Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1866-05-10 · 19 (10.5.1866) · p. Seite 82

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
19 (10.5.1866)
Date
1866-05-10
Page
Seite 82 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/4896751-5428724-5431605--1356-4897865
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Bali» ei» Recht hat, nicht i» ä»gstlich«r Selbstverläuguung an die Geile trete» und «eTtüm*trra dürfe. »Die jüdische Gern einte ist eine ReligionSgesellschaft; nur von dieser Seite betrachtet , hat sie rimu vollgültigen Anspruch zu einer Eristruz innerhalb de» Staate-. Jeder anderweitig vom ihr verfolgte besondere Zweck füllt mehr Orr minier mit den allgemeinen Staat-zweckrn zusammen; nur die Sorge für ihr Airchenwesen und — in gewissem Sinne — für den Unterricht in ihrer In-' geud gehört einzig und allein in den Bereich ihrer Wirksamkeit, I«, btgc Wirtsamkeii ist der Grund ihre- Bestehens. Dir größere od?r geringere Energie in der Dahrnehwnug so hoch» wichtiger Interessen würde den Maaßstab für ihr« innere Lebenskraft aogeben körnen, wenn sie überall nach eigenem Willen beschließen und handeln dürfte.^ Äuf das jüdisch« Unterrichts- Wesen übergehend, wie der Sn laß eS gebot, will er die «aunia» fachen Hindernisse richt darstellen, die der Ausführung des H. 29 deS MLrz-Edic!S entgegen getreten stad. „Um aber —;o führt Veit fort — aus dem Vielen Einehervorzuheben, will ich nickt unterlasse», eines rielverbreiteten JrrthumS zu erwähnen, dessen nähere Beleuchtung eine immer wünschens- X werthe Verständigung herbeiführrn -möge. Es ist nämlich viel- ^4ach behauprrt worden, daß den Juden die Gründung eigener Schulen überhaupt versagt werden müfic, weil man die Absonderung derfrlbeu ron ihre» christlichen Mitbürgern auf keine Weise befördern dürfe; und nicht allein christliche Staatsmänner, auch Juden haben drefe Ansicht gatheilt und aus solchen Motiven gehandelt. Ich behaupte aber, daß selbst die Möglichkeit einer Atsonderung in unfern Tagen nicht mehr vorhanden fei.* Rach Veit nimmt der Geist der Zeit bei seiner ungeheuren Arbeit jede einzelne geistige »nd materielle Lrast in seinen ' Dienst und fübrt eine solche Verschmelzung, der scheinbar widestrebenden Elemente herbei, daß sie jeder willkührlich auigerichtete» Schranke Ipotttt. 'Getrennter Jugendunterricht und politische und gesellige Absonderung find chm sehr verschiedene Dinge. Der E aat richtet seinen Volksunterrick t ccnfessionell ei», damit ist für ibn — jedoch nicht bloß im negativen Sinne, zur Abwehr confesfioneller Differenzen — das Argument für die jüdische Volksschule gegeben. Ugd daß er auch. Positiveüber die Volksschule hinauserrsthatt will, spricht er unzweideutig auS: „ES versteht »sich jedoch hierbei von selbst, daß für die jüdischen in öffertlrchen Sckulen befindlichen jknaben und Jünglinge ein ergänzender, die Schüler mindestens bizu ihrem selbstständigen Eintritt in die Gemeinde begleitender Religionsunterricht angecrdnet »erde, wie er bereit» seit etner Reihe von Jahren in mebreren deutschen Ländern in gesetzlicher Straft und anerkannter Wirksamkeit besteht.* Nachdem Veit die Nothwendigkeit jüdischer Volksschulen vnd ReligirnSschulen nachgewiefen, welche Anstalten aber nimmermehr ohne tüchtige eiaens vergebildete Lehrer gedacht werden körnen, evptebt sich »ach ihm die Gründung von Lehrer- -BildunxS-Anstalten als eine unabweisbare Pflicht. „Und — fährt er fort — wenn wir in der Erfüllung derselben voranschreiten, und über da» eigene Bedürfniß biuauS, den Stand dejüdischen UnterrichtswestnS in rnferm Baterlaute i»S Auge gefaßt haben, so waren wir dabei bet alten^Ruhme» eingedenk, der unsre Gemeinde al» die Metropolis der Bildung vnd Aufklär»»g für die deutschin Jvden preist, ein Ehrentitel, der bei de» edlen. Alles beseelenden Wetteifer nur durch