Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 20 (17.5.1866)
- Date
- 1866-05-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Her Jsraelüisclte Iekrer. 3rtt,chrift für die gesammten Jntereffen des israelitischen LehrrrstandeS und zugleich Organ für den Verein zur UnterftiHung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittrven und -Waism in Deutschland. J%# 20. Mainz, den 17. Mai 1866. (Sechster Jahrgang.) Wöchentlich 1 Nummer. Vierteljährlicher Abonnementspreis 27 r. ----- 1/4 Lhlr. Bei frankirter Zusmdung unter Kreuzband jährl»ch"2 fl. 12 kr. Anzeigen zu 1 Egr. die Petitzeile. ■ Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. i&a« Jndenthum in seinem Verhältnis zu Erziehung und Unterricht 1. »Die Eonne der Freiheit — des gleichen Rechtes, wohlwollender Duldung," hören wir unser, sich mit mehr oder weniger Recht das Zeitalter der Humanität nennendes Jahrhundert oft rühme», „ist für Alle aufgegangen, und wer vn seinen Bewegungen und Bestrebungen regen Antheil nehmen will, die Bahn dazu wird auch den bisher Benachtheilisten immer weiter gröfinet, »nd ihr Verdienst wird der gebührenden Anerkennung nicht rnlbchnn." Daß es damit, ««»ngleich es noch säst zweitausendjährigem Tunkes und Grauen in unserem Bereiche wohl Zeit zum Anbruch des völligen Tageslichts wäre, in der Wirklichkeit roch gute Wege habe, weiß Jeder, der irgend mit den faktischen Verhältnissen d,S heutigen VölkerlebenS vertraut,*) und wer mag nmesien, wie viel und wie lange eine „Alliance isredlite universelle“ ein „Verein für die geistigen und materiellen Jntereffen des JudenthumS" "noch zur Wahrung und Hebung dcS Letzteren allein vollsten Kraftaufwandes bedürfen werden, ehe „ein Recht und ein Gesetz für unS und die Herren deS Landes" zur durchgängigen Norm im Völkerrecht geworden sein wird? Doch noch weit schmerzlicher als die vielfachen Zurücksetzungen in äußerlichen Beziehungen berühren den für seine zwar uralte, aberewig mue und in jugendlicher Frische prangende Religion von heiligem Feuer durchglühten Cohn Israels die absprechenden Uriheile, welche über diese selbst auch von lichtvollen und dennoch nicht unparteiischen Denkern und Forschern anderen Glauben zu dessen Gunsten gefällt, und wenn hohe Errungenschaften der Menschheit, welche ganz oder zum . besten Theile jenem ihren Ursprung verdanken, diesem zugesprochen weiden, so daß deS Propheten Nathan bei David vorgetragene Parabel (II. Sam. 12) in großartigem Maßstode zur traurigen Wahrheit gemacht wird. Und wenn es in einer Hinsicht handgreiflich ist/ daß die Extreme sich berühren, so vor allem in dieser Frontstellung gegen die, auf den unzweifelhaftesten Dokumenten in Wort und Thal, Literatur und Geschichte basirten Prärogative israeiitischer-L^hee und israelitischen Lebens, denn die entschiedensten Gegensätze in religiöser und socialer Beziehung: Rationalisten und Atheisten: wie Elericale und Ultramontane, Reaktionäre und Feudale, wie Liberale und Demokraten, Zünftler und Echutzzöllner wie Eocialisten und Freihändler begegnen sich (ehrenhafte Ausnahme abgerechnet) leider nur zu oft in derselben ungerechten Anmaßung und Ehrenkränkung gegen jüdischen Geist und jüdischer Weien, und so bleibt auch das Allerheiligste: das Gebiet der Jugenderziehung zu dem, was vor Gott und Menschen ehrt und erhebt, nicht verschont von diesem zersitzendtn Cchwamm der Parteilichkeit und des VorurtheilS. Zum Beleg hiefür braucht wohl nur an ein im vorigen Jahre in diesen Blättern ausführlich besprochenes treffliches Werk von L)r. Karl Schmidt, „Geschichte der Pädagogik", erinnert zu werden*), welche letztere insbesondere durchweg der trivialen, ron der Thot so völlig Lügen gestraften Fiction der „christlichen Liebe", und als ob, wo diese nicht walte, weder Tugend noch Frömmigkeit heimisch werden, also unter allen Umständen eme gedeihliche Erziehung nicht gepflegt werden könne, mit anscheinender Ueberzeugung huldigt. Welch' Hohngelächter würden diese hochachtbaren Herren wohl erschallen lassen, wenn wir, und fürwahr! mit größerem Fug, von „jüdischer Liebe" sprechen und diese als Grundprinzip aller Trefflichkeit bei Jung und Alt hinstellen wollten I Doch wir machen grundsätzlich solch' anmaßliche Prätensionen nicht, wir kennen und anerkennen lediglich eine „göttliche, in des Menschen Herz widerstrahlende Liebe", und erachten es als die Aufgabe aller "echten theologischen . wie pädagogischen Wirksamkeit: ihr das volle Heimaths- und Bürgerrecht in allen Geistern und Gemüthern zu erringen. Dies ist israelitischer Geist, das ist jüdische Lehre, die zwar zuvörderst einen allmächtigen, allweisen und allgerechten, aber nicht minder energisch einen gnadenreichen, allgütigen und barmherzigen Gott verkündet, also wahrlich! den *) Als »Schstl«.,»d. Illustrationen dieti« sich »VN selift Böhmen! •) Von dem der jüngst kritifiri« Aufsatz »on Schweitzer ein kleines m*t 1*E»en Iudenhetzen, dieses »tt seinen neueste« | Srttenstück sein möchte. 1