Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 23 (7.6.1866)
- Date
- 1866-06-07
- Page
- Seite 98 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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SS laude ein Circular teS Hrn. Landrabbiner Dr. Mayrr zugeschickt — Hie wir dem Begleitschreiben nach glauben müssen, von unfeindlicher Seite und wir baden dasselbe audiesem Gründe, und weil wir grundsätzlich jede Einmischung in die Verhandlungen za Lehrte und jede vorläufige Polemik vermeiden und jede anonyme Zuschrift als nicht erhalten betrachten wollten, unberücksichtigt gelassen. Jetzt aber gewinnt jene- Circular eine eigenthümliche Beleuchtung und G schichte. Bor etwa 3 Jahren haben die hannörrifchen Lehrer die ersten Schritte gethan, einen Unterstützungsverein für Lehrer Wittwen und -Waisen zu gründen. Sie wandten sich an die Landrabbiner,' ein Entwurf zu den Statuten wurde, so viel unS bekannt, mehrfach hin- und znrück^eschickt und endlich am 13. und 14. Juni 1884 zu Sarstedt in zweitägigen Vertändlungen ron den Lehrern endgültig berathen und den Lantrakbinern wiederholt zur Ausführung behändigt Abermalvergehen zwei Zaire, und das »'chätzbare Mat-rial' scheint -wohl zu ruhen unter den Akten; die Sache ist verschollen Kein Lebenszeichen wird den Lehrern von ihrem OpuS. Da passirte im Hannoverlande etwa- Menschliche-, ein entsetzlicher Fall rüttelt die Schläfcr aul — in einer rleinen Gemeinde wird ein armer, kranker und blinder Lehr r genötdigt, durch öff ntlichen 'Aufruf seiner Collegen zur Fristung seine- Lebens die Miltthäti.'.keit an;u precken *) Die Lehrer werden wieder einu al unruhig, und da ihnen die früheren Projekte längst begaben zu sein schei» en, so laden drei geehrte hannovrische Leerer ihre Collegen zu einer Versammlung auf den L3. Mai nach Lehrte ein, um über den Anschluß an den b> siebenden Unterstühungsverein in Deutschland zu d-Seutiren Sieb-- da, dawirkt! Auch von der Stätte aus, wo das »schätzbare Mate-ial" Sei Jahre lang müssig lag, er cheint jetzl! ein »mtliches Rundreiben. das vorerst aber nugenaue statistische Mittheilunoen über die persönlichen urd Famil cnverhältnisje der Lehrer. >owie der sonstigen in den Svnagog ngemeinken des Königreich- Hannover Angestellten (a's da sind: Stisksgelehrte, Bor ängcr, Schächter, Gemeiudedieuer) längstens' bis zum 15 Mai zugleich mit der Erklärung, ob man einem zu * ründenden Vereine beitreten will, einford>rt, da der Entnurs (welcher, der in Sarstedt von den Lehrern vereinbarte?) der kknigl. Regierung vorlängst (wann?) untcrireitet, und ron derietben Förderung in Aufsicht gestellt sei, so bald sich die Anstatt als lebensfähi,. erweist. Und in Folge di see Rundschrei ens warten die Lehrer Hannoverwieder ein Jahr und werden woll ncch länger warten. Wir machen unfern hanövriichen Eolleg n keinen Vorwurf tarau-, w>r können uns>n ibre Lage wohl denken. Aber gestehen müsien wir unS, daß uns diele Verhältnisse alsehr traurig erscheinen, und'daß wir die hannövri'chen Lehrer um i!r Standesverbältn ß ihrer unabbäng gen Stellung willen nickt beneiden. Von einem Vereine kann dort wo.l sel stverstä dlich nicht die Rede sein; rs Ist-eine Unterstützungskasle, ander den Lehrern, resp. deren Wittwea und Wersen, die mit den Schächtern und G-meinkedienern — vulgo D,pCBr ,3ui?v — iw einen Topf geworfen werden, durch die Gnade ihrer geistlichen Behörde ein Brocken zugeworfen wird — und da die anderen Eatcarricn der Angestellten wohl die Majorität haben, so werden die Lehrer