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Der israelitische Lehrer · 1866-04-19 · 16 (19.4.1866) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
16 (19.4.1866)
Date
1866-04-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jterafütiscltf Zeitschrift für die gesammten Interessen des israelitischen und zugleich Orgo^n für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger Wittwen und -Waisen in Deutsch! Lehrerstandes israelitischer Lehrer, Lehrerand. J\§ 16. Mainz, den 19. April 1866. (Sechster Jahrgang) Wöchentlich 1 Rümmer. Vierteljährlicher Ademnementöpreis 2? kr. >,4 Thlr. Bei srankirtei Anzeigen zu I Egr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle PostSmte Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12 kr. und Buchhandlungen an. BemerVenswerthe Worte. i (Schluß.) Sbit haben dm in unserem vorigen Blatte zu Ende geführten Aussatz des Herrn vr. Schwarz nickt um seiner betont ern Bedeutung willen in seiner ganzen Ausdehnung «iedergegeben — denn das dort NuLgeiprcckene >st wohl lehr gut, aber gerade nicht ganz neu. Es war, wie wir schon im Anfang hervorhoben. ras Axiom, welche an die Spitze gestellt morden, dos uns cnreizte, den ganzen Artikel hier in einem jüdischen Blatte obzudrrckm, um unsere vebereinstimwung mit dem Lesen derselben kund zu thun. Was wir nicht abdruckten, klingt so rr.Tjfiüd?, ist io unwesentlich, daß es auch die christlichen Leser unseres Blattes nicht vermlssen werden; dem Grundgedanken geschieht dadurch drnchaus kein Abbruch, denn der pädagogische Werth jener weggebliebenen Satze ist — 0. Was folgt aus unserer Uebereinstimmurg mit dieiiii Ansichten? Was wollten wir damit erweisen? Wir behaupten, daß cs ebenso inconsiqucnt als ungerecht ist-, die Bedeutung der doch wohl vorzüglich die Geschichte und die Religion des Judenthums enthaltenden Bibel anzuerkennen, aber das Judmthum ganz und gar als Religion zu negiren, sein lebensvolles Dasein gleichsam zu leugnen; es ist ungerecht, die Behauptung auszustellen, daß man Christ sem müsse, um human zu sein und Religion zu bcben, drß man unter Religionsunterricht mrieben den „specifisch-christlichen" verstehen will. Hat das Sinn? Ist das Logik? Ist die Bibel auch die Urgeschichte der christlichen Religion, ko ist sie doch noch mehr die Lebensgeschichte der Israeliten und also ist das Judmthum Religion, und die das nicht zugeben wollen, dienen dem Baterlande und der Humanität schlecht, wenn Cie in solcher Weise Exclusivität predigen. Es ist doch sonderbar! Tiese freien Geister der neuen Zeit huldigen dem Fortschritt und suchen die Gegensätze in den christlichen Eoufesstoren und religiösen Anschauungen abzuschwächen. Tem Judenthum aber wollten Sie in dieser Tiscussicn durchaus keine Stimme losten? das soll sein gesommtes vieltausendjähriges Geistesleben hingeben; thut es das nicht willig, dann schreit ^man über Hartnäckigkeit gerade wie im Mittelalter, daun soll es exlusiv u. dgl. sei 1. Sind aber diese Ansichten, dre man ihm entgegenbringt, wcht weit mehr exclusiv? Wer hat — den rechten Ring? Ar» cer Hand unserer Geschichte, in ihrer naturgemäßen Entwicklung weisen wir die ewigen Grundlagen deS religiösen Lebens iller Zeiten und Völker nach, und keine Lehre und kein Gebot der Sittlichkeit, das zum Bestand und zum Fortschr eilen der Menschheit unentbehrlich wäre, vermisten wir im Judenthum, in der Bibel wie in dm späteren, dem Leim entsprossenen Religionsschristen. Wir können es asio getivst wagen, wenn von Religion die Rede ist, auch ein Wor^ witreden zu dürfen. In einer benachbartm, mittelgroßen Stadt besteht eine vorzüglich geleitet Eommunalschule. Dre Zahl der Juden, die diese Schule ke uchen, ist stark, und unter den iS Lehrern jener Anstalt könrten verhällnißrräßig 2 Judm sein. Mit einigen der geocht tsten Lehrer dieser Anstalt sprach ich einmal über dieses Recht. Eie schauten mir verdutzt ins Gesicht und sagten: ,Ei, das geht doch nicht!" „Und warum nicht?" „Warum? Es geht eben nicht; die Schule ist immerhin eine christliche, wenn sie auch Eommunalschule ist." Und mindesiens der zehnt« Therl der Schüler firu> Juden! Ist das christliche Humanität und Gerechtigkeit? Ich war gestrn bei der Prüfung ebenfalls einer Communalschule zugec:n, die ein besonderes Gewicht auf ihre Cvnscsstonslosigkeit leet. Als Schlußgesang wählte der Lehrer dos Lied: »Jesus, dir lebe ich :c. rc." Tic jüdischm Schüler sangen in unschuldigster Weise mit.- Wenn man di: jüdischen Vorstände beider städtischm Gemeinden aufiorkerr wollte, die Anstellung eines jüdischen Lehrers zur Wahru rg der Parität und der rechtlichen Gleichheit an diesen Commuiolschulm anzustreben, sie würdm, wie jene obtngenennle Lehrer, die Achseln zucken, und sagen: „des geht nicht, das würde uns in dm Verdacht bringen, exclusive Sonderungen anzustreben; dos wäre ja der Beweis, daß wir nocl nicht zeitgemäße Bildung genug haben, um den Begriff t er Eommunalschule zu fassen, und als würden wir auf konfessionelle Sonderungen etwas geben!" Ist doS logisch null wo ist hier die Exklusivität?

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