Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 34 (24.8.1865)
- Date
- 1865-08-24
- Page
- Seite 141 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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141 <Kine Tchulrpde, gehalten am Schluffe des. Schuljahres von ®.i8 erste Jahr unseres Wirkens ist zurückgelegt. Die Hemnisse und Widerwärligkeiten, mit welchen wir in dieser Eröfinungep:riodc zu kämpfen hatten, bilden die Leidensgeschichte emcr jeden Schule. DaS Saatkorn, von dem Seemann der Erde anvertraut, scheint verwesen. die Arbeit wird als eitel und nutzlos betrachtet; aber wenn Lust und Wärme, Feuchtigkeit und Sonne, die ganze mächtige Kraft der Statur das Saatkorn hervorlocken, beet t es. mit der Hül'e des allmächtigen Herrscherüber alle Dinge eine reiche Ernte. Die Ernte dieser Anstalt beruht aui der endlich zu crlanaendert Ertennlniß, dass die Religion wirtlich die innerst: schaffende Kraft deS Menschen^ sein Lebensodem ist. daß sie d-e lic-ste und heiligste Duelle ist, welche Gesinnung und Handlung weiht und lv wedelt. Soll die Religion diesen belebenden und heiligenden!Einflnß auf die Lebensrichiung des Menschen üben, dann muß sie ebenso Nar erkannt, wie tief empfunden werden Die religiösen Satzungen und Lehren haben für uns nnr dann einen wah-en, nur insofern ewigen Werth, wenn sie der l bend-g: Ausdruck innerer lleberzcugunz sind und iiir das Gemüt < eine unmittllbav anregende Kraft habe». Die religiöse Erkennknß, die religiöse Ueberzeugung darf nickt als etwas To'es das Recht imittmife der Lebenden verlieren, sondern muß;um VolksbewuntsAn. zum wohlthätigen Le.ensprinzip erstarken. \ ) J Ben diesem Grundsätze geleitet, bemühte ich mich im vergangenen :r if!t Jabre di fet Anstalt ihit schwacher Hand da» Lickt d s eigne» H n z 'r.s gleichem in d»: Seele meiner Zöglinge zu übertragen, damit sie stübzeitig Tugend und Pflicht »aisen,, lieben u 'd d'i üben lernen: dam t ne nickt nur durch erworbene ' Kenrtn'ise ui:d urck Wiss.n, n.'.'.d.rn mehr nock durch die Weihe des G mütis und dura» .die Sitrcn insder g>oßen Schule des Lebens e>n;r würdig den Plao ans'ülleii-und zum Heil ihrer Mitmenschen wirken. - . s ' Ob und wie i" di:,' e VervftrÄung nachkam. -babe ich Ihnen, meine Here:», in dem Ihnen üb^rgeber.eit schriftlichen dürren Umrisse da'gesi.'ilti La aber di: innersten, religiösen Beziehungen L\\‘ Jnde'.:lbnn s m t de. hebräischen Sprache verbunden, da dies: Spracke das 4.cili-',thum des Volkes ist, w lckes die Stürme per Jab:tausende dcms.'l en -sicht zn ett. eiben vermochten: da Aeisi und Gemüth sich noch iMm«.r an d.m Urt rt des göttis en Wortes erlaben icll v, un' müssen: so nzb.n ick unter den iebrgege.iütän cn nicht nur d n Unterricht in der Bibel, sondern auch die U.'ocrsetzlieg er "ere* als das wichtigste >.nd wirksamne Element t-s Re.ig.onSu t rr^ckte? b i >.n Israeliten auf. Aus dies« Weite benschte sich mich, die liesske und ursprünglichste sDuelle aller Religon, nämlich das je^m Menschen ei'gegebene >-xiübl iür da' Unendliche und Ewige in den Herzen o<-: Jugend zi wetten, und dann bk-ir. Geinblen ruglei b ein: coriession.lle Ri-tu.ig zu g.n-ett. »nd.m nb ans c!as gesckrieb.ne Wort als Gewährleistung b.nwi.s, die sckö'.sten Sprüche und Auf; muntcrun en. die uns vom Geiste Gottes übermittelt wurd n, als eben'oviele Anregungen bot, wodurch nicht nur der reli.siöfe Sinn und das ireie Pflichtgefühl best t und geleitet, sondern insbesondere verderbliche Zw ifelsucht, schädliche W dersprncksliebe gegen bi: sötllideen Wab'bet:: wirkun islos und unschädlich gewachst werden müss n.