Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 50 (14.12.1865)
- Date
- 1865-12-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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srafliti'iriu' Iekrer. ZeitsLrift für die gefamtnir.i Interessen des israelitischen Lehrers^andeS und zugleich Organs für den Verein zur Unterstützung /hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- ' Wittwen und -Waisen in Deutschland. N°. so Mainz, den 14. December 18Üö. (rüvtter Wöchentlich 1 Rümmer. N.-rieljLhrllche, AboiwrmrntSprtio 27 kr. ---/t/4 Thlr. Bei frankirter Zusendiin! ' Anzeigen zu 1 Egr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Bul >! g unter Kreuzband jäbrlich 2 st. t2 kr. Handlungen an. Die Reform de« Synagogen-Gottesdienstes auf dem Lande. i Ein Conferenz-Referat I von E. R... in .m. | . (Fortsetzung.) G.fmii»n wir als ein Erfordernis, daß dvS Gebet nur Wahrheit entbaliin darf, so müssen wir auch eingestchen, «atz fir /großer Tbeck unserer jetzigen Geb'te keine Wahrheit, o'e^r krch nicht die veile Wahrheit enthält! Dazu reibne ich vor Allem Diejenigen, die über millelalterlichrn T'uck und Veisolgung kl-aen, und um Vergeltung des vergossenen B'";s ans das Haupt der Verfolger u. s. w. zu Gott rnsi!» Wes würde man wohl von einem Kinde sazen, das sortwährend, tag iglich, vor den Vater tritt, mit bittren Klage' wegn:riäer, einst vor vielen Tagen von einem feiner Gesche ster erlittenen Unbill, wenn die Versöhnung sbon lönß:: stettgesunden, oder, wenn der' Btleidiger etwa gar n.cht mer lebt? — In gleichem Verhältnisse stehen wir in vn'erem Gebete zu Gott unserem Vater, cn ,CJ2: ck ctc,-?. Wer wüeoe etwa heute noch die Berechtiäung eines " tzeS in unserem Gebete anerkennen, welcher hißt: I rm.’n r«ccd uisptcn , D”jn u'1122 m -o'2n I „Allmächtiger! Schaue die Lbnahmr unserer Ehre r nter den Völkern, und unsere Verabscheuung wie die Unreiiheit einer Abgesonderten?" Der, sage ich, wollte für die Wahrheit dieses Satzes in die Schranken treten, zu einer Zeit, wo man die, dem Volke Israel innewohnenden moral scheu wie bürgerlichen Tugenden täglich mehr anerkennt und ihnen Gerechtigkeit wiederfahrcn läßt? Wie kann . von einer Abnahme unserer Ehrqdie Rede sein, da die Aufgeklärten und Besseren aller Emissionen unsere Ebenbürtigkeit anerkennen und dafür mit den besten geistigen Waffen streiten? An einer anderen Stelle in demselben Gebete heiß! eS: ' : nvirGi -lutoi ,f>M' reo1? »arn Wir find den Schafen gleich geachtet^ die man zur Schlachtbank führt; dem Erschlagen, der Vernichtung, den Wunden und der Schande preisgegeben! Westen Monnesehre wurde sich nicht dagegen empören, diesen Satz in seiner Muttersprache auszuspr« chen. jetzt, in einer Zeit, wo der wahre Mann, der ächte Jude, jede Beleidigung, die ihm als Juden widerfahren soll, mit Stolz/ und Verachtung, mit Energie und Mannesmuth von sich abweist, wo ihm dabei das gute Recht! und das Urtheil der Welt zur Seite stehen? J Tollte etwa der umstand, datz hie und da in einem Winkelchen der Erde noch em bischen kupe"-> auftaucht, daS;cdoch Gottlob bald wieder unterdrückt wird, dazu berechtigen? Mit Richten! denn da müßten die Christen ähnliche Gebetstücke haben, da auch sie schon Verfolgungen, wenn auch nicht in gleichen! Grade erlitten, und an manchen Orten der Well vielle cht noch erleiden. Oder sollte etwa die päbstliche Encpclica mit ihrem Reste mittelalterlicher Vorurtheile dazu berechtigen? Gewitz nicht! Sie bleibt wirkingslos; das beste Urtheil, das Urtheil der Welt ha sie gerichtet. Solche Gebetstüc e waren leider, wir gestehen das zu, in jenen traurigen Ziten, die (Gottlob) lange hinter uns liegen, an ihrem Platze; heute enthalten sie Unwahrheit und schaden ungemein der Würde unseres Gottesdienstes. Ebenso ist die ii; unseren Gebeten so oft wiederholte Cchnsuck t nach Palästi >ra, nach Wiederherstellung des Tempels und des Opsercultus nach Sammlung unserer Zerstreuten, Erhaltung der Hohe »schulen in Babel, der Richter im Thore ic. re. theils ganz unwahr, (da die letztgenannten Institute ja gar nic,t mehr bestehen —) theils nur bei Einzelnen der Ausblick des Gefühles, für die Maste aber» sür den größten Thei. der Beter unwahr, bedeutungslos aeworden. Wir betrachten uns als Bürger unseres Staate-, wollen nichts Anderes sein, haben die Verpflichtung für unser gegenwärtiges Vaterland, das uns als seine Kinder anerkennt, wenn es sein muß, unser Leben zu opfern. Unser Hekz kann deshalb nicht mit solch glühender Sehnsucht an dem Lande hängen, das wir nur der Geschichte nach kennen. ~ ' t