Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 33 (17.8.1865)
- Date
- 1865-08-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Der IsraeliüMkie. LeKrer. Z c i t f & x i f t , für die gcsammtcn Interessen des israelitischen Lchrcrslandcs und zugik.ck Organ für dm Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittwen und -Vraiscn in Deutschland. x°. rrrr Mainz, den 17. Aue.ust .(Fünfter Jahrgang.) kcbn»tlick> 1 9!uirmfr. 5Bifrtfljä(ir(ictft Abonnkmrnt^prriä 27 fr.- > j 3.Ir. Bei fr^nfirrcr Z^srndunz untcr .'irruzb.ind jäbrlitb 2 ä. 12'fr. An-«igtn zu 1 Lzr. die Pctitzeile. Bcükllunzcn n». >icn alle Postämter und Bucl'K-ir.dlunzeu an. LessingS Nathan. (Man oergleiche Dtrstcrwrg's Jahrbuch l^llü.) (Fortsetzung.)! - Ich stand eben am Grabe meines Vaters. Ties im Walde versteckt, einsam aus einem Berge liegt die Stätte der Tobten, wohl mehrere hundert Fuß über dem Spu-gel des Meeres, n>ehr als eine halbe Stunde von jeder menschlichen Wohnung entfernt. Warum hat man El ch hier ge: beitet, -Jbr Tobten, warum so einsam, so ganz abiels? Jbr hättet doch die Lebendigen nicht gestört; Ihr lallet, doch, unweit der Wohnstätten der Menschen auch ,n Friede n :.".nht. Wohl ist's .ine h. etliche, Ultv.Lgletchtlche Aüviteae wer von dieser Stätte der Todten, wohl liegt ein unendlich erhabener Reiz ausgebreitct über dieser herrlichen Gegend, — vor uns der Mainfluß, wie er seine silbernen Arme gleicl sam um die herrlichen grünbewaldeten Berggipfel schlingt, ringsum rin von Gott sichtbar gesegnetes Tbal; cs liegt eine iüßbezaubcrndc Schwermutb über das Ganze ausgebrcitet, das setzt noch in Morger.mbel gehüllt ist, und die Stimmen m urr'errii Innern mögen uns zuweilen in solchen eleg'lckumdustcten Stunden sagen: Hier ist gut ruben!. Aber, unsere Väter rn den letzten Jahrhunderten — ach, sie p;cd ton wohl wenig die Poesie, die aus diesem Begräbnis;; latze :uht, geahnt und gewürdigt haben! Ihnen war cs wohl nur sehr beschwerlich, den"Todten hierherzubringen! Und was sch' ich? Verwüstete Gräber, zerbrochene Denksteine, eingerissene Mauern und Zäune! Einstens — ich erinnere mich ncch dessen, es sind kaum 30 Jahre her — da wur den ganz früh Morgens, wenn kaum der Tag graute, die Tobten hierhergeschleppt; die begleitende Gemeinde fruchtete selbst in jener Zeit noch den Spott, dev Hohn, ja sellst die Steinwürfe und die Verfolgung. Das warerr Barbara, die einen Leichenzug, einen Leichcnsiein, ein Grab schändeten. Rein, nicht das Christenthum hat esverschuldet; da sei Gott vor, dos; wir eine Religion, deren höchster Grundsatz der mosaische Ausspruch ist “’E- 1\?“ r:rx-. Tu sollst deinen Rächsterl lieben wie Dich selbst,! solcher blnthaten berüchtigten. Das waren, wir wissen daH wohl, keine Ebristen, jene Unmenschen hatten keine Religion. Aber — das können ir r doch nickt leugnen, daß damals schon mehr denn 1500 I,hrc daö Ehristcnthum seine Macht ausgebreitet, hatte ü-er unseren Erdtheil, daß siine Diener die Geister und d. Herzen-beherrschtenwar es cito das Christenthum und n r des Christenthums ureigne Macht, das die humanen I een unter den -Menschen verbreitete? 'Oder ist es die ».eigne Kraft des Mcn'chengerstes, der in Ewigkeit sich entn ckelnd, die Ideen der Toleranz und der Humanität aus' b.»u ewigen Eottesgeiste schöpft, der fortwährend über der P mchheit schwebt. Es sind doch' diesillnn Ideen, wie sie u< chgewiesen werden können im Mosai-emus, in een Propheten n. > wie sie fort und fort sich entwickelten im Judeuthum e>,s heute. Hat Lesung wirklich den'Nathan als eine Abnormität innethalb der jüriichcn GtMtin'chcsl gedacht? war er merklich der Ansicht, daß Nathan eigentlich ein Christ war seinem Geiste und Heizen nach und nur äußerlich ein Jude? War das Christenthum zilr Zeit Leisinas mio Mendelesohns das Christenthum, wie.es sich Herr Platz denlt? Ich weiß, daß auch von jüdiicheu Geschichteioischein der Umschwung in den Geistern, wie er seit M>ndels'ohn innerhalb deS Jubent!:nn s wirkte und sich hervorarbeitete, der erhabene und iinenneßl-.chc Fort'chritt, dem die letzten hundert. Jahrs für uns hcibeisührten, als an-liiahmSmeiie nur innerhalb des Jnd.nthunis en'aesasl wird. Aber der Weg von )>er Vcrlnöcherung innerhalb der streng cousessionrlleu Dogmen^ der katholischen nird evangelischen, lutherischen nnd^calvinisttschen Kilchen , Götze und 'G-.»omn) bis .zur freien Auffassung eines Schenkel, Strauß, - Rouge,. Renan und Anderen war ebenso weit, wenn nicht weiter — als der von den Gegnern Mendelssohns bis ans die Anschauungen der heutigem Inden. Wenn cs gerade das Christenthum und nur das Christenthum siin lollte, das die §7.nelle der Humanität bildet.- — ist Pabst Pins 1 Xi nicht auch ein Christ? Und doch ist im Sillabus und in. der Eueyclica, dieicn neuesten Veröffentlichungen desjenigen Christ nthums, das sich als das einzig wahre und einzigiel'gmachende - erklä:t, das huülane Princip. das „Lcssina" vertritt, das im „Nathan" lebt, wohl nickt ganz deutlich ansge'prochen. Wird dieser Pabst und Tausende seiner-Genossen, t:nd Ver-