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Der israelitische Lehrer · 1866-03-29 · 13 (29.3.1866) · p. Seite 55

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
13 (29.3.1866)
Date
1866-03-29
Page
Seite 55 (sequence 5)
Language
German
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beim stattsinden wird, angenommen hat. Wir haben ferner die Herren Eahn in Sarstedt und Fleisckhacker gebeten, das prov. Landescomits zu ergänzen und so wird die Sache sicher die regste Förderung finden. Sulzburg (Baden) 12. März. Am gestrigen Tage wurde dahier ein Fest gefeiert, das auch in weitern Kreisen bekannt zu werden verdient. Es galt, der Anerkennung des 30jährigen, für den ganzen hiesigen Rabbinatsbezirk ersprießlichen Wirkens des Herrn Bezirksrabbiners Dreifuß Ausdruck zu geben. Zu diesem Zweck wurde, durck einstimmigen Beschluß sämmtlicker isr. Bezirksgemeinden im isr. Gasthause dahier ein Festessen veranstaltet, und Herr Bezirksrabbiner Dreifuß dazu eingeladen. Bei Tafel wurde Sr. Hochwürden ein werthvoll künstlich gearbeiteter, mit sinniger Inschrift versehener Pokal auf feierliche Weise überreicht, wobei Herr Borsteher Maier von Müllheim im Namen der Bezirks Gemeinden in geistreicher Rede die Gefühle der Dankbarkeit, Achtung und Liebe der Rabbinatsangehörigen gegen ihren geistlichen Hirten aussprach. Hierauf nahm Borsteher Block von hier das Wort, um den Gefeierten im Namen der hiesigen isr. Gemeinde zu beglückwünschen. — Herr Hauptlehrer- Schweizer dahier schilderte sodann die Verdienste des Jubilars vom Standpunkt der Humanität aus und endigte mit einem Hoch auf die Vertreter der Bezirksgcmeinden, als den nächsten Veranlassern dieser Feierlichkeit, wäbrend Herr Stiftsrabbiner Bamberger die rabbinisch - wissenschaftlichen Vorzüge hcrvorhebend, seinen Toaste dem G -feierten ausbrachte. In sichtlicher Rührung erhob sich nun Herr Bezirksrabbiner Dreifus und sprach mit schönen, bs zu Thränen stimmenden Worten in einer längeren Rede seinen Dank auS, worin er unter Anderem äußerte: „Ich glaube mich nicht zu täuschen, wenn ich in der mir heute gewidmeten Festlichkeit ihre Zustimmung zu der Art und Weise meiner bisherigen Amtsführung erkenne, und bitte jetzt,- da ich in ihrem Dienste nunmehr ergraut bin, umsomehr mir auck für die Zukunft in Erfüllung meiner Pflichten treu zur Seite zu stehen." Am Schlüsse dieser Rede brachte derselbe Sr. König!. Hoh. dem Groß> erzog, als einem alle seine LandeSkind er mit gleicher Liebe umfassenden Fürsten, e n dreifaches Hoch aus, in welcher alle Anwesenden donnernd eiustimmten. Dem Gefeierten wurden noch von Herrn Bezirksältester Maier von Müllheim, Vorsteher Harburgek von Kirchen, sowie von andern Festtheilnehmera Trinksprüche geweibt. — Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Armen nicht vergessen, indem ein erheblicher Betrag zu deren Unterstützung von der Tischgesellschaft gespendet wurde. Nachdem man sich so von Mittags bis Na-Hss 10 Uhr in der heitersten Stimmung unterhalten batte, wurde der Jubilar mit Fackelbeleuchtung im Zuge nach Hause begleitet, woselbst die ganze Gesellschaft mit Punsch bewirthet, in gesteigerter Fröhlichkeit noch bis Ptitternackt verweilte, und fick sodann mrt gegenseitieem herzlichem Händedruck trennre. __ , Alle waren und sind von dem Wunsche be^elt, daß es dem Herrn. Bezirksrabbiner noch viele Jahre vergönnt sein möge, in unserer Mitte fl ine segensreiche Wirksamkeit sortzusetzen, und noch recht lange seinem Familienkreise erhalten bleibe. — (Samen, 9. Febr. *) Ueber dir gestrige Feier deS!