Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 12 (22.3.1866)
- Date
- 1866-03-22
- Page
- Seite 50 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Ten m' 9«evembcrk. J/stattgrsundenen Eonierenzcn K aren folgende Frage vorgelegt werden: - „In welcher' Weise ist das. Interesse der Hausväter und Hausmütter für die Schule, welche ihre Kinder besuchen, zu werken und zu beleben?*f Bon drr Er'atrnng ausgehend, daß in den sogenannten niederen Bolksklassen die Bildung,, welche von der Schule ausgrbt, keineswegs allgemein anerkannt und geschäht werde, haben die Konferenzen in Bezug auf dieseFrage folgende Dorsch läge e, örtert: 1) „Benutzung jeder Gelegenbeit, welche sich dem Lehrer darbictet. um mit den Eltern seiner Schüler und Schülerinnen in einen näheren persönlichen Verkehr zu treten." Daß ein solcher persönlicher Verkehr geeignet fei, unter dem betreffenden Publikum die Achtung vor dem Lehrer und der Schule zu befördern, einen regelmäßigen Schulbesuch berbeizuführen, und über die von-der Schule zur geistigen und sittlichen Hebung der Sckrl fugend angewendeten Mittel aufzuklären, ist bei E'wägung dieses Vorschlages nicht in Abrede gestellt, dem Lehrer aber, außer der grössten Gewissenbaftigkeit in der Verwaltung seines Lehramtes, Takt und Vorsicht dringend empfohlen worden. 2) „Besprechung der wichtigsten.Angelegenheiten der Eckule und Erznhur g in populärster Form, entweder in fliegenden Blättern oder in Zeitungen, welche den betreffenden Kreisen zugänglich sind." Bei aller Anerkennung der Nützlichkeit dieses Mittels hat . jedoch die Schwi.rigk.it, für die zu besprechenden Angelegend eiten den rechten Ton, die verständliche Sprache, dageeignete __ Blatt und die passende Form der B.rbre.lung zu finde», nicht unbecckk t bleiben könne». (Zu scrrpulcS, dächte ich, für Schulmänner der preußischen Rlsid.nz!) \ 3) „Verarstaltvnx öffentlicher Prüfungen der Schulkinder,;»-welchen den E'tern der Zutritt gestattet ist, in den hierzu geeigneten Räumlichkeiten. — SDcin einerseits unter Hir Weisung enk die mit großen Sä len ausgcstattctcn neuen Gcmerrdcsckull äuser die Zweckmäßigkeit solcher öff.rtiichcn P>Lfungcn7 wie sie ja bereits in den höheren Lehrarstalten urd einzelnen Privatsckrlen stattfinden insofern nickt verkannt wird, daß sich hierdurch den Eltern Gelegenheit darbiet-t, sich von dem Standpunkte drr Kenntnisse ihrer Kinder :u überz, ugeir und die Lehrer derselben persönlich kernen zu lernen, 'o ict man andcrcrsertS lies Mittel, rorausgesetzt, daß cs w'rklick von dem Eltern bevutzt werde, zwar alS ein cffektre'ches, aber t:ck im Wesentl.chen als ein erfolgloses h?) und wegen, der Nahrung der Eitelkeit bei Eltern r nd Kindern a.ü in richt urbedertliches bezeichnet. (Eellte indessen der Bort!ei! nickt gleimwohl den Nachlherl hierbei bedeutend überwiegend) 4) „Aushe! ung'der kish.r in den G.meindesckulen stattgei'undenin rn-rt, elilichcn Gewäbrrng sämntlicher UnterrichtS- «tte! ledig! ch für d,n Gebrauch rn der Schule, urd Beschränkung der Gewährung des freien Unt.rrickts auf die ärmst«n Kinder * SämmtlicheEons lenzen habe» sich inlolgenderAnsicktr «reinigt: Des Int»reffe der Eltern sür die Schule wird sich wesentlich Heber, wenn sie. zur Beschaffung der Unterrichtsmittel für ihre Kinder urd zur Zahlung ton Beiträgen zur Unterhaltung der Schule verpflickt.k, urd hierbei nur die ärmsten Glieder der Gcmeind« unterstützt werden. In den betreffenden Kreisen pflegt man nur das zu schätzen, was »an bezahlen muß. (Sehr wahr! ist aber auch in höheren Regionen gar sehr der Fall.) Die Achtung ror der Schule steigt nicht, wenn der fitllich veredelnde Einfluß der häuslichem Schularbeit dadurch verloren gehen »ruß, daß man den Kindern zwar unentgeltlich, aber nur für den Gebrauch in der Schule fämmtliche Unterrichltmitlel gewährt. — Die Geringschätzung der Schule wird in dem Maaße sich vermindern, in wechem sie.den Charakter der Freischule verliert." 