Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 26 (29.6.1865)
- Date
- 1865-06-29
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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104 letzt» auf Faustpfänder die Rede. Natürlich klebt an diesem Verkehr trotz der Wohlthal, die man damit solchen Leuten erweist, dennrch in den Augen der Welt rin gewisse- Odium, welches man gern der Juden allein tragen ließ. Christliche Wucherer nannte man daber mit dem Spott- und Schimpfnamen.^. »Jute!* Jedoch bewirkte die Macht der Verhältnisse, daß man sich auch christlicherseits mit der Rechtmäßigkeit ve- ZirrsuehmenS aussöhnte. In England errichtete sogar der reiche Bruder Heinrichui. (Richard von Eorawales) eine Wechselbank. Ev verführerisch war der große und mühelose Gewinn. Rur im Kirchenstaate galt der ZinS noch immer als verboten, obgleich Sie Päpste in anderen Staaten Ausnahmen gestalteten und selbst auch verinsbare Anlebrn negocirten. Nur übdr die hohen Zinsen führten fie «läge. Im 13. Jahrhundert verpfändete selbst der Erzbischof von Erfurt den Juden für Kapital und Zinsen die Gerrlltsgesälle. Schon im 14. Jahrhundert wurden Christen »eben Juden al- Wertster g-namit. So stehen der Jude Mosche und der Christ Pegto Cyndal im geschäftlichen Wechsclverk hr mit Herzog Ludwig von Bazerrr. E» waren also den Juden schon nicht mehr allein die Darlehen an unbemittelte Handwerker und auf ^aunpfänder üblrwi.s.n, obgleich diesen rumeist. Diese klerren Darl.hen iru d-n immer nur für die laufende Wolle gegeben, und zwar, wie auch heute noch in dem selbst von Ställen getriebenen Lom ardenverkehr gegen hohe Zinsen. Man rechnet den für diesen Verk.br testimmten Marktfrauen in Paris 173 Prceent (2 Sous von 3 Liver) nach. Man hat schon früher — durch öff.rnl che (städtische) Bai.k.n und Pfandhäuser den Privaten an Juden gegenüber, gesa igen und durch Unterstützung-lanken und -V reme, woh'thätiue Vermächtnisse und Stiftungen dcm Bedürfnisse der unt.rnSchichten abzuhelsen und sie von der Last solch hohen Zinsezu befreien, aber ohne leckenden und., a'^g>mein, n Erfolg. Man erreichte nickt mehr oldie Fcststtzung eines Mar ma'z n-fuße-, a er wußte durch die Hül'e der Ju eu nebenb.i den Armen io sehr gedie. t, daß man von der Kanzel herab, der. G meinle es v.rküntete. wenn ein Jude bea sichligte, den Ork zu verlassen um die Belr.ffenden zu veranlassen, r<elf?et;g ihre Pfä der auszulösen. Und d nnoch bat man cs den I-den io saleckt gelrhnt, indem sie wietnholt von s.ädt.sllen Otrigke 1«-», Kaisern und Pärstcn (vcn Letzteren zu Gunsten der K.cuzsabrcr) der Eapita'ien und Zinsen rerlustig erklärt und die schuld:cr ihren jüdischen Gläubigern gegcnüler von all n weiteren P rfflicklungen zur Rückiah unz freigesprcck.ll wurden. Solche Procedurcn führten in der Regel neck die Einziehung des ganzen Vermögens aller Juden und ihre Austreibung mit t>ch, ,umat als in Deutschland in der Mitte des .14.' JartunlertS Pest und Hunger tie Roth des Volks vergrößerte, Und kie Pri ster, ol»chin Feinde der Juden und G gncr der Zinsgesckäsee, geg.n taSgottlose Denken und Leben der Jrd.n eis.rtcn und das Volk gegen sie ausr-izten. Und dennrch lat man de Juden nach jeder Auslreilung wieder zurückgcrufen. Man kernte sie selbst iür so che tade.nswcrtbe Ge'ebä'te.nickt embehr.n und zahlte ihnen ge ne den erlittenen Schaden in erhöhten Zinsen zu ück, Ter Staat in seiner rermeir tlich< n und ausschließlichen Fürsorge iür die christlichen Bewohner suckle die Getdgrzchäste der Juden zu überwachen, verwies sie an den Richter, indem man allen nicht von dem öffentlichen Richter abgeschlossenen Geschälten die RecktsgAt