>2. Geburtstages deS (christlichen) Lehrers Borchardt in Süd» camen bringt die „Rh. Ztg." folgenden Bericht: Gegen 8 Uhr Nachmittags fuhr oaS Ecmite in einem mit Epheu und künstlichen Blumen begränzten Wagen von hier aus *) Wir entnehmen dem „Hellweger Boren" diesen unsere Leser gewiß ticfbewegcnden Artikel, wenn auch' etwas verspätet. — Red. nach Südcamen, um den Jubilar zu dem Feste adzuholen. Kaum hatte der Wagen vor der Hütte deS Alten Halt gemacht, als daS würdige Männchen im schwarzen Anzuge so rasch auf den Wagen zugeschritten kam und in denselben dtneinstieg, daß an eine Begrüßung in der Hütte selbst nickt zu denken war. Um dieselbe-zu charakkerisiren, wird ei genügen, wenn wir Ihne« sagen, daß die EingangSthür noch keine 2> s Fuß breit, die Fenster kaum Viz Quadrats ß groß sind. Und darin befindet sich die Schule! Zu dem Festlokale im Grevel'schen Saale zurückgekehrt, begann die Feier damit, daß ein Knabe dem Jubilar einen Blumenstrauß überbrachte mit den Worten: „Laß durch die Blumen es Dir lieblich sagen —L Den Kindern sind am näcksien sie verwandt — Wie warm die Herzen Dir entgegen schlagen Von Alt und Jung, die Deinen Werth erkannt! Dir, edler Ärcis, verklär die Abendsonne. Roch manchen Tag. mit ungetrübter Wonne." Sodann leitete Herr Kaufmann Ehr: Baute von hier das Fest mit einer kurzen Ansprache ein, worin er hervorhob, daß das Volk, indem es seine alten verdienstvollen Lehrer ehre, sich selbst ehre, daß das heutige Fest also eine doppelte Bedeutung habe. DaS Volk hahe zwar nickt die Macht, Pensionen zu vertheilen (?), sonst würde heute seine nächste That darin bestehen, den 92jährigen Jubilar von dem schwierigen Amte eineS Lehrers zu entheben und ihm ein sorgenfreies Dasein zu schaffen. Dje Macht aber habe das Volk, wohlzuthun und zu erfreuen. Der Jubilar möge den guten Willen, der seine Freunde.beseelt habe, wohlwohlend aufnehmen und sich von nun an deS bequemen Sessels,'der einen Theil seines Ehrengeschenks ausmache, bedienen, um seine müden Glieder darauf auSzuruhen; die Scherflein aber, welche noch in baarer Münze übrig wären, möge er dazu verwenden, sich den Lebensabend so viel wie thunlich zu erheitern. Daran? stimmte der hiesige Gesangverein „Sängerbund" ein Lied an, welches den Alten sichtlich erfreute. Die eigentliche Festrede wurde von Hrn. Alsbach, Lehrer der hiesigen israelitischen Gemeinde gehalten. Sie wies zunächst hin auf die Wichtigkeit dieser Feier, die uns ein fast volle- Jahrhundert lebend vor Augen stelle; daß aber selbst ein Jahrhundert nur ein Traum sei, woraus die Verpflichtung zur unausgesetzten Erstrebunq alles Guten, Schönen und Edlen ohne Rücksicht auf Rang, Glauben :c. erwachse. Unter Anderm hieß eS hier: „Fraget ihn, den "Uten, er wird es.Euch sagen, fraget ihn: wo sind die Alle geblieben, die mit Dir den süßen Traum dxS KmderlebcnS durchträumten, ist Keiner mehr von allen denen vorhanden, die beute in Dir die lieblichen Erinnerungen an jene unschuldsoclle Z'it Hervorrufen könnten? „„Im Grabe"", so wird er Euch antworten, „„ruhen sie Alle, Keiner mehr ist von Allen denen vorhanden, die vor etwa hundert Jahren spielend und scherzend in daS später so ernste Leben eingeführt wurden."" Wo sind die Jünglinge, die Männer, die mit Dir erwachsen, mit denen Du die schönsten HoffnungSpläne entwarfest,-mit denen Du im jugendlichen Rtuth die Zukunft ausmaltest in den herrlichsten Farben? '„„Im Grabe ruben sie, im Grabe .ruhen ibre Hoffnungen, ihre Entwürfe?"" Wo ist das Weib Deiner Jugend, die Gefäbrtin Deines LebeuS r - „..Im Grabe ruht auch-sie, Alle, Alle sind dabin gegangen, ich allein bin übrig geblieben. Eine neue Welt ist um mich her entstanden, eine Welt der wunderbarsten Erscheinungen und Verwandlungen : da -sehe ich, wie man überall die Erde in eiserne Klammern legt, .da höre ich, wie man sogar dicht an meiner Wohnung vorüber mit feurigen Wagen, mit feurigen Roffen gen alle Himmelsgegenden dahin fährt; (der Alte ist nie dazu zu bewegen gewesen, mit der Eisenbahn zu fahren,) da höre ich, wie

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