Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 18 (4.5.1865)
- Date
- 1865-05-04
- Page
- Seite 71 (sequence 3)
- Language
- German
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71 seüschaft ü‘cn kann und üben muß: se'tdem hat man auch da» nach gestrebt, sie der jeweiligen Zeckrichtung dienstbar zu machen, ja man ist so weit gegangen, die Gesetze der individuellen Entwickelung des Menschen in Len Rahm» einepolitischen und rel giösen Part nstandpunktes einzuzwängen. Wir brauchen nicht zu erwähnen, daß wir die» für verfehlt, für eine schwere V rsündigung gegen die Mnschennatur und dek'n höhere Bestimmung halten; wir bekennen uns zu der Wahrheit, daß da» Individuum in seiner Entwickelung der ihm inwohnenden Anlagen und Kräfte ewigen und unveränderlichen Gesehen zu folgen hat und daß der Er; eher diese Gesetze zur Basis seiner Thätigkeit s. machen muß, wenn er ror der Menschheit und vor Gott be» i stehen will. ' Vcn diesem Grundsätze auSgrhnd, kann die VostkSschule welche sich in dem Erzietungsgcschäfte so früh dem Elternhause onsck'li.ßt und d ssen vo nezmste Stellvertrct.rin wird, nicht nach Eovseistoncn oder so isti zrn Trennunasmomenten der Gesellschaft geschied.n werden, ohne aufzuhören, Volksschule zu sein. Wenn wir dennoch in Taus»)» von Beispielen daS G gentheil wahr« »ebmen, io zeigt lieS nur, daß wir in der Entwickelung deS VollssckulweseuS eine gewisse S use noch nicht erreicbt haben. Die Volksschule muß das Volk umfassen, muß/die innigen Beziebungea der Bürger unter eianandcr begründest und muß den Geist degemeinsamen St-ebenS und Wirkens für ein gemeinsames Glück wecken UN) pfle cn. Wenn aber der Begriff' des Voll s und sonach auh der Volksschule aufhört, wo die Eons ssian anlängt, dann ist freilich von e n:r Valkserziehung keine Rede me,r. Es ist eine Täuschung, daß das religrö,e Bekenntniß durch die Eommunalschulen gefährdet werde. Dev Religionsunterricht kann und soll in oberster Reihe sichen er soll auch nicht ccnfessionrlos sein, vielmehr dem Bekenntnisse der betreffenden Ellern sehr gewiffenbast Rechnung tragen. D m gegenüber sind aber die Simultan- oder Eommunalschulen nicht allecn nicht unmZg ich, vielmehr recht ersprießlich und segensreich, wie wr dies thalsächlich begründen werden. Diejenige jedoch. welche sich von dieser Wahrheit nicht üb r-;eug:n wollen, w nn sie auch können, wissen recht guj, welche Gefahr irren Prinzipien und Wünschen draht, wenn nicht schon di: aus einem kleinen F eckchen Erde zusammen lebende Jugend gerissen wird nach Eonfejsionen und Bek.nntnissen. Die Religion soll n cht die Manschen trennen, sie soll sie verbinden; ja wir bet achten eS al» eine ihrer glücklichsten Aufgaben, das Prinrip der Bruderliebe besonderda zur Geltung zu brin;cn, wo d.r confessionelle Stau Punkt eine Trennung oder Spaltung leicht heroorruft. Darum ballen wir die Simultanschule sogar für ein recht religiöse- Institut. lassen wir jedoch statt wciterer.D.rnunftiründe einmal eine Erfahrung reden, welche di: Feu rprobe bestanden; möge ein rer Toleranz, des Rechts nicht bis zur äußersten Konsequenz geht, bat nicht angefengen. Könnt Ihr Euch nicht entschließen, an gemischten Schulen auch einen jüdischen L hier anzustcllen, so sprecht mir nicht von Eurer Vorurtbeilslosigk it. Sollen wir, die Juden, «eil wir dle Minori- , tat sind, uns aufgeben, ehe wir da» Recht dis zur äußersten Konsequenz «erfolgt haben? Die Frage ist zu wichtig, zu weitgehend, um in einer Notiz abgemacht zu werrea. Wir werden s. G. w. noch manchmal darüber sprechen. Sie ist von besonderer Wichtigkeit für uns, weil in unser.r nächsten Nähe ähnliche Pinie mehrmals aufzetaucht sind; so neueidinzs in Oppenheim. Auch dort — ist Main; nahe, — und Sand genug, um llnbetiebtes zu verschütten. Rur im Allgemeinen sagen wir so manchen Kollegen, die a!s Elementarlehrer, vom Staate angestellt, -auf ihren Lorbeeren ruhen: Aufgeschaut, erkennetchaS Zell So lange das nicht allwärts durchgefühet — und btS da'ain muß noch manches a!te