Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 39 (28.9.1865)
- Date
- 1865-09-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I Der HsmeWsrke Lekrer. Zeitschrift für die gesammten Jntereffen deS israelitischen LehrerstandeS und zugleich Organ für dm Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrcr- Wittwm und -Waisen in Deutschland. N°. 39. Mainz, den 28. September 1865. (Fünfter Jahrgang.) Wichentliib 1 Rümmer. Bierteljährltchke Lbonnrmrntgpreis 2? kr. — e/i Lhlr. Bei frankirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 st. 12 kr. Anzeigen zu 1 Egr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buibhandlungen an. WM- Mit dieser'Nummer schließt dar 3. Quartal unserer Zeitschrift und bitten wir die geehrten Postabonnenten um ungesäumte Erneuerung des Abonnements. Die Expedition de- „Israelitischen Lehrer-.- Wie must der Religionsunterricht beschaffen sein, wenn er die Schüler wahrhaft religiös machen soll? ßn Vortrag, gehalten am 8. Juni in der XV. allgemeinen deutschen «Fehrerversammlung zu Leipzig. Pon Tiedemann aus Hamburg. | (Schluß.) Wenn aber aus dem Gesagten hervorgeht, wie wichtig es ist, den Menschen zur Religiosität zu führen, so erkenne ich darauzugleich, daß Religiosität noch nicht von Kindern, selbst bis zum 14. oder 16. Jahre verlangt werden kann, sie ist vielmehr Aufgabe des Lebens; bis zum letzten Augenblicke unseres Lebens sollen wir streben, diese Aufgabe in nur und an uns zu verwirklichen. Daaber verlange ich von der Schule, daß sie den Grund zu der Religiosität lege, den Schüler befähige, aui Grund deS gen offenen Unterrichts religiös zu werden. Soll das geschehen, so muß der Unterricht eben nach pädagogischen Grundsätzen erlheilt werden. Wer den Menschen zum Menschen bilden, seinen Geist entwickeln will, muß vor Allem die Beschaffenheit des Geistes und der geistigen Entwicklung kennen, er muß die schlummernden Keime anzuregen verstehen, muß sie durch freie Eelbstthötigkeit des Zöglings zur Entfaltung bringen, damit sie zur Kraft werden; dann aber muß der Lehrer seine Schüler auch dahin, bringen, daß sie dar Gelehrte zu üben verstehen, dahin, daß rS bei ihnen zu Blut und Leben «erde. Als erste- Berlangeu stelle ich daher auf: „ES muß der Unterricht in einer dem Entwicklungsgänge deS kindlichen GejsteS angemeffenen Abstufung und Methode ertheilt werden. Gerade über diefeu ersten Punkt «erde ich mich am wenigste« verbreiten, ich will nur kurz bemerken, daß ich mir unter der Methode nur die anschaulich -entwickelnde, katechetische denken kann, die ich natürlich nicht zur leeren Wortklauberei und Zerspaltung der Begriffe machen lassen will. Die anschauliche Methode verstehe ich nicht so daß man die äußere Anschauung bieten solle, welche ich meistentheilS lieber nicht haben möchte — ich rede also nicht etwa bildlichen Darstellungen daS Wort, die nicht selten dem kindlichen Geiste verkehrte Ideen beibringen und etwas ganz anders thun, als sie zum Hähern zu erheben. Herr Director Lüben deutete schon gestern an, daß die einzige anschauliche Methode die der innern Anschauung ist; dar Kind muß die innere Wahrheit selbst erleben können; dah>r eignet sich biblische Geschichte am besten für den Religionsunterricht, und zwar nicht nur für die Elementaistufe, sondern eS möge der ganze Religionsunterricht auf die biblische Geschichte und Bibeltunde gegründet werde«, wobei ich indeß kein anderes Mittel der innern Veranschaulichung aüSschließen will. Bezüglich der Abstufung kann ich mich auf ein Wort berufen, welchrS unser verehrter Präsident gestern bei Begründung seiner Thesen gebrauchte : für jedes Alter wähle der Lehrer dar aus, was auf der betreffenden Stufe dem Entwicklungsgänge des Geistes angemeffen ist. Zugleich kann ich mich hier ans ein kritisches Wort DiesterwegS über ein Werk unserS schon oft genannten Schmidt beziehen. Ueber daS Werk: „Zur Erziehung und Religion,- in welchem Schmidt einen solchen Etusengang darlegt, sagt Düsterweg mit wenigen, aber sehr charakteristischen Worten in den „Rheinischen Blättern: „Einen sehr empfehlenden, wenn auch nicht durchaus musterhaften Gong gibt uns Schmidt" u. f. w. Rur um Alles in der Welt nicht Jahr aus Jahr rin denselben Gang. Tenn wenn wir auch darauf hoffen, daß wir immer andere Schüler vor unS haben, was aber auch nicht immer der Fall ist, so muß doch der Lehrer, wenn er inimer nach seinem einmal entworfenen Schema den Unterricht erheilt, der dar Kind für das Höhere begeistern soll, grenzenlos erschlaffen. Wir sind Menschen, und wenn wir einfach daS allemal wieder ableiern, waS wir entworfen haben, so «erde«