Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 15 (12.4.1866)
- Date
- 1866-04-12
- Page
- Seite 63 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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er, —. tet also nach dem Bewußtsein von sich/ daß es doch so dumm nicht sei. Darum lasse man beim Kinde nie die Lüsternheit der Neugierde oder die Einbildung aufkommen, daß Eltern und Lehrer etwas vor ihnen zu verbergen suchen. Dadurch wecken die Erzieher nur den Trieb bei den Kindern', dahinter zu kommen. Nun kommen böse Buben und schlechte Dirnen, unbedachtsame Dienstboten :c. zu Hülfe. Die „Schlauköpfe" unter den Schülern wollen zeigen: wir sind nicht mehr so dunim, und machen die andern darauf aufmerksam. Wie ist da zu helfen? Das Fernhalten von der Bibel thut'S nicht, gewiß nicht allein. Die Schule vermag hier gar nichts zu thun. Aber dennoch muß die Lüsternheit der Neugier zerstört werden, indem die Kinder in geweihten Stunden die Mädchen von der frommen Mutter, die Knaben vom ernsten Vater, Belehrung darüber empfangen, daß der Mensch wohl wie das Thier entsteht, aber dennoch sei die Liebe zwischen Vater und Mutter die eigentliche Zeugungskrqsl. Und es sei eine heilige Sache um die Entstehung eines Menschenkindes. Nur mit Ernst und Würde, ja mit Gebet dürfen die Eltem darüber zu den .Kindern reden uuo sie ermahnen, nicht auf böse Buben und lose Dirnen u hören, die mit dieser heiligen Sache ihren Spott trieben. Das sei Beides schändlich und unanständig. Und die Kinder seien ja ohnehin jetzt ebenso klug wie jene. Mit Ordnungen der k. Oberkirchenbehörde ein halbjäh:i„er Unterrichtskurs fürs Hebräische und die Liturgie noch hinzu. Größere Fürsorge für musikalische Bildung bei den isr. Lebrern, die zumeist auch Vorsänger sind, ist anzuürebcn, und sowohl im Interesse der Gemeinden, wie der Lehrer wünschens werth. — In Buchau am Federsee schied kürzlich der Unterlehrer Rödelsheimer, der nach Püaumloch befördert wurde; :5'2 Jahre war er in Buchau an der isr. Volksschule thätig und. hat sich auch Verdienste um den Kultus durch Pflege des spnagozalen Chor- ' gesanges erworben. Beim Abschied wurde ihm von Herrn Rabbiner Weinmann ein silberner Pokal" und 12 LouiSd'ors, aufgebracht durch freiwillige Zeichnungen von Gemeindemitgliedern, überreicht. Diese Huldigung ehrt Geber und Empfänger und kann es den Ra rbinen n> r in der Volksgunst heben, wenn er >ür Schulen und Volkslehnr ein warmes Herz hat. — Wir haben gegenwärtig „fünf" p nsionirtc isr. Lehrer im Lande, davon stehen „zwei" in der 'Ilitte der Siebzig, einer ist ein Sechsziger und zwei stehen nock in den Fünfzigen. Unser württembergischer Unterstützunzs >erein für Lehrer und Vorsänger nimmt einen guten Fortgar g, einige Gemeinden znchnen sich durch ibre Beiträge für densilben aus. In Laup heim wurden am Purimieste 70 st. als ährliche Spenden gesteuert Dem Kassier des Vereins wird s in Amt von den Lehrernsehr erschwert und war Herr W e i nahe daran, dasselbe niederzulegen. Die Angehörigen deF Dchu Randes sollten sich kein Armuthszeugniß dadurch geben, baß sie nicht einmal die Institute, die zu rhrcm eignen Äohle begründet sind, zu fördern suchen. Ie- Angst müssen die Eltem darüber wachen, daß die Kinder Lehrer und Vorsänger söllte seinen jährlichen Beitrag unan» nur von ihnen zuerst darüber hören, und mit allem Ernste gefordert zur festgesetzten Fr st einsenden Die.jüngeren unstän. rft werden, daß ein züchtiger digen Herren Lehrer mögen doch auch ihren Tribut steuem