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Der israelitische Lehrer · 1866-04-12 · 15 (12.4.1866) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
15 (12.4.1866)
Date
1866-04-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Rer Jtaetitiüriu' Iekrer. \Y i Zeitschrift für die gesammten Interessen des israelitischen Lehrerstandes und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- " Wittwen und -Waisen in Deutschland. J\§ 15. Mainz, den 12. April 1866. (Sechster Jahrgang.) Wöchentlich 1 Rümmer. Vierteljährlicher Abonnementspreis 27 kr. 1/4 Thlr. Bei frankireer Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12 kr. > Anzeigen zu I Cgr. die Petitzefle. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Bemerkenswerthe Worte. (Fortsetzung.) „Wie sehr trägt das Reisen dazu bei, 'die Menscheu zu bilden. Man lernt, daß eigentlich überall dieselben Menschen wohnen, und daß die Verschiedenheit nicht zum Wesentlichen gehört. In ähnlicher Weise, den Horizont der Kinder zu erweitern, die auS dem Gesichtskreis ihres Kirchthurms nie herauskommen, können von einem verständigen, pädagogisch geschulten Lehrer die »rrentalischen Erzählungen der Bibel gebraucht weiden. Damit ist nun nicht gesagt, daß die Kinder heimischer im Orient werden sollen als im eigenen Vaterlande. Ich kenne keine Schule, wo das so wäre. Wohl mag es früher so gewesen sein; es mögen Winkel in deut'chen Landen sein, wo es noch solche Schulen gibt. Ta muß dann der alte Sauerteig ausgekehrt werden. Wir haben von einem pädagogischen Gebrauche des biblischen Inhalts gesprochen. Kein Lehrer darf seinen Kindern statt des geistigen Brodes Steine bieten. Und was der Geist des Kindes noch nicht verdauen kann, was unverstanden und unverständlich im Geiste liegt, ist fürs Kind dem Steine gleich. Rur derjenige biblische Inhalt darf also dem Kinde jedesmal geboten werden, der sein eigen werden, in ihm lebendig werden kann, durch den es geistig wächst und gedeiht. Nicht braucht das Kind gleich den vollen . Inhalt zu fassen. Dieses ist auch sür den Erwachsenen oft nicht möglich. Aber so viel des Inhalts muß das Kind vom Dargebotenen fassen, daß es Brod wndffür's ewige Leben und nicht Stein bleibt." „Diese Grundsätze führen zur richtigen Auswahl und zur rechten Abstufung des Stoffes. Der biblische Unterricht soll Religion in den Kindern wecken. Religion ist aber thatsächliches Leben, wirkende Kraft, Gdttes Leben in uns, unsere Hingebung an Gott. Es gibt nun in der Bibel nicht dlos religiöse Erzählungen; es gibt auch viel zeitlich-geschichtliche. Ich meine diesen Unterschied so. Eine religiöse Erzählung' gibt eine Thatsoche. die nicht einmal geschehen ist, die immer wieder im Menschenherzen und Menschenleben geschehen soll; sie gibt eine ewige Geschichte." „So soll das Kind das Walten Gottes in seinem Herzen, seinem Leben und in der Welt tatsächlich fühlen lernen, d. i. es soll glauben lernen an den allmächtigen Gott, Schöpfer und Erhalter des Himmels und der Erde. Die Kehrseite dieses Glaubens ist unbedingte Gottergebenheit, und aus ihr folgt Geduld, Gelassenheit, Muth und Tapferkeit. Wo keine Gottergebenheit ist auch kein Glauben an Gott. So soll das Kind' als thatsächliches Leben,in seinem Herzen suhlen lernen das Walten desselben Gottes als des Heiligen und Gerechten, unseres Herrn und Richters. Dieses ist am leichtesten zu fassen, wir nennen es Gewissen. Gewissen ist der Glaube an den heiligen und gerechten Gott, uniern Herrn, Gebieter, Richter, der Glaube an die heilige und gerechte Weltordnung. Im Gewissen fühlen wir das ewige Gericht Gottes schon hienieden. Die Kehrseite dieses Glaubens ist die gewissenhafte Treue in den kleinen und großen Pflichten als Geboten Gottes, offenbar vor den Menschen und im Verborgenen. Wo diese gewissLnhaste Treue nicht ist, gibt es auch keinen Glauben an den „heiligen Geist" (V s. h. Allwissenden!)" lTer Versasser spricht hier weiter von der im Herzen lebendig werdenden „Liebe Jesu." Wir übergehen das. Wir brauchen nicht diese Spielerei mit unklaren Begriffen, um die Liebe, wie sie Gott eingesenkt hat ins Menschenherz, immer und immer wieder neugeboren zu sehen. Ter Glaube an Gott, den Ewigen und Einzigen, den Vater der Menschheit, das Vertrauen, die Liebe zu ihm, die Gottergebenheit erzeugen die Liebe im Menschenhcrzen zu ihm selbst'und LU seinen Kindern, uniern Brüdern und Schwestern. Große Menschen, die ihr Leben heiligem Berufe geweiht, für die Menschheit gelebt haben — wie Moses, El'ra, Hillel u. A. dienen als Beispiel, und so lernt das jüdische Kind erkennen aus der biblischen und nachbiblischen Geschichte, wie nicht die Mystik sondern die reine und'klare Erkenntniß den Menschen zum höchsten Ziele des Menschheitslebens, — der Liebe, Gottes- und Menschenliebe — führet.) „Collen die Kinder biblische Sprüche lernen, so sollen

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