Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 40 (5.10.1865)
- Date
- 1865-10-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Kr Isrselilisclie Irkrrr. Zeitschrift für die gesammten Interessen dcS israelitischen Lehrerstandcs und zugleich . Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittwen und -Waisen in Deutschland. N°. K« Maing, den 5. Oktober 1865. (künkter ^s.kr§s.nx.) LöiSinilick i Rümmer, vierteljährlicher Atonnement^prelS 27 kr. —- 1/4 Tb Ir. Bei frankirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12 kr. Anieigen zu 1 Egr. die Prtitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchbandlungen an. Wie muH der Religionsunterricht beschaffen sein, wenn er die Schüler wahrhaft religiös machen soll? cSin ^oififlfl, tzelsalten am 8. Juni in der XV. allgemeinen deutsche» Lehrnvrrsammlung zu Leipzig. Bon Rabbiner Dr. Goldschmidt ans Leipzig.*) . Meine Herren! Unter den angekündigten, aber nicht gehaltenen Vorträgen befindet sich einer, „dasJungdleiben der Lehrer" betitelt. Gewiß bedauern viele der Anwesenden mit mir den Wegfall dieses, gar manches Anrepcnde verheißenden Vortrages. Freuen wir nnS indeß, für Manches, das jener aportiog ivatirscheinlich theoretisch hot Nachweisen wollen, zuni großen Theil praktisck entschädigt worden zu sein. — Ter jugendlich frische, lebendige und belebende Geist, der diese Vcr au mlung und die meisten der hier vernommenen Reken durchweht, legt thatsächlich von der Jugendsrische nnirrcr Lehrer und ihrer Bernsssreudigkeit Zengniß ab. Tirsen erfreulichen Eindruck haben Ihre s^eit drei Tagen hier grpstogenen V«rhandlungen auf mich persönlich gemacht und diesem ein«» Ausdruck zu geben, ist der Zweck der mir ei beten« n Worte, wclibe gleichjeitig den ven dem geehrün Referenten gehaltenen Vortrag mit einigen bescheidenen Bemerkungen zu begleiten sich erlauben werden. Ich verspreche Ihnen, meine Herren, kurz zu sein; ich kenn es um so niehr, da ich mit kem größten Thcile des vom Herrn Referenten eben so gründlich alS klar Ausgesprochenen ans vollster Eecle übereinstimme. Meine Bemerkungen sind nicht oppositioneller, sondern bcstätigcnt er Natur. — Daß dasjenige, was Sie Namens des ChristenthumS ausgesprochen, von mir, dem jüdischen Theologen, Namens des Judenlhnms ausgesprochen wird, das wird Sie, hofflnt- *) Dcrgl. dcn Lorrrag des Herrn Tiedemovn in voriger Nummer, dem in dcr Delattje^sfätcr dieser schon in unserem Bericht« über die ketrirvusommlung anxedeuteten Vortrag folgt«. — Red. l'ch, so wenig verletzen, als mich Ihre Argumentation verletzt ober auch nur befremdet. Weder über daL EigenthurnSrecht noch über die Priorität wollen wir mit einander rechten. Mag die Wahrheit als jüdisch oder christlich bezeichnet und gelehrt werden, wenn sie nur überhaupt gelehrt, wird, und, waS mir die Hauptsache scheint, wenn sie mit Hingebung, mit Ernst'und in Wahrhaftigkeit gelehrt wird. Bei der Wahrheit darf' der Anspruch ans Alleinbesitz nicht erhoben werden: sie ist bestimmt, Gemeingut Aller zu werd-n, wie daS Steeden nach Wahrheit gemeinsame. Aufgabe Aller ist. Darum freut es mich, wenn ich in einer Versammlung, deren überwiegende Mehrzahl christliche Lehrer sind, oft etwas als christlich bezeichnet finde, was ich als jüdisch zu bezeichnen gewohnt bin, und war ich im Laufe der Discussion, nanienllich aber während des lichtvollen herrschen Vortrages des Referenten oft mit Nathan auszurufen versucht: „Was mich dir zum Christen macht, das macht dich mir zum Inden!" Heil uns, wenn es unS gelingt, ächte Ncligiosttät in das Herz der Jugend zu pflanzen: cs ist dies eine der schönsten und heiligsten Aufgaben der Volksschule! .Diese Rücksicht auf die Volksschule aber scheint es besonders nöthig zu machen, daß der N-ligionsuntericht, so weit er Aufgabe der Schule ist, sich mehr auf daS Allgemeine beschränke, dgß das Epccielle'dcm Coufirmandenunterrichte des Geistlichen nnd der Kanzel überlassen bleibe. Es gilt dies Iramcntlich von den Schulen größerer Städte, welche von Schülern der verschiedenen Bckenntniffe zugleich besucht werdcu. — Sie, meine Herren, haben gewiß die Erfahrung gemacht, wie harmlos das jugendliche Gemüth, nnd wie Kinder katholischer, protestantischer und jüdischer Eltern auf derselben Schulbank friedlich neben einander sitzen, oft durch Freundschaft niit einander verbunden, auf der Schulbank geschloffen und im Leben sich bewährend, und Heil uns, daß dem also ist! Tie Schule soll ja sür's praktische Leben vorbereitcn. Warum also in das jugendlich unbcsantzene, harmlose Gemüth dcn Samen der Zwietracht streuen? Wozu in der Schule schon jene Zerklüpstung und Zer pl tternng Hervorrufen, die leider im Leben nicht ganz umgangen werden kann und welcher entgegenzuarbeiten und möglicher-