majorisi't, und das von Reü tSwegen! denn ein Schächter -vcv, ein Stiftsgclehrler hat wohl einen gleich mühe» und bedeutungsvollen Beruf, wie ein Lehrer! •) Ligentbümlick ist der.Umpond, daß dieHerre» Erliege» In Lehrte vergeff.ii zu haben scheinen, duß dieser und üterboupt solche Kille tei der zu bezrünrenden UnteestStzungs'asse km Hannover gar nickt in Betrackt kommen, da diesfür Winwen und -Waise», nicht »der für dt« dienstunfähige» Lehrer in Au-stcht. genommen ist. Wir süddeutschen Lehrer lieben nnsere Rabbinen» die zuweilen zu uns in den freundschaftlichsten Beziehungen stehen, wir ziehen sie zu unsere» Berathungen bei, erfreuen unS idrer Theil» nahme in Rath und Thal, aber — solches wü den wir unS doch »ist von ihnen bieten lasten! Das ist Hierarchie, volle un. eheuchelte Hierarchie, wie sie sonst wohl im Judenthum iwwein erlernen Gebieten — denn was hat um Gotteswillen die freie Vereinigung der Lehrer zu solchen Zweck, n mit der Theologie zu schaff n? — nicht Vorkommen sollte, wohl auch sonst nie vorkommt. Und doch; w r glauben aufrichtig, daß Herr Dr. Mayer und die hannöverischen Land - Rahbinen es gut me>nen, daß sie die besten Absichten haen, und nur durch die eigenthümlichen Ge» staltungen dedortigen religiö en und Gemeindelcbens zu solchem gewe>naefährlichen Auftreten geneigt sind. Denn , wem es er» laubt ist, wie durch die doitige Ehnagogenordnung geschehen kann, zum Zwecke der Erlan ung einejuo sich polizeilicher Hilft mittel zum zwan -weilen Shnago enbeluch zu bedienen, der wird wohl über Recht und Macht ir e! Möurn nur die Herren Rabbincn für die Lehrer etwas Rechtezu Wece bringen, und wir wollen ihnen ro ->v" sa.,en, denn in der materiellen Bester» stellung wird die geistige Hebung, die berufliche Selbstständigkeit mit Naturnothwendigkeit Förderung finken Viele Wege führen nach Rom Warten wir darum den Erfolg ad. Diese kleine Ercurfion hiellen wer aber im Interesse der Selbstständigkeit und Freiheit des Lehrcrstandes und des Judenthums für durchaus und unbedingt nölhig. Wir waren auch berechtigt, unS so zu äußern, weil wir natu-gemäß in tem betreffenden Circular vorerst ga-- nichts And.rs find n konnten, alS einen Riegel, der brn bannöveri chen Collegen den Anschluß an unseren Verein rerickl eßen soll. Anzeigen. hiesige israel. Gemeinde sucht einen zweiten Vorbeter, der zugleich den Dienst als Schächser übernehmen soll. Oualificirte, gut beleumundete Bewerber wollen sich portofrei an den Unterzeichneten wenden. Gießen. Vorstand: Ajlt. Hirsch. Yftvanz. isr. Religionslehrer und Cantor- Stelle zu Partenheim kann wieder besitzt werden. Gehalt st. 300, freie Wohnung und Heizung drS Schullokals. Bewerber wollen ihre Meldungen baldigst an den israel. Vorstand einsenden. Der Vorstand: Jakob Ilirvch. _Jakob Rahn._ Concurrenz - Eröffnung. Die Lehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle bei der iirael. Religionsgemeinde dahier ist sogleich -zu besetzen. — Reflektanten wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse baldigst an den Unterzeichneten Vorstand zu melden. SolmS Laubach, 1. März 1865. _ £♦ Herzog. Briefkasten Her, 6. B. in B. Ibre Beilage »ollen Eie senden; ich werde sie besorge«. Soll sie auck de» Postexemplaren betgelegt werde«, s» »uß fi, »it dem »Isr. Lehrer' gleiches Format haben. Verantwortlicher Redactcur: I. ftlmgtnftcin in Ldernheüv in Rheinhesjrn; Lelbstverlag der Redaction. Für den Buchhandel: in Commission bei Lskar Leiner m Leipzig. — Tampf-Echnellpreffendruck von I. Go.ttsieben in Mainz.