Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 30 (26.7.1866)
- Date
- 1866-07-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Isrselitjsckle Lelirer. Zeitschrift für die gesammteri'Jnteressen des israelitischen Lcjhrcrstandes und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger i Wittwen und -Waisen in Deutschland raclitischer Lehrer, Lehrer- M 30. Mainz, den 26. Ju'.i 1866. (Leohsler Jahrgang.) Wöchentlich 1 Nummer. Vierteljährlicher Abonnementem eis 27 kr. --- 1/4 Thlr. Bei srankirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12 kr Anzeigen zu I Sgr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter uri> Buchhandlungen a». Der Predigt von K vr. r » e g. Rothschild. M. a. G.I Es ist eigenthümlich,. daß ich am Orte des Friedens vom Kriege reden soll. Aber die Gemüther sind in unsrer Zeit so tief davon ergriffen, das Leben und alle Verhättniffe desselben sind so ganz davon beherrscht, daß man nicht umhin kann, wie daran zu denken, so auch davon zu reden. Unwillkürlich trägt man die Erinnerung daran überall mit sich und bringt sie auch hier ins Gotteshaus, wo die geängstigten Gemüther Trost suchen im Aufblick zu Gott, daß ec helfen möge aus der so sehr traurigen und betrübten Lage, worin der Krieg die ganze Welt versetzt und dabei Nlemand ganz unberührt gelaffen hat. Wie Viele beweinen da jetzt schon ihre tobten oder verwundeten Gatten Vater, Söhne, Brüder oder sonstigen Verwandte und Freunde, und wie fürchten da Andere für sie in Erinnerung an das Geschick, welches ihnen noch bevorstehen könnte; wie Viele beklagen den Verlust ihres Vermögens oder die zerrütteten Geschäfts-, Lebens und Familievverhältniffe; wie Viele darben schon wegen der Erwerblosi,keit unsrer Zeit unv fürchten die unausbleiblichen Folgen des Kriegs nicht auf kurze Dauer, sondern auf viele Jrhre hinaus! Und nun wir Allel Wie sehr haben wir nicht die Störungen des Friedens zu beklagen, die Zerrissenheit und Schwächung statt der so lange erstrebten Einigung und Stärkung unireS deutschen Vaterlands, den Parteihaß und die frisch angesachte Leidenschaft der Bruderstamme, wovon wir nicht wiffen, ob nach 100 Jahren jener schon gänzlich wieder vergeffen und diese geschwunden sein wird. Ja, uns ängstigt die Befürchtung, daß, wovor Gott sei! Religions Hader, Fanatismus, religiöse Streitigkeiten, Spaltungen und Verfolgungen auf's Neue sich daraus entwickeln könnten — und in bet fanatisch leicht aufgeregten Menge nur gar zu leicht sich entwickeln werden, wobei, ach darüber belehren uns die Erfahrungen der Vorzeit, eben Niemand mehr zu fürchten und zu leiden hat, als wir Juden I Alle diese Gedanken drücken das Gemüth nieder, und der Mensch sucht Trost und Hülfe bei Gott. Aber auch ein andrer Gedanke noch drängt uns hier im Gotteshaufe die Erinnerung an den Krieg auf und nöthigt unS fast, davl n zu reden. Gar Viele nämlich ziehen Gott in diese leidige Menschen - Angelegenheit hinein und fragen: Wie kann Galt, der Gerechte, solches Unrecht dulden und er, der Allmichtige und Allgütige, solches Leid der Menschen ruhig und unthätig mit ansehen? Seine Hand müßte cs doch den Sündern wehren, müßte den unschuldig Leidenden Helsen. Unsre Religion indeß lehrt schon früh: waro inDi’ (Deut. 24, 16) „Jeglichen selbst verantwortlich zu machen für seine Sunden, nickt Kinder für die Sünden der Väter, nicht Völker für die Sünden der Fürsten, nicht die Gesammtheit für das, was Emz-Ine verbrochen, auch nicht Gott für daS, was 2 keuschen verschuldet." Und der Prophet sagt mit Recht: roxi „sie sprechen:" ’j-.x *)*n prp t6 prv to D3*n ncm (Cz. 33, 17) „der Weg des Herrn sei nicht der rechte, nein! ihr Weg ist nicht der rechte." Auch sagen wir dicht, wie andere Religionslehrer: der Krieg ist eine Strafe md Zuchtruthe in'der Hand Gottes, eine Geißel, die er über die Menschen geschwungen, um sie zu strafen für ihren U glauben, die Gottcsverleugnung, der sie gehuldigt, den religiösen Abfall und den sittlichen,Verfall, in den sie gerathm, das Sündenlebcn, welches sie geführt, die Wollust un) Sinnlichkeit, der sie gefröhnt, den weltlichen Besitz und sinnlichen Genuß, wonach allein sie gest ebt, den äußerlichen Glanz und die weltliche Pracht, worauf allein sie Weith und Bedeutung gelegt, während Gott und Religion, Wahrheit und G.rechtigkeit, Tugend und Sittlichkeit ihnen nebensächlich oder gar bedeutungslos geschienen, alle- Hohl, Edle, Heilige und Ideale ihnen zweck- und interrsselod geworden war. O wohl sind dies Sünden, wofür Go't traft, um mit seiner Strafe die Menschen über ihre Jrrthümer und Irrungen zu belehren und zu beffern. Und in d:r That, die veränderten Verhältniffe und Erfahrungen sind auch danach angethan und dazu geeignet , die Menschen! as Irrige und Verkehrte ihres Thuns erkennen zu Waffen, da nit sie nicht mehr allein auf daS Irdische und Vergängliche bauen und vertrauen, weil eS so eitel und trügerisch i|l, und den einzigen W«rH und die alleinige Bedeutung d:s Lebens nicht darin finden, viel zu besitzen und zu genieß« n. i