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Der israelitische Lehrer · 1866-07-05 · 27 (5.7.1866) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
27 (5.7.1866)
Date
1866-07-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Der Isrseliüselie IeKrer. Zeitschrift für die gesammten Interessen des israelitischen Lehrerstandes und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittwen und -Waisen in Deutschland. J\§ 27. Mainz, den 5. Juli 1866. (Ssvkster Jahrgang.) Wöchentlich 1 Sfiuninier. Vierteljährlicher Atonnnnentspreis 27 Ir. — 1/4 Thlr. Lei frankirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12 kr Anzeigen zu 1 Cgr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen a». B a u st e i n e zu einer Allgemeinen Unterrichislrhre für isr. Schuten. Vergl. Nr. 42 vor. Jahres. er Naturgemäßheit des Unterrichts. Soll der Jugendunterricht befruchtend wirken,,so kann dies nur, wenn er denselben Weg nimmt, den die menschliche Natur selbst in ihrer Entwicklung einschlägt. Soll die Aufgabe des Unterrichts und der Erziehung in der harmonischen Entwicklung der menschlichen Kräfte und Anlagen bestehen, .^so ist vor Allem die Aufgabe des Lehrers, die ewigen Gesetze zu erforschen, nach denen diese — die Menschennatur — sich entwickeln, und die ihm seine Wege vorzeichnen. In der menschlichen Natur, in besten körperlichen und geistigen Anlagen sind die Spuren zu den Thätigkeiten begründet, zu denen der Unterricht hinleiten soll. Darum bleibt es vor allem diehöchste Aufgabe der Erziehung und des Unterrichts: Alles mit der Natur, nichts gegen dieselbe. Die Natur ist eine unüberwindliche Macht. Wehe dem Lehrer, der es wagt, sie zu verkrüppeln, oder etwas zu unternehmen, was entgegen ist der von Gott gegebenen „heiligen" Menschennalur. Nur mit der Natur ist der Unterricht im Stande, heilbringend (heiligend) zu wirken. Darum ist es des Lehrers eifriges und unablästiges Bemühen, sein höchstes Studium, die Entwicklung des menschlichen Geistes (das Evolutionsprincip) zu erforschen, zu begreifen, und die gewonnenen Resultate anzuwenden. Soll nun der Unterricht naturgemäß sein, so hat er sich den Entwicklungsstufen des. Menschen im Allgemeinen anzupaffen. Als solche unterscheidet man für die Periode des Volksschulledcns und gewistermaffen dis an die Gränze des eigentlich lernenden Alters folgende Stufen: ' 1. Die Stufe oder Periode der aus der blos (oder doch vorherrschend) sinnlichen Empfindung sich entwickelnden ebenfalls noch vorherrschend sinnlichen Anschauung — Stufe der Anschauung (vom 5. bis zum 9. Jahre). 2. Die Stufe der Bewahrung der Anschauung, und der (unklaren) Reprodukt onen derselben durch die Einbildungskraft — Stufe des Gedächtnisses und der Einbildungskraft (vom 9. bis zum 11. Jahre). 3. Die bewußte Reproduk ion des Angeschauten und Gedächtnißmößigen — die Stufe der geistigen Vorstellungen und des Verstandes erste Stufe des eigentlichen Selbstbewußtseins und der höher» (zeitigen) Selbstthätigkeit (vom 11» bis zum 13. Jahre). 4. Die vorige Stufe endet (schließt, geht aus) in der Stufe der Vernunft, die nach Anderen darum mit der dritten zusammcnfällt. Das geistig selbstständige Verarbeiten alles auf den Geist wirkenden sinnlichen und begrifflichen Materials, die Abstraktion Schließt diese Stufe in der Schule? im Leben? — Andere (Diestcrweg) wollen den Unterschied in den Aeußerungen des Seelenlebens in der Schulzeit blos durch zweierlei Stufen bezeichnet wißen: die Stufe der Empfänglichkeit (Receptivität) und der Selbstthätigkeit des Geistes (Spontaneität). Im Ganzen kommt es nur auf die Auffassung der gegebenen Begriffe durch den Lehrer an. Es darf nämlich das über die Entwicklungsstufen des menschlichen Geistes Gesagte nicht so verstanden werden, als wenn das Kind in irgend einer Periode seinis Lebenein blos sinnl ch anschauendeS, verständiges oder vernüftigeS Wesen sei. Auch das sechsjährige Kind hat Vernunft — nur äußert sich diese anders als bei dem Menschen, der durch die andern Stufen bereits hindurchgegangen Das Leben des Menschen läßt sich nicht nach scharf begränzten Epochen bemeffen oder gar einschränken. Alle geistigen Vorgänge und insbesondere alle mit der Menschennatur vorgehenden innerlichen (geistigen!) Veränderungen haben einen continuirlichen Verlauf, werden nicht auf einmal, sondem nach und nach — ollmälig. Jedoch hat eben das ältere Kind — der erwachsene Mensch, jene Urspuren der Vernunft, eine Menge von Anschauungen, bewußten und unbewußten Erfahrungen, vom Sinnlichen — rom Bild — abstrahirende Vorstellungen, Schärfe der Einbildungskraft (Phantasie) Kräftigung der Verstandesthätigkeit durch Abstraktionen erster Reihe, die alle als Spuren für die höhere Vernunstbildung wirken, und die dem Unentwickelten abgehen.

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