Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 16 (19.4.1866)
- Date
- 1866-04-19
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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67 immer ernst gemeint, sondern oft zur Kurzweil unternommen worden seien und selbst bisweilen den Charakter der Ironie an sich tragen. Wir leugnen Letzteres nicht, aber das Grundwesen deS Talmuds ist nicht damit gezeichnet. Wir möchten namentlich denselben vor Verkennung bei seinen jungen Schülern und neuen Verehrern gewahrt wissen. Aber wir glauben auch nicht, daß die Halachah, das'Gesetz, durchweg feststand, sondern daß uns die talmudische DiSeussion ein Bild seiner allmäligen Entwicklung und nicht blos seiner nachträglichen Begründung gibt. Oft stand die Halachah durch Üeberlieferung fest, und man suchte nach deren Begründung. So für tvss an Ber. 12, b. wo die Menge der Gründe schon die Ungewißheit und Zweifel ausdrückt, aber auch keiner der angegebenen Gründe das wichtige trifft. Oft war die Halachah verloren gegangen und man bemühte sich durch Aufsuchnng der Gründe, durch Eröffnung einer Diskussion sie wiederherzustellen. So in dem S. 11 anS Pes. j h6, ca. von.Hillel angeführten Beispiele. Der Talmud liefert | uns in der möglichst genauen Erhaltung der Diseussionen; das Material, um damit das religiöse Leben weiter fortzuj entwickeln. Er vermeidet, das Gesetz zu eodisieiren, oder auch j nur allgemeine Prineipien aufzustellen; er verbietet sogar, wenn sie ausgesprochen werden, diese zu bindenden Gesetzesnormen zu erklären; — er will eine freie Entwicklung des religiösen Lebens,' nicht vom Buchstaben der religiösen Gesetzgebung eingeengt, sondern vom Geiste der Thora und Tradition geleitet. In dem die Sprache des Talmuds behandelnden Abschnitt hätten S. 14 außer den angeführten auch noch andere Idiome erwähnt werden können, welche ihr Eontingent zum Sprachengewirre des Talmuds geliefert haben, wie arabisch oder persisch. <?■ Die S. 18 von in»n gegebene Erklärung ist griechisch-mythologischen Anschauungen entlehnt', ohne daß oer Ausdruck in der griechischen Mvthologie Wiederhall findet. Alzey, im März-; Dr. Rothschild. Wochenbericht. Aus dem Etiaß (Schluß) 2) tjjrcic Schuten (ecoles Hbres), zu welchen die Lehrer nicht desinitiv angestellt sind. Obschon die Lebrer an Eommunalschulen noch ziemlich abhängig und. da die Gemeinde ibren Beitrag nach Belieben zurückziehen kann, was gar kein seltener Fall ist, so ist dies doch in ungleich höherem _ Grade bei den Lehrern an freien Schulen der Kall. Diese hängen nur zu oi't von her Willkübr und Laune eines Einzelnen ab, der in der Gestalt eines interessirten Wirthes, eines ehrgeizigen Kaufmannes :c. als ihr Gegner austritt. Solche Lehrer sind wahrhaft bedauerswertbe Geschöpfe; sie sind Sklaven, die von einem (Ql bis zum andern wie die Knechte und Mägde ausgenommen und fortgeschickt werden. Daß unter solchen Umständen häufiger Lehrerwechsel vorkommt, läßt sich leicht begreifen. Ich kenne eine Gemeinde, die innerhalb ii Jahren st Lehrer gehabt hat. Die Schule ist hier Privatlache. Der Gehalt der Lehrer wird allein von denjenigen Familienvätern aufgebracht, die Kinder'in der Schule haben. Diese wählen aus ihrer Mitte die Schulverwaltung, welche nicht selten aus Männern besteht, die weder lesen noch schreiben können. Die Folgen hieraus für Schule und Lehrer sind leicht vorauszusehen. Der größte Uebelstand ist noch der, „daß V« der Gesammtschulen aus sreien Schulen bestehen. Die größten und schönsten Gemeinde» weigern sich Eommunalschulen;u errichken, trotzdem daß Ihnen ein jährlicher Zuschuß von stlXTFrs. von der Re-" gierung erwachsen würde, blos aus deni einfachen Grunde, den Lehrer unter Ihrer Gewalt zu behalten.