Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 29 (19.7.1866)
- Date
- 1866-07-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4896751-5428724-5431633--1407-4897908- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der IsrseMselie Jelu'er. Zeitschrift > für die gesammten Interessen des israelitischen LehrerstandeS und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer,- .LeWs'- Wittwen und -Waisen in Deutschland. _ Mainz, den 19. Ju'.i 1866. (Sechster Jahrgang.) Wöchentlich 1 Nunirncr. Picrtcljührlichcr Abonnnncntsp:cis 27 Ir. >,4 Thlr. Bei frankirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 sl. Iü kr Anzeigen zu I Cgr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen au. Ar. Adolph Aiefterweg, geboren zu Siegen den 29. October 1790, gestorben zu Berlin den 6. Juli 1866. Ich hatte das letzte Heft der „rheinischen Blätter" zu Ende gelesen. Eine auf unseren Verein bezügliche Stelle von Düsterweg klang noch in meinem Herzen nach, als ich die eben einlaufenden Tagesblätter erhielt. Am Schluffe eines wiederholten Berichts über den Sieg der Preußen war eine Mittheilüng von nur zwei Zeilen angeschloffen: „Der wackre Adolph Diesterweg ist am 8. d. M.nach kurzemLeiden,*) 75 Jahre alt, gestorben. Er war erst kürzlich im 3. Berliner Wahlbezirk als Abgeordneter wieder erwählt worden." Das Blatt entsank meinen Händen — Armes Preußen I Was sind alle deine stolzen Siegesberichte gegenüber dieser kurzen erschütternden Trauernachricht, die unter dem Waffengctöse vielfach unbeachtet verhallen wird. In diesem Einzigen, den Deine Staatsmänner kreuzigten, verlorst Du eine Kraft, die den Staat der Intelligenz ohne Blut und Eisen weiter gefübrt hätte in der Erfüllung seiner Aufgabe, als alle die Männer, die jetzt jubeln ob der Erfolge der Waffen, die sie errungen unter Blut und Thränen. Er ist todt! Der Altmeister der deutschen Lehrerwelt, der edelste und entschiedenste Lehrer der Gegenwart, der erhabene Charakter, der unbeugsame Vertreter des Fortschritts, der Greis mit der Begeisterung, der Kraft und dem Muth eines Jünglings,— Diesterweg ruht unter der Erde, und die deutsche Lehrerwelt steht trauernd und verwaist an dem Grabe dieses einzigen Mannes, den die Feinde des Lichts, des Fortschritts und der freien Entwicklung fürchteten und mehr als die Hölle haßten; den umsomehr die denkenden j Lehrer liebten und wie einen Vater verehrten, an deffen ewigjungen Kraftworten Alle sich labten. Diesterweg war geboren zu Siegen. Er hatte Theolo- & Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften irt in Tübingen. Er wurde Lehrer, Volkslehrer; er - *) Nach neueren Mittheilungen an der Cholera. diente von der Pike auf. Wer auf der allgemeinen deutschen Lehrerversammlung im Jahre 1664 in Mannheim war, erinnert sich wohl noch des von ihm eingelaufenen Telegramm's, das mit einem Hoch von der Versammlung begrüßt wurde. Es hieß: „Mannheim, Worms, Frankfurt, Elberfeld, Mors, Berlin, ausrangirtes.bezeichneteseinen ■. Lebensweg. Er war zuerst Hauslehrer in Mannheim, dann Lehrer an einer Schule in Worms, dann Lehrer der Musterschule zu Frankfurt a. M: (vom Jahr 1813-1816), dann vom Jahr 181 iS—1820 zweiter Rektor an der Lateinschule zu Elberfeld, dann Seminardirektor zu MörS, mit welcher Stellung er in seinen eigentlichen Lebensderuf als Lehrer d-r Lehrer eintrat, dann vom Jahr 1830—1847 Direktor des Se ninars für Stadtschullehrer in Berlin, nnd im Jahr 1647 ausranairt, seiner Stelle entsetzt. Von der Zeit an lebte er nur dem schriftstellerischen Berufe, insbesondere der Herausgabe der rheinischen Blätter für Erziehung und Unterricht (Jährlich 6 Hefte in 2 Bänden, Franksu t a. M., Joh. Ehr. Herrmann'iche Buchhandlung, welche Buchhandlung seit. Einigen Jahren E>genthum seines Sohnes Moriz Diesterweg ist), und s it 1851 des „Pädagogischen > Jahrbuchs" für Lehrer und Schulfreunde, in welche; Schriften er seine Gesinnungen niedergelegt hat und in welchen I den bedeutendste und größte Theil der Aussätze von ihm geschrieben war. S:e waren das Leben seiner Seele, in ihnen spiegelte sich sein ganzes Denken, sie und wohl auch die Liebe vieler Schüler und Gesinnungsgenossen sind ihm die Tröster gewesey für den Seelenschmerz, den ihm die Entfernung aus dem „lebendigen" Berufe verursachte, dem er mit ganzer, unaussprechlicher Liebe angelörte. „Es war mir nicht anders zu Muth, als hätte ich den eigenen Tod überlebt." So schrieb er im Jahr 1852, als er von jener Zeit erzählte, wo er ausscheideu mußte aus-dem Seminar, in dem er so Herrliches gewirkt hatte. Bei ihm hieß Leben — Wirken. ' ' Sie konnten ihn entfernen — aber nicht brechen, seine lebendige Wirksamkeit stören, aber nicht zerstören. In seinen Schriften, als Mitglied in der Kammer der Abgeordneten, war er der Alte, der Unbeugsame, der nie einen Schritt zurückwich, und der mit eiserner Consequenz die Sache des