5) „Bildung kleiner Schulgemeinden durch die ganze Stadt, deren jede ihre Schule für die ihr zurehörigen schulpflichtigen Kinder hat, sowie Bildung eines Vorst nd«S für jede Schule, die zum größten Theile aus HauSvätern besieht." Dieser Vorschlag ist allseitig mit der freudigsten Zustimmung begrüßt wo den. Mai bat denselb n überall als das we. serte chste und durchgreifendst Mittel erkannt, daS Interesse der Hausväter und Hauemüttc^ eineS Bezirks sür die rn demselben liegende Schule zu Wecken rnd zu beleoeu. Man-hat hierbei die zuversichtliche Heffnung ousge'proch.n, daß die Ausführung dieser Maßregel den Einfluß d»r Schule auf Bildung, Zucht und Sitte in der fruchtbarsten Weise fördern werde. Dr. Ab. Stern. — Ueber den Hostomitzer Iudencrawall werten der „9t. fr Pr." aus Prag. 2ü. Febk., folgende Details mite.etbe lt: Die u»mittel:are Ursache zu-den Ausschreitungen des Proletariats soll darin gelegen sein, daß Herr B. mit einem Nägelwaaren adliefernden und Abrechnung pflegenden Schmiede egen e«ues k etrcgcs von zehn (!) Kreuzer in Streit gerieth. Es läßt sich jedoch wohl kaum annehmcn, daß eine-ko geringfügigen Umstandes wegen ein derartiges Vorgehen der A beiler ersölf-t wäre, sondern die Ansicht ist stark verbreitet, daß die Vorfälle schon vorher verabredet waren, und daß der Streit les Schmiedes mit Herr B. nur den willkommenen Anlaß zum Treinscklagen gab. D>r Pöbelhauf.n kannte in seiner Wukh gar k«ine Gränzen. L ie Häuser der H.rrcn B. rnd L. wurden ausserdem, daß man sie im Inrein ausgcp'.ündert, so demrkirt, daß bloß die nackt.n Mauer:, dast.hn: die «arz-n Eisenurd lllagelvvrräthe beider Kaufl.ute wurden gestohlen; damit nickt zufriebe», machten die Crcedent.n im Wohn immer dis Herrn B. auf den Dielen ein Feuer er urd vcrlrannten die Popi-rsetzen. Die Leute speculirtcn dabei nicht ütel, d.nn außer den Schulden der Käufer waren auch die den Schmieden gegebenen Vorschüsse in di.sen Büchern vcrze chnet. Als Herr B. sick dem Volksheuien zeigte, zückten einige rcle Burschen ibre M«sser gegen ihn und er mißte cll sein Vermögen der Plünderung preisgeben, und trachten, sick und seine Familie durch die schleuriosie Flucht iwch Prag das Leben zu retten. Von d.n entern Jsraelrtrn des Ortes blieb leirer verschont; einer armen Wiktwe, die ihr und ihrer K ndcr Leben kümmerlich stistet, wurde alle ihrer Habe evtwlndet; dasselbe soll auch einem armen G-sckäsismann und Deter von z«bn Kindern wiederfvhren sein. Das dauerte b s tief in die Nacht hinein. Mit dcm größten Lobe muß >aS Benehmen dcS e'lcnds herbeigeeiltcn Pfarrerton Lezdinditz, wohin Hrstcmitz e ngepfarrt ist, Erwähnung gell an werden; der würdige Geistliche suchte die erregten Gcmüthcr zu beschwichtigen und ton rhrcm frevelhaften Beginnen abzubringen, jedoch vergebens; bernahe wäre ihm selbst ein Leid zugefügt worden. In derselben Weise gaben sick such mehrere Hostomitzer Bürger vergebliche Mühe, den ArSsckreilungkn ern Ende zu machen, namentlich die Herren Bator, Kraso und Andere. Da fick am anderen Tage die Seiner« wiederholen zu wollen schienen, so wurde telegrophisckummistlärische Assistenz engejucht, wcrcusinderNacht 200 Soldalen vom Jnfont«rieregim.en» Martini ar,kamen. Deß die Gegend eine rein czechische ist, wird chohl bekannt sein. »Wo Dir verrinSlistc» wegen Mangel au Raum, in der nächste» Arnumer. Verantwortlicher Redocteur: I. Klingenstein in Ldernheim in Rheinhesien; Selbstverlag,der Redaction. Für den Buchhandel: in Commission bei Lrkar deiner in Leipzig. - T empf-Cchnellprefsendruck ron I. Go.ttLieben '» Mainz.