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Der israelitische Lehrer · 1865-06-08 · 23 (8.6.1865) · p. Seite 92

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
5 (1865)
Issue
23 (8.6.1865)
Date
1865-06-08
Page
Seite 92 (sequence 4)
Language
German
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92 Correspoudenz^ F Aus Nassau, im Mai. /I) In Nr. 12, 13 und 14 f)at ©rt College Eonnenberger aus Camberg eine ernste und wichtige Frage besprechen.. Die Umgestaltung de» isr.ReligionSsctnlweftns ,n unserem Lande ist angeregt, sa sie ist bereit-, insbesondere soweit eS die Lehrerbildung betrifft, in ein Stadium getreten, das die Frage mir noch zu einer Frage der Zeit macht. Uns in , Nassau gebürtizren Lehrern, die wir zumeist cus dem Seminar . de» von urs jederzeit als Lehrer verehrten Rabbiner- und! Seminardirekwrs Herrn Dr. Hochsiädter aus Bad-Ens bervorgegangen fink, ist die Weise, wie der genannte Herr College ' die Frage aufgegriffen, mctivirt und eingeleitet ha», immerhin ei« peinliche. Die Pietät erfordert die Hochschätzung eines Lehrer-, der seine Pflichten.gegen unS als Leiter vnd Lehrer treu erfüllt bat und deute noch istit uns in' freundlichster Verbindung lebt; unser eigenes Selbstgefühl säht uns, — und Herr Sönnenberger wird uns wohl das züzeben müssen; sagt er ja selbst, daß unter den Zöglingen des Emser Seminars sehr tüchtige seien, — daß wir unsere Pflicht n erfüllen und erfüllen können; warum also uns schmäben? Herr S. will wohl nicht Persönlichkeiten angreifen; aber die ganze Art und Weise seines An satzes ist immer eine tbaljächlickbeleidigende und schmerzliche für unS .und durchaus dazu angethan. unS rn uns.rem Ansehen bei den Gemeinden zu beeinträchtigten.*) Warum der Vergangenheit einen üblen Nachruf widmen, wenn es sich um die Gestaltung der Zukunft handelt? Gestehen wir unS ein; eS ist > viel Trübes mituntergelaufen bei den Bespr.cbungcn gez>n Hrn.; Dr. Höchstätter.**) Doch lassen wir das. Sprechen wir bios von der Art vnd Weise, wie Herr Sonnenccrg die Bildung der Lehrer der Zukunft gestaltet wissen möchte, und ichen wir zu, ob diese Forderungen gegründet, kiese Wünsche berechtigt, diese Pläne ausführbar, diese Gestaltungen wünschenswertfind. Herr E. verlangt vor Allcm vom Lehrer tüchtige Kenntniß der Sprache, will wohl beißen.der Muttersprache. Wir sind hierin mit dem geehrten 'Herrn Collegen und wobl mit jedem Anderen einverstanden. Die gründliche Kcnntmß der Mutter- . spräche tbut jedem Gebildeten Noth — ebne solche ist Niewand gebi d.t zu nennen. Und. „gebildet* soll und wuß der Lehrer sein. Die Muttersprache ist das Fund an ent und die lircne, das Zeichen der Bildung;-Darüber wären wir einig. Wir wollen auch ingeten, daß nicht alle jüdischen Religions lehrer bisher eine hinreichende Sprachkrnntniß nit aus dem Sern narr brachten. — Wird' daS ober künftia bei den in dem prot stantiscken (oder katholischen?) Sckullelwersewinar Gebildeten a-d»rS sein? Sind olle unsere Elementar- und Volkschullebrer- Raffcu's wirllich gründliche Kenner der Sprache?