rühmliche Thaten erhalten werden kann. Wir haben daher nicht länger zaudern zu dürfen gexlavbt, um die Hand anS Werk zu legen, wir haben enickt gescheut, mit beschränkten Mitteln klein an« zufangen, weil wir wissen, daß wir in All««, was den Fortschritr befördert, auf die Mitwirkung unserer ehrenwerthen Gs» memdc «ch»en dürfen. So habe« wir denn vor allen Dingen mit der sichern Grundlage deS Gebäude-, der Lehrer-Bildung, wir habe» »it dem Anfang engefangen, indem wir die fernere Eniwickelung diese» SeminarS, namentlich aber die Erweiterung desselben zu einer Bildung-- Anstalt für künftige Rabbinen der Znkvnst, und, w'll'S Gott, einer nicht allzufernen, anheimstellen.* Beit hat in dem bisher Mitgetheilren dem jüdischen Schul» wese» im Staate seinen Platz und die Grenz n keiner verechti» Sog angewiesen; er hat, indem er Volksschulen, .ReligiouS» ute», Lehrer-Semiaarien und Rabbiner-Facuttäten fordert» den technische» >»f» und Ausbau diese» Unlerrichtswesen» corrert auaedentet; er bat die Stellung der Berliner Gemeinde zu diesen Ausgaben av» ihrem alten Ruhme, au» ihrer Stel» lung za den Gemeinden de» Vaterlandes, au» ihrer Stellung zn der deutschen Judeoheit in religiös-pattiotischem Stolz be» zeichnet. Er hat Alle» beigebracht, was Jemand beibringen kann, der solchen Fragen ernsthaft auf dev Grund gebt. (Forts, f.) Thurcoz Gzt. Marion, 20. April. Die Mrtiheilungen de- „Frantfntter Journal* auS Prrtzdurg über die Vorgänge in Eommerein wurden ron der Wiener „Presse* nnd anderen politischen und Fachblätteru reproducirt und verfehlen nicht, einige Sensation zn wachen. Umsomehr freut e» un», heute au» Ungarn ein kleines Ereigniß als Gegenstück de» früher erwähnten mitt besten zu können. Einige in den letzten Tagen ausgesprochene Bemerkungen Deak'S lasten mir mehr a!S bloßer Wahrscheinlichkeit vermutheu, daß Ungarn wieder dre ftühere Emtbeilnng in Gespannswalten erhalten und lomit d-r lebhafte Wunsch der Bevölkerung erfüllt werden soll; die meisten Eomi« täte werte» bereits reorgan-sirt. Der Obergespann de» Thurocz EomitatS, Frhr. Simon von Rüvay, ernannte bei solcher Gelegenheit mehrere neue Beamte, u. A. auch den Thuroczer Stadtarzt Dr. Jacob HaaS -um Eom>:a>SthvsikuS. Beiläufig wollen wir dier bemerken, daß Die AdelSfamilie der R«-vay sich steiS durch Toleronz und Liberalität ausgezeichnet hat und in der Cstturxeschichte UnganiS einen Ehrenplatz einnimmt. Dr. HaaS ist in der neuen A«ra der erste Inte, der diese» Amt bekleidtt, doch hat e» bis zum Jahr 186 t wohl.mehrere KreiSphhsici gegeben. In Mäko war ein jüdischer Doktor KrriSpbhfiku» bi» zum Jahr 1848. Die provisorische Regierung ron 1849 ließ ibn in seinem Amie und er wurde auch von der österreictiscken Regierung 1850 bestätigt. AIS später 1861 wieder die Etuhlrrchter zur Eelturg kam.n, wurde der MreiSpbhfikuS aus keinem andern Grunde, als weil er Jude ist. calsitt. (Fr. I.) Ginladung zur Conferen; deS Vereins isr. Elemcntarlchrer für Westphalen und Rheinprovinz, zu Essen, am SA/und 24 Mai c. im Locale der „Geselligkeit" bei %. Stölting. (Zugleich SeueralversammluUg der U»terfiützuugkaffr des verei»«.) Tagesordnung: A. 71. Geschäftsberichts des Vorstandes. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Vorstandswahl. B. 1. LectionSplan für die jüdische jSchule. Referent: Oppenheimer. 2. Ueber das Maß und die Behandlung des Religionsunterrichts bei solchen Schülern, welche nicht den Gesammtuntunterricht in der jüdischen Schule empfangen. Referent: Lewing er. 3. Freie Besprechungen. Bielefeld, 30. März 1866. Der Vorstand. Verantwortlicher Redactcnr: I. Klingen stein in Odernheim in Rheinhestm; Eolbswrrlag der Rck>actün». Für dm Buchhandel: in Eommisiion bei LSlar Leiner m Leipzig. — Tamps-Echnrllpressmdruck von I. 8 o^t Sieben »« Mainz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.