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Der israelitische Lehrer · 1866-02-08 · 6 (8.2.1866) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
6 (1866)
Issue
6 (8.2.1866)
Date
1866-02-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Der «1‘iraoütisdu' Zeitschrift für die gesammlen Interessen des israelitischen und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger Wittrven und -Waisen in Deutschland. J\§ 6« ' Mainz, den 8. Februar 1866. (Lsodslvr Wöchentlich 1 Nummer. Bierteljäbrlicher Abonnenicntspreis 27 kr. --- Y4 Thlr. Bei frankirccr Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12 kr. Anzeigen zu 1 Egr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen a»> 1 Unter ft ü tz n n g s v e r e i n. Wir erinnern die verehrlichen Bezirkscomitös, Agenten und Dirtglieder hiermit,^daß im Lause des Monats Februar die Mitgliederbeiträge für das laufende Jahr zu erheben find. Der Geschäftsführer: J. Klingensteiit. ♦ Lehrerstandes israelitischer Lehrer, Lehrer- ENedanken über Erziehung und Unterricht der Mädchen. (Schluß.) Der Unterrichtsstoff, den chir hier für die Mädchen als nothwendig bezeichneten, ist. — mit Ausnahnie der weiblichen Handarbeiten — wesentlich derselbe, wie in den Knabenschulen. Man Ist daher allgemein der Ansicht, daß eine Trennung der Geschlechter in des: Volksschule nicht nöthig, und daß diese Trennung, wo sie> auf Kosten der Klassencintheilung geschehen müßte, oder wo andere Jntereffen der Schulen dabei im Nachtheil wären, sogar zu verwerfen ist. T»e psychische Differenz der Geschlechter tritt erst nach der eigentlichen Schulzeit deutlich hervor, und die Pflicht des Lehrers, zu individualisiren, wird ihm eine Berücksichtigung dieser Differenzen, soweit sie von Nöthen ist, auch beim gemeinsamen Unterrichte möglich machen. In den meisten jüdischen Gemeinden wird an und für sich von einer Trennung der Schule nach Geschlechtern nicht die Rede sein können. Und das ist gut so. Denn die Schule soll ein Bild der Fämilie und des Lebens sein, und für die Familie und das Leben erziehen helfen. Die Kinder sollen harmlos nebeneinanüer sitzen, durch einander die Einseitigkeiten ihres seelischen Charakters ausgleichm, das allgemein Menschliche in sich herausbilden. Es kann nur vortherlhaft sein, wenn Knaben und ,Mädchen in der Schule beisammen sitzen. Wir haben schon im Anfänge darauf hingedeutet, wie viele Mädchen schon gleich in dm ersten Jahren des Schullebens der Volksschule entzogm werden, um in fogmannten höheren Töchterschulen — Privatanstaltey — einer besonderen Bildung theilhaftig zu werden. Wollen wir nun auch absehen, von der angedeuteten-Anschauung namhafter Pädagogen*) nach welchen das^Berwmmcnsein der Geschlechter m der Schule für die S’vttTiiSyi und Charakterbildung durchaus wünschenswerth ist<1o dürfen wir doch die ernst« Frage hier nicht unberührt lassen: Entsprechen diese Anstalten, wie sie gewöhnlich sind, — rühmliche Ausnahme gibt ' "es natürlich — den Anforderungen, die wir an eine Schul« der Gegenwart zu stellen berechtigt sind? Das Bedürfniß höherer weiblicher Bildung für gewisse Stände soll und kann nicht abgeleugnet werden. Aber diese höhere Bildung muß eine gediegene sein, wenn . sie heilsam sein soll. Die Bildung des weiblichen Geschlechts i der sogenannten höheren Stände soll bedeutend gesteigert I werden, aber »nicht sowohl in Betreff des Umfangs oder j der Ausdehnung, als in Ansehung der intensivm Kraft. 1 Ist es dem Knaben schon schädlich, etwas halb zu lernen, j so verdoppelt oder verdreifacht oder verzehnfacht sich dieser! Nachtheil bei den Mädchen; denn diese füllen die Lückm I nicht aus, sondern verflachen total oder vergessen Alles. I Alles, was ein Mädchen lernt, niuß besonders tüchtig ge-! lernt werden. Schon darum muß man den Umfang be- I schränken. Ich bin übrigens keineswegs der Meinung, daß! unsere Töchter zu viel wissen^ sie wissen oft nur Vielerlei i oder haben von Allem gehört, wissen viel zu wenig 1 gründlich und tüchtig. jEine traurige Oberflächlichkeit! verseichtet die meisten, und ich bin geneigt, aus dieser Quelle viel des Unheils abzuleiten, das sich über die Ehen und die Kinderziehung ergießt." *) Harnisch: Ich bin der Meinung, daß gerade durch das Zusammensein von Knaben und Mädchen ein Grund zur Sittlichkeit gelegt wird, daß die Einbildungskraft der Knaben und die Sehnsucht der Mädel en durch die Wirklichkeit sich mäßigt, daß die Schamhaftigkeit bei gehöriger Schulaufsicht weit eher «halten wird, als wenn beide Theile getrennt sind. j

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