und muß biej Ermahnung eingeschärft Mensch nie darüber spricht, so wenig wie über die natürlichen Bedürfnisse der Leibesentleemng. Dann mögen böse Buben sind lose Dirnen kommen^/ie finden kein Gehör. Die Kinder sind nicht mehr so^dumm. Sie haben Aufklärung erhalten von den guten Eltern, denen es allein geziemt, sdlche Aufklärung zu geben. Aber das ist gewiß vom Uetel, und erzeugt gar leicht keine Keuschheit, sondem Prüderie, wenn Mädchen, wie ich mehr Fälle der Art erlebt hat», in die Ehe treten, ohne zu wissen, wie die Kinder entstchen. Damm keine Geschichte vom Klapperstorche, wenigstens nur so lange, als die kindliche Phantasie in märchenhaften jLräumen lebt, und dem Kinde Märchen als Wirklichkeit gelten, und die Wirklichkeit im Spiele zu einem Märchen wird. So vorbereitet würden den Kindern auch die biblischen Geschichten, welche das Geschlechtliche in nackter Natürlichkeit verhandeln, keinen Giftstoff bieten. Wir aber wollen nicht, daß sie dm Kindern in der Schule zugänglich sind, oie gehören ja nicht zur Religion und ihrer Geschichte. Wir wollen nicht, daß den Kindern in der Schule die ganze Bibel zum Lesen geboten wird. Die ganze Bibel sollen sie nach unsem Grundsätzen nur in Händen haben unter Augen der Lehrer oder Eltern." (Schluß folgt.) Wochenbericht. Württemberg. Das k. Ministerium für Kirchen und Schuten entwickelt umsichtige Thätigkeit uizd sucht die intellektuelle und finanzielle Stellung der Lehrer zu heben. Dreijähriger Schule freguentiren. I Seminarkursus und zweijährige Präparandenzeit sind gesetzlich wieder angeordnet nnd bei den isr. Lehrern kommt nach dm An- ( nicht in einer erclusiven Stc llung verharren. — Der allgemeine Lebrer - Untcritüyunzsverein wolle uns Württcmberzer keines Separatismus zeihen, daß wir einen eigeren Unterstübungsverein gegründet haben; aber unser: Verhältnisse sind so geartet, daß es für uns geboten war, selbstständig einen Verein zu schaffen Aber deswegen w'rdm die : lebrer Württembergs sich nicht ab halten lassen, auch für den illgemeinen Unterstützungsverein zu wirken und ihn zu fördern, vas ihnen besonders durch Verbreitung des Bereinsbuchs „Ach rwa" möglich werden könnte. — AuS dem Elsaß, im März. Sie richtetm schon vor länger Zeit an mich die Aufsocderuag, Ihnen über die jüdischen Verhältnisse de- ElfatzeS einige Mittheilunaen zu machen. Wenn ich bisher zögerte, o war es nicht JndiffermtismuS, sondern lediglich der Mangel an Zeit, welcher mich zwang, solches auf beste-e Zeiten zu r erschieben. Aas dieser Ursache werde ich daher heute nur von de n reden. waS m r am nächsten siezt und waS Ihre geehrtm Leser am meisten interesstrm dürste, nämlich von Schule und Lehrest Wen» der Unterrichts im Allgemeinen in Frankreich noch sehr im Argen liegt, so findet haS besonderin dreifacher Beziehung auf die jüdische Schule seine Anwendung. Hier ossenbarcn sich dem unpartheiiichen scharfen Beobachter Tbatfachm, die man lieber verlchweigm würde, wenn eS nicht im Inte esse der Sache läge, nur Wahrheit zu berichten. Die jüdischen Schulm des Elsasses zerfallm in 2aKlass'n: 1. Communalschulen (ecole« commusles), wo die Lehrer durch die Regierung angestellt und sacar-rt sind, d. h. das jüdisch« Departements- Eonsistorium wählt in Uebereinstimmung mit dem Inspector '»es Departementden Lehrer, welcher dann definitiv ernannt wird./ Der Gehalt des Lehrerbesteht hier aus 600 Frs von der Regierung und aus einigm 100 Frs. von der Gemeinde, resp. vhn dm Familienvätern, deren Kinder die (Schluß sqlgt.1