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Der israelitische Lehrer · 1865-12-14 · 50 (14.12.1865) · p. Seite 209

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
50 (14.12.1865)
Date
1865-12-14
Page
Seite 209 (sequence 3)
Language
German
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— ‘109 — unseren nichtjüdischen Zeitgenoffen gegenüber entsprechen, dann muß unser Gottesdienst eine andere Gestatt annehmen; Er muß resormirt »erde»! (Fortsetzung folgt.) J J. Wochenbericht. Friedberg, im Juli. (Luch ein Gotteskasten.) (Schluß ) In ganz nahe Verbindung kann diese einfache Begebenheit mit den jetzigen Verhältnissen der isr. Schule und ihrer Lehrer gebracht werden. Denn haben nicht in Israel Lempel und Schule gleiche» Zweck? War der Tempel nicht auch Lehrhaus? Bon ihm gcnz ja die Lehre au», in ihm ward das Wort des Herrn gelehrt! Und gebraucht nicht auch das ' Volk jetzt noch statt der Ausdrücke „Synagoge" oder „Gottes haus" die Bezeichnung „Schule?" Soll also „das Judenthum vor äußerem und innerem Zerfall bewahrt werden." wie es in dem Aufruf zur Gründung des Unterstützungs-Vereins heißt, so, muß für die Schule in der jetzigen Zeit Das geschehen, was' zur Zeit des Königs Joas iür den Tempel geschehen ist: die ‘ /gesichert werde, und Schule muß innerlich und äußerlich g:krästigt werden. Die nn die Mild innere Kräftigung, als Festsetzung der Lehrfächer, Disciplin und, je nach Bedürfniß, Abhängigkeit oder Unabhängigkeit von einer Kirchenbehördc (Konsistorium), hängt nicht von dem Lehrerstande allein stb, sondern eS sollte dies Obliegenheit unserer Gemeinden mct Zuziehung der Geistlichen sein, ohne daß indessen die Lehrer! von der Betdeiligung hieran ausgeschlossen blieben. Der inneren Kräftigung der Schule sollen also diese Zeilen nicht gewdmet sein. Aber auch die äußere Kräftigung derselben, „em der schwersten Sorge enthobener und deßhalb sich seinem erhabenen.. Berufe mit Begeisterung und Liebe hingebender Lehrcrstand," wie cs in dem erwähnten Aufrufe heißt, sollte nicht von diesem Stande allein abhängen. Diese Pflicht müßte der Staat, eventuell die Gemeinden übernehmen. Sie müßten daüir besorgt sein, daß der Lehrer froh in die Zukunft b.icken kann, daß er nicht zu schaudern braucht „vor den Tagen; wo Alter oder Krankheit ihn zur Erfüllung seines Bernjes untüchtig machen." daß ihm die Sorgen um das Schicksal seiner Wittwe und Waisen nicht Niederdrücken. Und dennoch - ist der Lehrer bis jetzt wenigstens noch, mit diesen Sorgen belastet. Glicht genug, daß man ihm das nöthige „Stroh"*) nicht liefert, um ihm dadurch seine Arbeit iördern zu Helsen, man verlangt auch noch eine übermäßige Anzahl „Ziegel" von ihm! Und dennoch ist es noch keinem der Vielen, welche die Lage der Lebrer und die Anforderungen, die man an sie stellt, kennen» und vermöge ihres Amtes Schritte zur Abhilfe tlmn könnten, eingefallen. auszurüjcn: n;n njp nnjnn no1?! — Die Schule blieb, wie einst der Tempel, auch in ihrem Aeußeren ihrem Schicksale überlassen. — das Gestein ihrer Mauern zerbröckelte sich nach und nach, und ein Wunder ist's, daß ihre Pfeiler noch nicht' gänzlich einzestürzt sind. Aber thatkräftige Männer aus diesem von Sorgen niedergedrückten , aber im Amte doch nicht niedcrgebeuzten Stande schwenkten muthig die Fahne der gerechten Sache und schritten vorwärts Mit dem AuSrufe: Aide-toi, et Diou t'aidera! Sie gründeten einen Verein, wodurch das Loos der seither Verlassenen um ein Merklicheerleichtert werden wird, und die Betheiligung an diesem Verein durch fast ganz Deutschland, ja von seiten wichtiger Persönlichkeiten in Frankreich, beweist uns, wie nöthiz die Gründung eines solchen gewesen ist, und was wir von demselben zu erwarten habm. Mit Jesajah möchte ich daher ausrufen: mp’ rus px p'sa 10' ’wn M \nx isx na p> tÖ 1'2X2,1 1212 1212 Die Mittel zur Bildling der Vereinskasse bestehen nacch Art. 3 der Statuten: ») aus den Beiträgen von Mitgliedern, b) aus dem Reinertrag literarischer Unternehmungen, c) aus freiwilligen Spenden re. re. zu Gunsten des eisern« Fonds. In Betreff dieses dritten Punktes möchte'ich meine geehrte« Herren Eollegen und AUc,i die sich für diese- Unternehmen interessire«, aus eine weitere ergiebige Quelle rum. Bortheile des Vereins aufmerksam machen: „Jeder Lehrer oder Freund des Vereins mag sich eine Büchse verschaffen und bei Familienfesten, als: Beschneidunzen, Berlo» dünge«, Hochzeiten rc. zum Besten der Vereins rolle et i rem" Am Schlüsse eines Jahres mag a.sdarn das Geld dem Präsidenten des jedesmaligen Bezirks zur Einsendung ach den Geschäfts'ührer des Verenis übergeben werden. In Gebenden aoer, wo sich zur Zeit noch keine Äe.zirks-Eomite's geotldet | haben, kann das eingesammclte Geld auch von dem Einzelne« oder zur Ersparung von Porto von-Mehreren Zugleich an de« Geschäftsführer einzesandl werden. Ich wage zu behaupten, daß auf diese W:ise der Verernskasse jäh<:ch ein bedeutenden Zufluß ich.halte cs despalv schon der Mühe werth; einmal an die Mildthätigkeit zu appelliren.' Sind doch, ähnliche Sammlungen auch schon zu audereit Unternehmungen. zu Unternehmungen ganzer Völker und Staaten, veranstältet worden, warum sollten also wir uns einer'solchen'Sammlung schämen? Drum frisch bei einem Sptngler die Büchse*)' bestellt,, und zum Zeich :t der Einheit des Deutschen isr. Lehrecstandes' inag aus derselben als Inschrift prangen — der Titel dieses Aufsätze-: „Auck, eit. Gotteskasten!" Morgenstern. — Mayerbcer's Andenken wurde i» Berlin Sonntag de» li). des vor. Monate in würdiger und sinniger Weise gefeiert, nachdem am- '»«-ende vorher der Schwanengejang des Meister» — die Ast an er in — mit glänzendem •'T’oUie zum ersten M»le gegeoen wurde. Tas Gedicht bei der ErinnerungSseier war von Julius Rodenberg (Julius Levi auo Rodenbcrg.) L emderg, JJ. Rov. "(F.J.) So viel auch.)»,' und wider die Wablvorgänge vorgebracht wurde, die Juden haben entschieden O ja, zuweilen, ln den St i p f e n 1 — Red. gezeigt, baß sie denn doch die politische :h-:i-e und das Verständniß besitzen, welches ihnen vom Kca cn Goluchowski abgesprochcn wurde. Jehk haben sich die Jud.n zurückgezogen und harren der Dinge, die nun kenn: en werden Auch d-e Bewohner der Provinzstädte und des flachen Landes warte» ans den .">. Dec. An diesem Taze, als am orfte» Adventsonntag, soll nämlich, . wie gewöhnlich, das iamose Przemyler Hirten schreiben verlesen werden, welcheden Christen verbleiet. in jüdischen Häusern Arbeit und Unterkommen zu suchon. Tie christlichen Dienstboten, die in jüdishen Häuscnt dienen, werden zu keiner kirchlichen und religiösen Function zuzelassen, und io gibt es heute im östlichen Gnlizi-i, tausend katholischer Arbeiter und Arbeiterinnen, die ieit >ünf Jahren , seit dem Erlasse deerwähnten Schreibens, weder -gebeichtet. geschweige communicirc, ober überhaupt auch nur eine Kirche besucht haben. Daß in solcher Weise^ der religiöse Sinn des Volkes nickt gehoben wird, ist selbstverständlich. Man hat cs versucht, an einzelnen Orten die Dienstleute mit Gewalt von ibren Arbeitgeber» zu entfernen; sie kehrten aber immer dahin zurück, schon aus dem Grunde, weit sie keine andere Unterkunft fanden und nicht verhungern wollte«. Wir müffen bemerken, daß die Geistlichkeit in der Ausführung ihrer strengen Maßregeln auch nicht an Einem Otte von den Behörden unterstützt wird. Es ist aber leicht begreiflich, daß durch solche Sccnen die Llberalität des Volke- •) Mit <S«nehmigu»z der Behörde! — Rcd.

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