gleit aksprack. Aber da» Volk dankte dem Staat eine solche Fürsorge durch Erschwerung s ineS gefchästlichon Veikehrs nicht. Auch ist es'zu natürlich, -daß bei solch.r Unficherheit des geschäftlichen Verkehrs selbst vcn Staotswegen der Zinsfuß n cht niedrig angesetzt werden konnte. Daö Volk büßte somit selbst den angerichteten Schaben. Außerdem tu,] den Machthabern gedient mit einem hohen Zinsfuß der Judtl Man legte ihnen dafür um so höhere Stenern auf und h> schon im Voraus auf eine um so reichere Beule bei später«! wiederholter Austreibung d.r Juden. Der ursprüngliche Zi»s! ruß für Darlehen aus Favstpländcr betrug 10 b's 12 Prrceot!^ Er ist bei dem heutigen städtischen Lowbardgeschästen noch sM hoch, wenn nicht höher. Dennoch sank er bereitin den na&lg folgenden Jahrhunderten auf die Hälfte 5 bis 6 Prrcent herat > wurde aber freiwillig von verschuldeten Fürsten, die fich diese Weise mittelst der Juten zu bereichern suchten, auf li;g Proccnt, ja 304 Prosent erhöht. Rudolph von Habsber,I glaubte durch die Wiederherstellung des alten und Vorwahl üblrchen Zinsfußes mit 170 Prceent ein gutes Werk zn «ns richten. So machten die christlichen Verfolger ihre jüdischen Gläol biger sich selbst zur drückenden Last, und dre armen Juden nrn?. ten es dann büßen, indem man die Schuldurkunden zerriß ull die verschuldeten Summen mit dem Blute der Gläubiger aus löschte. Welche Beweise liefert »nS dock die Geschichte von der gerühmten christlichen Gerechtigkeit und L ele früherer Zeiten! Alrey, im Mai 1H»j5 Dr. Rothschild 'i 3 cSnltoitif der Statuten des i kurhcsfischcn VrrrinS zur Untcrflützung der israelitisch« , Lrhrer-LLittwon uod Waisen. I (Schluß). 8e- Jeder Arent bat alljälrlick das Verz ickniß der ir! seinem Kreise befindlichen Mitglieder einzuschickcn und auch üb.t| das, was im La,fe des Jahr.« zur Erreichung des Vcreirszue ckes in senem Bezirke geschehen ist, zu berick tcn. Der Vorstent ' setzt von dem Hänptinballe d r Berichte sämmtlrs er Agertc * alle Mitg.ied-r durch kirren Jabreeberickt in Ken: Iniß. $. 8. Zur Leitunr des Vereines befielt ein Vo>stand oa! ti Mitgliedern, vrn dencn 3 ar s Kassel und 3 arS d.n ülrizn 4 Prorinzen gewählt werden. $. 0. D,r Vorstand wählt aus seiner Mttte einen Brr j sitzenden, eircn Eelrelär und einen Ca'strer. Alle eingebenda > Gelder w rden ron dem Vereirs'a'sirer in Empfang gencmirm s d.r jährlich Rechnung abzulea-n hat.! 10. Der Betrag der U'terstütznrg hängt vcn den Cr j gebnissen der karrmlungen und Bciträge ab. Drciviertel stlla! verthe.lt und einvicrlel dem zu grünlenden Fouls zugcsühi:! werten. i sj. 11. Ar träge und Dünsche kann je^es Miielied bei de» Borst.nde selbst onbringen oder auck mitt.tbar durch den Age»I! ten. Dem Vor stände steht die Entscheidung zu, und in wittock] dieselben zu berücksichtigen sind. 8- Alle Vermächtnisse werden, wern keine letztnvvigl : Verfügung ertg-grnsteht, zum Eepitolsords geschlagen und urlal dem Ram.n tcS T.stator im Hauptbucke mit fortgelührt. Bei! tesondorn t>statoiisch.n Bestimmungen aber müssen l.tztcre ge! i treulich befolgt werden, sobald sie d.m Zwecke tcS Vereins niL] ' entgegen sind. Transitorische Besiimwung.! Tie erste Wahl geschieht unter Leitung d s Lankrabbiial! durch Einsendung schriftlicher Wablzcttrl durch den Areisrwl sicher. In der Folge durch die Agenten mit Lei'ung des B«I standes, vcn dem alle Jahre 2 Mitglieder auSschriden, at«l | wieder wählbar sind. Leramrrvrlltebkr Nebaereur: 2- Kllngenstein in Overnhetm in Sibkinbefien; tzeUHvertag är Redaktion. Für den Bullbarrbel: E»««iff?on beb d, L. Fritzsch» i» Leipzig. — Damps-Echnellprtfiendrvck von I. Soktsleben in Mainz.