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Der israelitische Lehrer · 1866-04-05 · 14 (5.4.1866) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
14 (5.4.1866)
Date
1866-04-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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V Der Jsraditfertit Jeiirer. Zeitschrift für die gefammten Interessen des israelitischen Lehrerstandes Organ für den Vcreitt JM 14. und zugleich zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittwcn und -Waisen in Deutschland. Mainz, den 5. April 181,6. - (Sechster Jahrgang.) Wöchentlich 1 Nummer. Vierteljährlicher Adonnementspreis 21 kr. — > Thlr. Bei trankireer Zu'endung unter jrreuzband jährlich 2 sl. 12 kr. Anreigen zu l Sgr. die Pctitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Bemerkenswerthe Worte. i __ Herr Dr. Gustav Schweitzer, Hofprediqer zu Cotha, tat in einem „Einige Gedanken über die Bedeutung der biblischen Geschichte im Religionsunterrichte" *) betitelten Aufsatze Mancherlei geäußert, was .auch für unsere Leser Interesse baten dürste. Wir sehen ab von einem Axiome, das, an die Spitze gestellt, etwas separatistisch und exclusiv lautet.. Wir begegnen solchen Ausdrücken eben überall, und sie können uns nicht nichr befremden. Es ist die Zeit der gerechten Würdigung auch des Judenthums der Gegenwart noch nicht gekommen. Gerade aber dieses Ariom's Willen ist uns das Nachfolgende theilweise bedeutungsvoller geworden.; ■ . Herr Dr. Schweitzer sagt nämlich: „Ich denke nun bei den folgenden Ausführungtn an alle Kinder, die wir unterrichten, also an alle Schulen. Wenn wir in diesin Blättern von Religionsunterricht lesen, so denkt keiner an einen andern als an den christlichen." Run, wir finden das gerechtfertigt; um so weniger dari auch uns die Berechtigung entzogen werden, auch unsererseits über jüi dischen Religionsunterricht zu sprechen und zu schreiben, i ohne der Exklusivität beschuldigt zu werden **). j Was Herr Schweitzer weiter über Glauben und Liebe sagt, ist, das gestehen wir, uns vollständig unklar geblieben, und wir erkennen daran, daß die christliche Lehre, baß der der heilige Geist" erst mit dem „Glauben" konimt, doch etwas Wahres haben muß. Ob aber' christlicher Glaube und Liebe wirklich so miteinander stehen und fallen — nun, das erlauben wir uns denil doch bescheiden in Zweifel zu ziehen, da Erempel beweisen, wie die Liebe in nicht christlich gläubigen jüdischen Gemüthern oft ebenso krästig wirkt, wie in den vom „rechten Glauben" beseelten. Doch, unser Zweck ist. nicht Polemik. Wir wollen weiter nichts, als die beachtenswerthen Lehren für die Schule aus den Wollendes Herrn Dr. Schweitzer entlehnen. „Ter Mensch soll übsr alles, über sein ganzes Leben denken, also auch über seine Religion, sein Glauben, Lieben, damit sich ihm nicht unvermerkt Aberglauben und falsche Liebe unterschiebe. Ter erste führt immer zur zweiten. Der Bauer der zum Scheiterhaufen des Ketzers Hieronymus von Prag, dem Freunde Hussens, noch sein Holz hinzutrug, > das er eben mühsam für sich aus dem Walde geholt hatte, hat auch Liebe, aber falsche; sie kam aus Aberglauben. Auch zu diesem vernünftigen Denken soll die Schule üben und je de .Schule, auch die Volksschule."! „Wenn wir nun die Weltgeschichte, d. i. die Entwicke- *) .Hamburger Sckiulbliatt", Rr. 31S, vom t. Dez. 1865. *•) Bfc ist eine gereckte Befriedigung für uns, daß man, obwohl unsere Bestrebungen schon in de» Zeitschriften verschiedenster Richtung besprochen wurden, doch noch nie uns «inen solchen Vorwurf machte. Im Eiegentbeill Tie .allgemeine deutsche Lehrerzcitung" und andere Blätter, di« über unsere Zeitschrift, Lehrcrversammlung, Unterfiützunzs- «erein u. dgl. sprachen, thatcn tue stets n if den Ausdrücken der höchsten Achtung und Anerkennung, während Echulblätter anderer Konfessionen, welchen ihren specistschen Elarvkter zur Schau tragen, sich fast nie vom Vorwürfe exklusiver und darum inhumaner Bestrebungen ganz frei halten können; sollte dies nicht im El arakter des Judenthums selbst begründet sein? Sr sagt der hochgeehrte Altmeister der deutschen Päda gvgik, Herr Tiesterweg, im ncuesten Heft« der .rheinischen Blätter" als Rachschrist zu eincr Reeensien unserer .Achawa" von Herrn >. H., indem wir einen berühmten jüd. Schulmann in Berlin «rker nen: „Ich muß gestehen, daß Herr A. H. in der Empfehlung der .Achawa" mir nicht genug tdut. Ich habe dieselbe mit großer Besriedigung gelesen; die Sachen sind fall ohne Ausnahme »ortresflich. Ti« Herren Lerfaster und Herausgeber sind nicht bloß wegen des edlen äußeren Zweckes, sondern -auch und ganz besonders wegen der Bildunzssörderunz, welche die Leser durch ibre Arbeit empfangen, freudig zu beglückwünschen. — Die Verfasser der in den beiden .Achawas" enthaltenen Abhandlungen erwerben sia zunächst um ibre Lollcgenx zugleich aber um die Lehrer überhaupt, eip namhaftes Verdienst, und sie sorgen durch den lsr. Verein, den sie gestiftet haben, und an dessen-Spitz« Herr Dr. Lecp. Stein von Frankfurt steht, in exemplarischer Weise für ihre Wittwen und Waisen." Roch einigen Bemerkungen über unsere Erfolg« und höchst sckmeickelhastin Worten für den Schreiber dieses, dem er .das Hauptverdienst dieskr edlen Bestrebungen" zuschreibt, schließt - er mit den Dorten: „die Lehrer der Provinzen, welche noch eines Pestalozzi-Vereins entbehren, mögen daraus euinehmen, was durch Eiter und Tbätigkeit geschafft werden kann." Lob und Anerkennung von diesem Manne sind j zu erbebend, als daß unsere Kollegen nicht die Freude würdigen tollten,! die sie uns «instößen, Angesichts der süßiauren Redensarten in jüdischen , Blättern, die z. B. die Sache selbst der die „Achawa" gewidmet ist,! mit keinem Worte erwähnen. Warum? — Red.

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