Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 19 (11.5.1865)
- Date
- 1865-05-11
- Page
- Seite 74 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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74 I — 74 — die Einseitigkeit, zu vermeiden. Bekanntlich hindert und schwächt ein vernünftiges Streben nichts mehr, als gerade Einseitigkeit und monotones Wesen. Wenn die Länder-, Städte- und Zahlenbenennung leicht langweilen und ermüden, so wird durch Einflechtung biographisch-geschichtlicher Mittheilungen Geist und Leben in die „tobte Masse" gebracht. 1 Freilich müssen die Erzählungen über jene Begeben- - heiten äußerst bündig, einfach in der Sprache und doch anziehend, dem geistigen Standpunkte deSKindes angemessen sein; freilich ist es da nothwendig, gleichsam wieder selbst Kind . zu werden, um sich die Fassungskraft seines Schülers genau zu vergegenwärtigen; aber machm darin geographischer und Geschichtsunterricht eine Ausnahme von der Regel? — Soll der Lehrer nicht immer,, in jedem Fach möglichst einfach und „die Sprache der Kindheit" reden? — Fesselt doch auch den Erwachsenen und Gebildeten der interessante, seiner Bildungsstufe angemessene biographisch-geschichtliche Vortrag; um wie viel mehr muß das bei dem lebhaften Kindesgeiste der Fall sein! — Auch der Lehrer wird da mit sortgeriffen und. sein Unterricht trägt reiche Früchte. — Dasselbe gilt, wenn auch' in anderer Weise, von dem Geschichtsunterricht. Istdoch der stundenlange Vortrag! sehr ermüdend für Lehrer und Schüler zugleich I Ich hätte! früher mindestens doppelt so.viel Zeit, bei ziemlich gleichen 1 Resultaten nöthig, war nach, der Stunde höchst abgespannt und der E folg wenigstens nie ein sicherer. Ich griff daher > eine Methode mit Freudigkeit auf, um den Schlendrianismus und Mechanismus mögllchst rasch zu entfernen und! habe 8. s. D. wohl gethan. Man soll sich's überhaupt Lebensregel sein lassen, jede (?) Neuerung, falls sie eine solche wirklich ist, genau zu prüfen und.nicht gleich zu verketzern,! dasirit man erst ihre Licht- und Schattensiiten gehörig kennen lerne. — Für eine Verbindung mehrerer Lehrobjekte hat sich insbesondere noch der Lehrer zu interessiren, dessen Kräfte durch Versetzung von Filialen*) zersplittert und geschwächt werden; denn ihm genügen die Stunden kaum, falls er gründlich und gewissenhaft sein will, für die nothwendigsten UnterrichtSgegenstände und er ist direct zu Affociationen angehalten. Wir bemerken hier, daß wir mit Bisherigem unsere Ansicht, soweit es der Raum gestaltet und soweit das in solchen Arbeiten überhaupt möglich ist,, genugsam modificirt zu haben glauben. Wir halten indessen uns und unsere Arbeit nicht für unfehllmr und wissen nur zu gut das Wort Diesterweg's: „wolle keine Autorität bilden" zu würdigen. Nur im Dienste der Sache haben wir bisher gehandelt und gesprochen. Wir nehmen daher auch jede gerechtfertigte Zurechtweisung »nd Belehrung an und wollen sie beherzigen und in eingehende Erwägung ziehen. Wir schreiten zur DerfahrungSweise bet der Verbindung der Geographie mit der Geschichte." Der Unterricht in der Geographie, welcher vorher durch Raturanschauungen sachgemäß eingeleitet wird, beginnt - als solcher etwa im 8. und je nach dem Begriffsvermögen de- KindeS im 9. Lebensjahre. Er beschränkt sich in seinen ersten EntwicklungS-Stadien auf die nächste Umgebung des! Kindes. Da Anschauungsunterricht Grundprincip unseres Verfahrens ist und se5n soll, so wird dem Schüler vorher, an dem Hervorspringen einer Quelle der Ursprung der!., Flüsse klar gemacht und ihm mitgetheilt, daß jene Quelle« zumeist in, oder an Bergen entspringen und zu jeder Zeits, hinlänglicher Wafservorrath sich in der Erde befindet (?), Das Kind wird das leicht begreifen und mau lenkt nu> seinen Blick zunächst auf den Berg, der vor ihm sich erhebt, und nachdem es mit dem Namen desselben bekannt unb| vertraut geworden ist, kann man auch schon geschichtliche Momente, als: Bedeutung dieses Namens, die dabei stattgehabten Ereignisse, Sagen u. s. f., einweben. Ein Blick rück-I wärtS zeigt dann dem Kinde sein GeburtS-Dorf, feint) -Stadt. Hier werden die bekanntesten und bemerkenSwer-f thesteu Dorf-, oder Stadttheile zuerst beschrieben, sodam das in diesen Vierteln besonders Hervorzuhebende, als z. B.: schöne und hohe Häuser, lange und breite Straßen, hoh« und schöne Gotteshäuser berührt und dann die Namen der bemerkenswerthesten Personen, welche diese Theile bewohne«, dem Gedächtniß eingeprägt. (Schluß folgt.) (Korrespondenz. Odernheim, 28. April. (Ein Lehrsirjubiläum), Noch erfüllt von ven Eindrücken eine» erhebenden, herrliche, Jubelfestes, wagen wir es, unseren Lesern einen unS und viele»' Anderen unvergeßlichen Tag und mehr noch eine herrliche Rächt M zu schildern. Mögen diese Zeilm insbesondere von den Theil- ‘' nehmern jeueS herrlichen FesteS als Zeichen nnsrer innigste, Hochachtung freundlichst ausgenommen werden und ein freuntlrcheS Gedenkblatt sein an einige, einem warmen Lehrerherz«, wohlthuende, unvergeßliche Stunden. Am 26. d. M. — vorgestern — feierte die isr. Religion» >. gemeinde Bingen a. R. den 2öjäbrigen Eintritt ihre- Religion», , lehverS Maier Lebrecht in sein Amt in ihrer Gemeinde. El war ein Fest der Gemeinde. Der geehtte Jubilar, dessen ,»! sünfundzwrnzigjährlgen Dienste in dieser Gemeinde ergraute»? Haare ihm ein Ehrenschmuck und eine hohe Zierde, den Md: gliedern der Gemeinde ein Gegenstand der Hochachtung un! Verehrnng find, würde in seiner unvergleichlichen Einfachheil und Bescheidenheit zu einem solchen Feste nie die Initiative er griffen haben. Der edle Mann mit seiner seltenen Charakter und UrberzeugungStreue, mit seinen gediegene» Kenntnissen, « seiner Biederkeit und Klarheit hat solche Ovationen nicht de» langt, aber — verdient. j Schon am Vorabende des Feste» überreichte' eine Depntatm des Vorstandes und der Gemeindeglirder als Festcomits da Jubilar ein werthvolles und von der Generosität zeugende- 9t ’ schenk*) mit folgender sehr fein lithographirteu Adresse: Hochgeehrtester Hirr Lebrecht! Füniundzwanzig Jahre sind mit dem heutigen' Tage m flössen, seitdem Sie, hochgeehrtester Herr, in Ihre hiefige Berufe Wirkung einzetreten, und mit gerechtem Stolz mögen Sie « . *1 Ist es möglich, kineo vollständigen Volksschulunterricht in einem Filiale zu erthe.leo? Gibt's solche Stella, (o Ikurbessen? — Red. I ’) Et« paffend verziertes und mit einer Widmung versebers Etuis mit einem Dutzend silbernen Löffel» und filnfhunde« Gulden. '!