*) Der Lehrer hat hi*r 7 Stund per Tag zu unterrichten, außer den Feiertagen, während des, ganzen Jahres leinen Tag Ferien, höchstens, daß in der dinen oder andern Gemeinde ein halber Tag per Woche freigegeben wird. _ ■ . . Die Beaufsichtigung der Schule hängt davon ab, wie man dem Lehrer gewogen ist, so daß in der einen Schule alle viertel Jahre Prüfungen stattsinden, während in der andern 2 Jahre verstießen können, bevor sich die Herren einfallen lassen die Schule zn besuchen. Der sttabviner, der in der Gemeinde noch die einzige Person wäre, den Lehrer kräftig zu unterstützen, hat ent - weder zu wenig Autorität, oder ist auch zu sehr abhängig von der Gemeinde. Was die mater« llo Stellung des franz. Lehrers betrifft, so bezieht derselbe wohl einen größeren Gehalt als in Deutschland, hat jedoch verhältnismäßig auch-größere Ausgaben, ca liier zu Lande das Leben um das Doppelte theuerer ist als in Deutschland. Die Lehrer selbst sisid, wenige Ausnahmen abgerechnet, nur von sehr mittelmäßiger Bildung, viele haben nur ganz wenige Studien gemacht, genießen nicht diejenige Achtung, die dem Lehrer von R'ch'-s wegen gebührt und die sich der deutsche Lehrer schon seit längerer Zeit errungen -hat, was vielleicht auch darin seinen Grund hat, .daß die Israeliten in den deutschen , Provinzen Frankreichs nicht ans derselben Höhe der Bildung stehen, wie ihre Glaubensgenossen in Deutschland. Von Sinn 'ür Zusammengehörigkeit unter Lehrern ist keine Spur, da , Lehrer, die nur l Stunde von einander angestellt sind, sich Jahre lang nicht sehen, ja sogar nicht einmal kennen. Kurz, mit einem Worte: nehmen Sie die Verhältnisse, wie! sie noch vor ,'>0 Jahren in unserm .geliebten Deutschland bestanden**) und Sie haben ein getreues Bild von den Zuständen, wie sie heute noch hier bestehen. Uebrigens wird auch hier der Lehrermangel immer fühlbarer, da sich die jungen Leute auf mebr ergiebige und geachtetere Earriren werfen, was einen der obengenannten Schuldespoten, mit mebr als mäßigem Schmeerbauche, zu der Aeußerunz veri anlaßte: „Früher bekam man für 60i»Frs. noch Kerls mit Bäuch wie! die Landparneß. Heutzutage verlangen die Häringe tllililFrs. M. L. Aus Overfranken in Bauern, im Hrrll. Wehe, die i'Licht zu Finsterniß machen, ruft der unsterbliche'Jesaias. Der; Kamps .der Mächte der Finstrrniß mit der Gottesstamme: 7m« nun » ist in der Geschickte Israels mit eisernem Griffel verzeichnet. Wir brauchen nur aus die neuesten in Böhmen vorge-, kommenen Ereignisse gegen unsere dortigen isr. Glaubenszenoffen, und auf den Ruf eines Un;ruihus et rosto in dem vielgetesenen „Korrespondenten v, u. f. Deutschland," der sich von Zeit zn Zeit vernebmen läßt, binzuweisen, und das Eingangs Gesagte ericheint in allen ieinen Tbeilen aüch jetzt noch gerecktiertigl ijmVan nsy 12V2 in« «te *) Tout coimue dies tum* — gerade wie bei »ms. Eine besiif.be Qemeinoe S. errichtete vor l Jahren eine öffcntlicke L-'lkosckule. Der Zufall fährt ibr einen Lebrer zu, mit dem sie vielleicht Grund zur Unzufriedenheit bat. Nach unaufhörlichem Kampfe verläßt der Lebrer seine Stelle, und — die Gemeinde hat nichts Eiligererzu tlun, als ibre Schule ausznlösen, um wieder .Herr ihres Lehrers" zu fein. Trotz : aller sonstigen Sparsamkeit vergißt sich dock hier, daß an Neligions'.ehrer! heutzutage weit rheurjer ist, da der Staat zur Volksschule zuschießt. s Redaetion. 1 ' **) Und in einzelnen Ländern, }. B. Gr. Hessen und Preußen zum Theil jetzt noch bestehen. — Red.