Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 32 (10.8.1865)
- Date
- 1865-08-10
- Page
- Seite 132 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Und doch! . Zum erstenmale war ich von der Lektüre eines Diesterweg'schen Aufsatzes schmerzlich berührt; zum erstenmal schloß ich mit einem Seufzer das Buch, nachdem ich den betreffenden Artikel bis zu Ende gelesen. Mir fiel beim Schlüße alsbald das oben als Molto angeführte Wort Nathan's bei: „Und doch bin ich nur e-in Jude. Ach nein! Nathan ist ja kein Jude; er soll, er muß, er kann nur ein Christ sein. Ohne Ehristenthum Hütte es keinen Nathan gegeben, wie es keinen Lessing gegeben hätte. Das ist ja die Quint, sienz des beregten Aufsatzes. Selbstverständlich ist kein Wort in dem Aufsatze, das im Entferntesten an Intoleranz erinnerte.. Der Artikel ist durchweht vom humanen Geiste Di.eslerwcgs. Selbstverständlich ist es ebenso, daß, wir hier mit aller Hochachtung und Verehrung schreiben, die wirdem „über alles Gemeine" hocherhabenen Meister, dem Vater der deutschen Lehrer zollen, mit der Hochachtung, die.ihm die jüdischen Lehrer am wenigstem versagen. Sind es l>och gerade die jüdischen Lehrer, deren amtliche.Stellung ihnen das offene Bekenntniß dieser Hochachtung möglich macht, ohne befürchten zu muffen, von muckerischen oder ulrramontancn Borges, tztcn darüber zur Nechenschast gezogen zu werden. Eigentlich ist es auch nicht das Wort und der Gedanke Diesterwegs, dem wir cntgegentreten muffen. Es ist vielmehr eine Rede des Predigers Platz in der UnionsversammlunL zu Berlin, die Herr I)r. Dusterweg abdruckt und die unsere Beachtung verdient und unsere Pelemik herausfordeit, weil sie in derjenigen periodi'chen Schuft enthalten ist, die, auf der Hche der Zeit stehend, für die dem Fortschritte "huldigenden deut'chen Lehrer die größte Bedeutung hat. Wir musfin dieser Rede cntgegentreten, nicht als Rede in einer Verfirnimlung, die ein jpec siichchristlich-religiöfis Cüpiäge hat, sondern weil sie in dieser Schrift einen pädagogisch, n Charakter gewinnt, und wir uns vor Allen zur Abaehr berufen fühlen, wo im pädagogisch - freisinnigen Gewände das Judenthum angegriffen wird. Und diese Rede ist ein, wenn auch vielleicht unabsichtlicher Angriff auf Juden und Judenthum. Welches ist der von allen einsichtsvollen Lesern Lessings und auch von Herrn Platz anerkannte Grui.dgedanke des Nathan? Es ist recht eigentlich das Wesen der Humanität, das uns hier'entgegintiitt, der Gedanke: der Werth der P e r s ö n l i ch k e i t i st u n a b h ä n g ig. v o m B e k e n n t n i s s e; der sittliche Werth des Menschen darf nicht gemessen werden an dem äußerlichen Bekenntniß. Wir gehen hier gleich noch einen Schritt weiter. Unsere Weisen — es sind die „jüdischen" Weisen, von welchen wir sprechen — fuhren sieben noahitische Gebote an, die die Grundlagen des sitllrchn Lcb,ns der ganzen Menschheit bilden. Auf Grund dieser sieben Gebote *) — die die Weisen aus den ersten Versen des 9. Kapitels des ersten Buches Moses entwick-ln — Hut Gott den Bund mit der ganzen Erde beim Regenbogen geschloffen**), sie •) Da* Verbot brr Abgötterei, der Gelte bläst,rueg, des McrbeS, des Dictstablb, deS Genuffcs rem Fiel eb ein lebend, n Lbiercs; das Gebet der Heilig' alkung t,r Et« und ler Gererl tlgsteitbrfl'g«. ••} Er soll das Zeichen f.in pvijchea m,r und d,r Erre. Vers 13. bilden das ewige unzerstörbare Fundament deS sittlichen Menschenlebens für alle Zetten; wer diese Gesetze beobachtet, den nennen diese Weiten einen D^ijin mo\x TDn einen Frommen aus den nichtisraelilischen Völkern, von welchen sie sagen: Die Frommen aus allen Nationen der Welt haben Antheil an der zukünftigen Welt." Es sind dies die Uroffenbarungen Gottes an die g e s a m m t e Menschheit, das Gesetz , von Gott uns in's Herz geschrieben." „Ich weiß, wie gute Menschen denken, weiß Daß alle Länder gute Menschen tragen. Im Nathan spricht Lessing, der Weise der Neuzeit,« daffelde aus.- Soweit stimmt auch Herr Platz mit Lessing überein. Aber nun stellt er eine unseres Wissens sehr unnöthige Frage auf. Er beantwort,! die Einwürse von Leuten, die nichts gelernt und nichts vergessen haben, gibt sich mit Fragen ab, an die sicherlich Leising selbst und auch kein unbefangener Leser gedacht haben würde. Er rechtet niit Leuten, mit denen nicht zu rechten ist, weil sie sich die Unfehlbaren dünken. Und um diesen gerecht zu werden — was ihm ja unmöglich ist — thut er Unrecht Denen, welchrn Lessing im Nathan gerecht werden wollte. Lessing will einem großen Unrecht der Gesellschaft entgegentreten. Sein Vertheidiger (brauchte eS eines solchen?) und Commentator wirft Steine auf dieselbe Menschcnclaffe. Sind solche Fragen und solche Antworten im Lessing'schen Geiste? Nein, sie sind ein „Widerspruch in sich;" denn die Quintessenz der Fragen und Antworten des Herrn Platz läßt sich ganz einfach in den Worten zusammcnfassen: Hat Le,sing die Idee zu seinem „Nathan" aus dem Judenthum — dem Mo'aismus — entnommen? Ur d die Antwort lautet: Nein, aus dem Christenthum; denn das Judenthum, der Mosaismus, ist nicht fähig, solche Ideen zu verkörpern, wie eS im Narhan geschehen; Lessing hat die Idee zu seinem Nathan nicht aus dem Mosaismus schöpfen können, wohl aber aus dem Evangelium, aus dem Wesen Christi. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenz. i^eem Ja el . AuS Oberungarn, im Juni.*) Anch dtt unS fängt es aumäh.ia za taren an, wenn aach unser: Dunkelmänner in G.tt un) die Welt zu v riesen chenren und durch Fe er eines zweiten Olte-sestes im Monate Nffan(Ziar?) ihreTrll täutlerideen zum Beiten geben. Gm schalfreundlichcr Borstand ii tkaschaa g ht mit dem Gedanken um, in dieser Ctrdt eine Schule ins Leaen zu ruf^n un) dürste di:se Gemeinde zuversichtlicd aus kein uni. isr Sckmlfonbe Unterstützung si.rdene Nicht mind.r günstia sind de Verhältnisse >n EperieS, wo unter Ulli/ * V' •» *v* | »- - ... - nehmen einen aeteihlich n Fortgang and dem ung. isr. Verein in P sth die uöt'ige Energie, z, m Heile der ung. Jud n forlzu» wirken. De Svütze',che hebräische F.bel ist joeden in zwetter *) Unlieb verspätet.