***) Und kan« eine sprachliche Bildung im Allgemcncn gleichsam rein formal erreicht werden? Müsien da c nicht gute Kenntnisse in den Realien, in Geschichte, Geographie, deutscher Literatur vor-! angehen, um gleichsam die Grundstoffe bilden, an denen sich die I sprachliche Entwicklung anschließen kann? Wirb also ein«! gründliche allgemeine Bildung in jenen Eeminarien neben den Kenntn ffen, welche Herr S. fteilich — übertriebener Weise, wie wir später zeigen werden — im Hebräischen und Talmndischen (»io!) beansprucht, zu erlangen sein? Wird die Zeit — diekostbare, allen Stredendrn st.t» nnzulängliche Gut — zu solcher weitgehenden Bildung hinreichen, wenn der Scminarm — wie jetzt — ungenügend vorgebildct zum Seminare kommt? U m f dniti. Stettin, 22. Mai. Als der commandirende General v. Steinmetz an der Spitze des 2. Armeecorps stand, wurde auf fern? Beranlaflung bestimmt, daß einjährige Freiwillige jüdischen Glaubens nicht;um Landwehrojsizier-Eramen zugelassen werten sollten. Aus eine Beschwerde eines h efigen jüdischen Kaufmannes, gerichtet an den Kronprinzen als zeitigen commandirenden General des 2. Armeekorps, ist jetzt jener Erlaß aufgehoben. (N. Steil. Z.) — Der „Köln. Ztg." wirb auS Berlin geschrieben: „Dem Vorstand der hiesigen Synagoge-'gemeinde ist von der Synagogengemeillde in Eonncnberg (Regierungsbezirk Frankfurt) die Mitthe lunz geworden, daß dort ein jetzt tOjäbriges jüdisches Mädchen, welches sich dort in einer Heilanstalt befand, getauft worden st und die Mutter auf ibre Reclamation das Kind nicht -urückerhalten kann. Der Vormund des Kindes bat nun die richterliche Hilfe nachzusuch.n, t'e ihm, zumal ein bekannter Obertribunals-Erkcnntniß zur Seite steht, nickt fthlen kann. Wie übrigens die Taufe eines lOjäbrieen K-ndcs obne dm Willen der Mutter und des Vormundcs vcrgenommen werden konnte, ist nock aufzuklären, da nack dem all,;c meinen Lai-t rechte erst mit 14 Jahren I mand freiwill'g seine Meligicn wechseln kann.* Petersburg, 21. Mai. Ein Senatsbefehl vom lt.Mai bestimmt, daß die freien Leute und die ackerbauenden Juden m t dem Jabre lk>!5» in Betreff der E,nrich1un,z-kcr Kopsstcu.'r allen übrigen Landbewohnern gleickzustellen sind, die nach dciii allgemeinen Anschlag l Rubel entrichten. Bei Moritz Jourdan in Mainz ist erschienen: Grundlage •) Das will Herr Sonnederr; fichrrlich nicht; und Niemanden wird die Lehrer für bas verantwortlich macken wollen, was Hochstädter verschuldet. — Red **) Wenn der Heir Lerfaffer mit uns da auch hadern möchte — ' »ir wrllcn alten Kobl nicht aufwärmcn. Es ist nicht der Müle wertb. > Doch das muffen wn eonstatircn. H. bat in einer Weise, die ins ' Aschgraue gebt, den Tlreit prorocirt, bei dem er mit seinen ernstlosen Unbegründeten Verdächtigungen und feinem unverzeihlichen alten und nenen Unrechte gegen uns den Kürzeren ziehen müßte. Jesuitismus heilt nicht nackte Schäden. — Red. •**) Darauf kommt es in dieser Frage am wenigsten an; es ist die Pflicht der Behörde, di« Anstalten der Lehr>rltldung nach den berechtigten Forderungen der Zeit — kuliurgcmäß — einzurichten. Ob der Einzeln« das Ziel wirklich.erreicht, ist sein« Sacke. HlT Ud zu einem wissenschaftlichen Unterrichte in dermosaischen Religion, - von __ ' J Dp. Jo s. .4 u b. 11 Preis I fl. D“ipD p’ÜNt Die wabrcn Dürftigen, die Armen Im Geist«, ja werden nie a>.stören. Aber traurig ist es, wenn Solche sich dem Lebrer- W stand« widmen! Und nieder drück,nd und emvörend ist es, daß insbe'o» > der« bei Juden nur die Allerärmsten sich dem Lebrerstande widme», fl ohne genügend ziNprüftn, ob ff« auch Talent genug besiken, um lüchtiz fl zu «erden. — Red.' I* Lttaurworrlicker Revacteur: I. Klbngenstri« in Odernbelm in Rbembeffen; Selbstverlag der Redaktion. Für den Buchbandel: in EommiiLon ber L L. Fritz ich« in Leipzig — Dompf-Schnellpressendrock von I. Sottsleben in Mainz.

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