr, wo ich das Herz Hab' her? Das hat mir der liebe Gott gegeben. Das Herz und die Liebe und auch das Leben rc. Wird das sieben- oder achtjährige Kind nicht mit dem