- Ich suchte dn Widerspruch .durch Per beidigung, den Zweifel der Kleinen durch Ueberzeugung zw beben. ' .Wohl macht der genußsüchtige Un,flauste Einwendung: er spricht, selbst mit Beibehaltung des angeführ ten Gleichnisses, daß die Schule die Aufgabe bare, tas geistige Saatkorn dem empfänglichen Boden anzuvertrancn, dam-t es z,r nährenden Frucht sich gestatte, daß aber der Religionsunterrickt ferche Erhabenbeit nickt beanspruchen könne, weit er mit keimr Wissenschaft in Verbindung stehe und wohl einen idealen, aber k inen materiellen lebens - dienlichen Ruhen verschaffe. Die Religion gewährt unS im Sinne deS GleickniffeS Schutz und Schirm in den Stürmen des Lebens, aber keine Frucht! „Sur Entgegnung diese- Einwurfes bem:rke ich: Die Religion bient zur Fortpflanzung und Festbaltung alles Guten und Nützlichen im M.mschen. Jede Wissenschaft und geistige Hebung. gehört im höheren Sinne deS Wortes der Religion an. Die edelsten Empsindungen, die erhabensten Gedanke» werden durch sie zu Tage gefördert, die herrlichsten Blüthen der 'Natur werden durch sie zur Reife gebracht. Aber die Religionsiehre siebt - auch als Wissenschast nicht in' verachtender Selbstgenügsamkeit da, sondern sie nimmt willig und gern jede rationelle Erkenntniß alS einen Zufluß in den weltumflu'henden Strom der Glaubenslehre auk. ' Wenn der gebildete und gewissenhafte Lehr>r von der Rotation der Erde spricht, w:nn er in derRaturlehrdie Naturerscheinungen, jene natürlichen Wunder, dem Geiste des Zöglings oorführt und erklärt, wird er nicht unwillkürlich aus die Erhabenheit und Allzät«zGotteS, wird er nicht zur Religion hingeführt? Und befördert nickt rückwirkend deiaßlicke und erhabene Stil d's göttlichen Wortes den guten Geschmack? Veredelt nickr die Glaubenslehre Gedanken und Ausdruck? Schärst sie nick: die Urtbeilskrast des ZöflingS? Und ist nickt an dieser Schärfe der Urtheilskraft, an dem rickligen Gebrauche unserer Seelenkräftc und den gehörigen und zweckmäßigen Verwendung derselben All:S gelegen? So lasset uns denn, meine lieben Kinder! beharrlich und mit unermübeter K-ait a:f dem Pfad: d:r Glaubens- und Pflichtertenntniß .vorwärts schreiten, damit wir von dgx erhabenen Führerin: Religion geleitet, uns,re Bestimmung zur Gottähnlichkeit Erreichen. Mein ehrwürdiger Vorgetevte, der Herr Dberrabbi und Direktor dieses Inst t.:s wpllr uns auch ferner hin mit seinem weisen Ratbe. mir d:m Umfange seiner Kenntnisse und mit seinem frommen Beijpi'l.- unterstützen, und unseren Willen kräftigen; der ehrsame Gemeind.oorstand wolle uns mit Liebe zugetham sein und di: Anstatt in seinen Sckutz nehmend , Und Du.'allgegenwärtiger b»n:nliscker Vater! der Du'in dieser feierlichen Stund: auf unbcraa siehst, legnc unser Streben, ai'b Gederhen unserem Fleiß: und ch'sianze Liehe zur Tugend ui unser Herz, '.’tinr.n rief: Sckule üls eine W rkstätte bei göttlichen Geiste? unt-r d'ine Db'out, beschütz', kette und stärk uns in unserem Versa»-auf daß unser Streben zu Dein Ehre und zum Aohle der Menschheit gereich'. Amen! 26 0 cd e n b o r i ck t. Fri. c berg. 7. Ang. Heust fand die In Rr. Li. d Blj ' angeknndigte erste Versammlung-isr. Lehr r der Gco:;b. Heis Provinz D -eriessen in'Ridta Zt.ttt. riotz de: Zerst entbeit, in welcher me isr. Lehrer d es.r Provhnz leee-, und trotz der sckwies rigen Vtrbindung des Versammlungs -Drtes mit 7 n übrige Orten dtr P'ovinz"war die.Versammlung dock von II Lehrer, besucht. I An jedem anderen Ortender Pr-.w-nz wäre sie indesse, kaum stärker prsnckt gewesim. Auck He r siiaoliner Dr. Lev aus Gieße:, und der für alles Eble und Gute b'gsist r.'c un namentlich für die Sache der Lehrer f-i— Dpier scheuen:e Her S. Simon aus Gedern, hatten die Ver'ammmng mit ivre, Gegenwart vechrt. Die Sitzung dauerte r-n! I 'ihr Bormit tags bis 5 Ubr 'lliackmittagr unt einer l ’ -ständigen Unterbre chung während des Mittazeisensl Es constituirte sich ein Pro