Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 43 (26.10.1865)
- Date
- 1865-10-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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1 Her IsraelMsclie Lrlirrr. Zeitschrift für die gesammten Interessen des israelitischen Lehrerstandcs und }u<j(ftd> 1 Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittrven und -Waisen in Deutschland. Mainz, den 36. Oktober 1865. (Fünfter Jahrgang.) Döidkntlich 1 Nummer. - Lierteljäkrlicher Absnnement^preis 27 kr. — 1/4 Tblr. Bei fianiirtrr Zusendung unter Kreuzband jäl-rliib 2 fl. <2 k.'. Sn-etgen zu 1 Egr. die Prtitzeüe. Bkfl,vungen nebmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Eine pädagogische Reise von Lehrer Weil aus Freudenthal in Württemberg*). Nachdem wir uns über die Erhebungen, die wir aus unsrer Reise machten, früher hier ausgesprochen haben, wird die wichtigste Frage hiernach sein: IV. Welche Anwendung von diesen Erhebungen, unter gleichzeitiger Benützung der seitherigen ein heimischen Erfahrungen gemacht werden könne? Wir erlauben uns, dieses nach den einzelnen Lehrfächern in Folgendem anzudeuten und 1) mit dem Unterrichte im Hebräischen zu beginnen, da diese Tisciplin cs eigentlich ist, welche den isr. Elementarschulen die meisten Schwierigkeiten bereitet, die um io größer werden, je mehr die Ansichten über diesen Unterrichtszwe'g noch auseinandergehen und je mächtiger sein Einfluß aus den ganzen Schulzweck wird. Um so mehr wird es daraus ankommen, diesen beson deren Unterricht nach Weien und Zweck ins rechte Verhältniß zu setzen und seine fruchtbare Turchsührung, so weit es nur die Umstände gestatten, zu ermöglichen. Wenn wir dabei zuerst nach der pädagogischen Seite des Gegenstandes sehe», so tritt uns vor altem der Unterschied zwischen einer abend- und morgenländischen Sprache in der Volksschule um so stärker entgegen, als bei der Verschiedenheit an Charakter und Bau eine Verbiiüiung beider Sprachen wohl möglich, keinesfalls aber dem neueren Standpunkte des deutschen Sprachunterrichts in unseren Volksschulen entsprechen würde. Auch der bildende Zweck der Sprache, wie er sonst bei den alten classischen Sprachen vorliegt, darf im vorliegenden Falle nicht erwartet werden. Ganz anders müßte sich aber der Zeitaufwand für •) Lieb« Rr. 27. 28, 29 und 30 d. Z. den Unterricht in der hebräischen Sprache gestalten, wenn dieser sich als Hauptmittel für die religiöse Bildung erweisen sollte; denn das religiöse Element liegt der Völksschule nicht >. bloß principicll zu Grunde, sondern steht hier sogar stofflich ' oben an. All-in es ist nickt zu leugnen, daß durch die; bloße Beibringung einer größeren Masse hebräischen Stoffs allein die religiös-moralische Bildung weder erzielt noch er- * '■ halten wird. Wie übel müßte es sonst mit der religiösen Bildung bestellt sein, wenn diese, durch die hebräischen : Sprachkcnntnrsie allein bedingt, eben so schnell wie der Wörtervorrath in dieser Sprache sich wieder verlieren würde? Ja, man könnte sogar in Versuchung kommen, Tenjenigcn beizupflichten, welche aus dem thatsächlichen, oft nur allzufrü>'cn Wicdcrvrrgcffln selbst Desjenigen, was in diesem Pen'um in der Volksschule mit so viel Mühe und Zeitaufwand beigebracht wurde. Zweifel über den Werth dieses Unterrichts entstehen laffcn; wenn nicht, auf der andern Seite zu.:egebcn werden müßte, daß schon die Nothwendigkeit, dem abstracten Unterrichte eine bessere Baus zn geben, die Kenntniß der Bibel im Urtext niindestens als sehr wünichenswerth erscheinen läßt. Ueberall, wo es die Umstände gestatten, wollen wir darum dem Unterrichte in der hebräischen Sprache die niöglichste Pflege angedeihen laffcn, um so mehr, als es auch in der Aufgabe des Israeliten liegen dürfte, durch Sclbstprüscn sich immer klarere und tiefere Einsichten in seiner Religion zu verschaffen. Allein schon die gewöhnliche bloße Religionsschule mit ihren Schülern von 6—14 Jahren wird diese weiter gehenden Ziele kaum zu erreichen vermögen. Auch hier wird über Zü kurze und ost auch ungeeignete Schulzeit geklagt und eine Beschränkung des hebräischen Sprachunterrichts nicht selten für nothwendig erkannt. Wo dieses nicht der Fall ist, hat man es entweder besonders günstigen Umständen zu verdanken, oder man könnte vielleicht auch hie und da veranlaßt sein, sich um so mehr nach dem Stande der andern Fächer ^imzuschen. Erwägt man nun aber die viel weiter gehenden Zwecke und die damit verbundenen ungleich größeren Schwierigkeiten der isr. Vollsschule, besonders der ung et heilten,