Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 21 (25.5.1865)
- Date
- 1865-05-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I r Her IsmeWseKe Jelirer. , Zeitschrift für die gefatmnten Interessen des israelitischen Lehrerstandes and zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer -Lehrer, Lehrer- Wittwen und -Waisen in Deutschland. Aso. LL. Mainz, den 25. Mai 1865. (Fünftem Jahrgang.) Löchentllck 1 Rümmer, vierteljäbrlicher Abonnement^preis 27 kr. i/4 Lhlr. Bei frankirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 fi'. 12 kr. Anzeigen zu 1 Sgr. die Petitzeile. /-Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. . Än die verthrlichen Herren Mitarbeiter der „Ächawat" Aus mehrfach geäußerten Wunsch, zum Zwecke der Vollendung begonnener Arbeiten den Termin der Einsendung zu verlängern, wird dieser hiermit bis auf Endd Juni ausgedehnt. Doch bitten wir dringend um möglichste Beschleunigung, da der Druck des Jahrbuches, Jahrgang 1866/5626, bereits begonnen hat und wir den Fortgang, durch Beifügung spät eintreffender Arbeiten, nicht verzögern möchten. Das Redactionscomitö und in deffen Namen: Dr Leopold Stein Kormal-Neal. Diese Wörter zählen zu dem pädagogischen Alphabeth, find jedem Lehrer bekannt, muffen ihm geläufig sein Um deßwlllen erwarte man über, diese Wörter hier keine weit ausgesponncne, tief eingehende Abhandlung, der geneigte j Leser sei nur zu einem kurzen Etreifzug in die pädagogische i Strömung eingeladen. Das Reale ist das Lieblingskind unserer Zeit, und! da ihm Alle huldigen, — (dem Reellen, Nutz- und Greif-! baren,) ist auch in der Pädagogik und in der Schule die > Realität so mundgerecht geworden, daß wir vor lauter; Realisirung die schnell gereiften Früchte am Erkenntniß-; bäume der Schule nur so leicht und mühelos zu pflücken! brauchen. Alles macht sich von selbst, wir'brauchen zum i Exempel nur dem Reallesebuch — ein Lesebuch -zum richtigen : und schönen Lesen ist zu arm und nackt und steht daher auf dem Index verbotener Bücher — wir brauchen also nur dem Reallesebuch der Nase nachzugehen und kommen ohne Schwierigkeit über allen andern Lernbücher kostenfrei hinweg. Die Schule muß sich an das Leben, das conkrete Leben anschließen, das ist eine ausgemachte Wahrheit. Da ist der „Israelitische Lehrer" nicht der Narr, der gegen den Strom schwimmen möchte, noch weniger ein Maulwurf, der keine Augen für; das Licht der Wahrheit hätte. Und doch hat er eine Grille, er meint nämlich, die so sehr in Aufnahme genommene Realität in der Schule sei nicht so reell, vielmehr ein Blendwerk, eine Abirrung von pädagogischer Wahrheit. Das Formale ist das Allgemeine; als Solches ist es die Grundbafis, worauf das Spezielle auf- und ausgeführt werden muß. Ohne das Formale entbehrt dar Reale seiner Unterlage. Die Elementarschule hat es mit den Elementen des Wiffens und mit Fertigkeiten zu thun, die später allen Clässen und Ständen der Gesellschaft zu Gute kommen. Die Schulkinder sollen den Lehrer noch nicht beim Verabreichen der geistigen Nahrung zu bestimmen veranlassen, was für den künftigen Beamten, Schuster, Kaufmann u. s. w. paßt, noch weniger dürfen in dieser Beziehung Anforderungen der Eltern auf den Lehrer bestimmend einwirken. Nach zurückgelegten Schuljahren trennen sich die Lebenswege; dann M2g jeder Wanderer die durch die Schule erhaltene Wegzehrung nach seinen Bedürfnissen, nach seinem Geschmacks verwenden und zubereiten. Die meisten Menschen urtheilen aus ihrem geistigen Standpunkte, ihren Bedürfnissen und ihrem Stande heraus. Wie verderblich müßte es auf die Schule einwirken, wenn demgemäß die Schulinteresienten ihre Sonderansprüche an die Lehrer geltend machen dürften und könnten. Härm wir, um ein faktisches Beispiel anzuführen, einen wissenschaftlich gebildeten Oekonomen sprechen: „„Der Landwirth kann nicht emporkommen, er hat zu wenig gelernt. Es will ihm nicht in den Kopf, wie er den, Ertrag seiner Wiesen, Felder und Obstgärten erhöhen kann. Auch ich stimme von ganzem Herzen ein: es muß von der Schule kommen. Aber diese steht leider nicht auf realem Boden und des unnützen Zeugs wird zu viel gelehrt. Ein