M luerwerk zerstört, manche Festung eingenommen werden — seid Ihr jüdische Lehrer, und habt als solche za kämpfen — mit Allen für Alle. — Res. lebendige- Beispiel darlcgen, daß die gedächten Grundsätze nicht in der Luft schweben, sondern auf ganz solider Grundlage beruh» und lebensfähig sind. besteht eine Simultanschule und zwar eine — meine »»frommen Leser wollen nicht erschrecken — zwischen Christ» und Juden schon seit nahe an IS Jahren! Im Großberzogthum Weimar^ in dem Eisenacher Kreise, an den nördlichsten Ausläufen der Rhön, liegt eine kleine, auch in weiteren Kreisen bekannte Stadt, Lengs selb mit Namen. Die Bewohner dieser Stadt gehören zu drei Theilen der christlichen (protestantischen) und zu einem Theile der jüdischen Rc'.izicn an. — Beide ReligionSgenoffenschasten lebten immer meist recht friedlich neben Einander, mußten aber dir traur'ge Erfahrung mach», daß besonders in den verletzten zwei Jahrzehnten der Wohlstand deS Ölte» nicht mehr wie vordem im stetigen Wachsen begriffen war, daß auch das epidemische Slrebcn nach Auswanderung, von Jahr zu Jahr zunahm. In dem Orte bestanden zwei Schulen, / eine christliche und eine jüdische. Ersicre hatte unter zwei »kM^zeitweili a auch unter drei Lehrern mehr as 300, letztere unter zwei L breen circa 80 Kinder zu unterrichten. AlS die Wogen des Jahre- 1848 verrauscht und besonders die Angehörigerz veweima ischcn Landeeingctreten waren in den ruhigen und friedlichen Genuß der Fortschritte einer neuen Zeit: da trat auch in Lengsf ld der Gedanke lebha t in den Vordergrund, mit der neuen Ze t ein n'ues Glück, eine schönere Zukunft zu begründen. Wo aber da anfangen? Die Antwort war nicht schwer. Wenn man an Verschönerung d.r Zuk. nst denkt; maß man mit dem beginnen, dem die Zukunft gehört — der Jugend! Eine erhöhte Schulbildung ebfoedeit aber zunächst Hebung dcr Schule. — Wie ist diese aber ohne übermäßige Opfer zu erlangen? Di: Sach: ist einfach/ Die christlich: Sckule zählte, wie erwähnt, über 303 Kinder unter drei, d.e jüdische 8) unter zwei Lehrern W:nn beide Anstalten zu einer rinz'gen verbunden werden, so entstell daraus eine schule von 380 Schüleen mit 5 Lehrern, die natürlich ganz anders «rganiflrt auch anere Leistung:» erzielen muß, wie in ihrer Trennung.' Dieser Gdanke war all Dmen kiar, die ohne Vorurtbeile das Gedeihen der genannten Stadt cr strebt». Besonders hatte die Staatsreg'crung die Hebung bg Schulwesens in Lenbsfelv sehr ernst in'- Auge gefaßt, und fitf Gedanke einer S bulv weinigung, die Gründung euer S mullanschule, hatte höchsten O ts die günstigste Ausnahme gefunden, wenn nicht sogar vo i )orth r de Anregung ausgezangeL^ waS wir hier unerörterl lassen wollen. Eine solche Vereinigung halt: aber ihre mehrseitigen Schwiecizkeiten. Die Ertheilun; des R ligioaSunteneichtwar eine innere, dce Ordnung der materiellen Eigenlhums- und Finanzoerhältniffe eine äußere Schwierigkeit, di aber a'S solche sofort verschwanden, alS der gute Wille für die Sacke selbst leb» bast zu Tage trat. Eins Tages erschien in Lengs seid ein Eominissär der Staatsregierung, ein um diese Stadt schon früher hochverdienter Staatsbeamter, der scharsen Blicks und gewandter Hand die ganze Angelegenh.it ut ihren rechtlichen Gruntla-en urd sonstigen Umrissen ordnete. Es war der Gebein« Justizrath Zwez (Verfasser ver jünust erschienenen und von der L.brerwclt so freudig begrüßten Schr ft „das Schulhrus und dessen innere E nrichtung," Weimar, bei Böhlan), der. für die gute Sache «rglüht, in kur;« Zr't eine Änstrtt «rundete. die als ein Teirp-l wahrer Religiosität undHumrnität idm selbst und d r obersen Staatsbehörde ein gar rühm.icheS Z u;niß in der Geschick:t deS weimarischen Landes stchert. sAnfangs October 1850 t at die Simultanschule in Lengsfeld in's Leben. Der Religicsunterricht ist nach Eonfejsionen getrennt und ist damit jeder iig'ndwie berechtigte Widerspruch von vornherein beseitigt^! Di: beiderseitige Achtung der confesstonellen Anforderungen häkssohne den Organis» k I