Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 5 (1865)
- Issue
- 17 (27.4.1865)
- Date
- 1865-04-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Organ für dm Verein z i _ 3 İ. LV I Zeitschrift für die g^sammten Interessen des israelitischen Lehrerstandes und »»gleich ir Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, LrhreE- Wittivrn und -Waisen in Deutschland. Mainz, den 27. April 1865). (Fünft«!? Jahrgang.) ' Wöckkniliib 1 Nummer. Vierteljäl'rlilber Abonnem«nt«preis 27 kr. *,4 Tblr. Bei frankirier Zusendung unter Kreuzüand fäl'rticft 2.^. 12 ft. Anzeigen;u 1 Sgr. die Pctitzeile. Bestrllunzen nedmen nlle Postämter und Buckhandlungen X Heber den zu frühen Austritt der Kinder aus der Volksschule und den Besuch fremder Anstalten. Von <£. Waldbott in Münchweiler. Mit unentwickelten Geistesvermögeji, des Denkens ungewohnt, unbeholfen und rathlos empfängt die Schule das Kind aus dem elterlichen Haufe. Ta ist cs der für seinen erhabenen aber allzuwenig gewürdigten Beruf begeisterte Lehrer, der mit unsäglicher Mühe, mit Hingebung und Opferwilligkcit — dabei undankgewohnt — das geistig und oftmals auch körperlich hülflose, Geschöpf aus feinem dunklen Sein herauszieht und es fähig macht, sich ars Mensch — der menschlichen Gesellschaft anschließen zu können; dafür besoldet man den Lehrer und daniit — Punktum. So kann man vielseitig sprechen hören. — Wenn man dem Lehrer manchmal gerade auch nicht zu seiner spärlichen Besoldung Undank als Füllmaterial gibt, 10 hat er für sich doch äußerst selten im Kreise seines Wirkens des Dankes zu erfreuen. Des Lehrers Dank und Freude ist ihn das Gelingen seines Wirkens und das Selbstbewußtsem, die Kinder zu tauglichen Menschen herangebildet zu haben. — Aber auch diese Freude wird dem Lehrer oft vereitelt! Trotz der hingehendsten Liebe, trotz der ungescheuteu Mühe mit dem jungen Geschlechte, werden dem treuen Lehrer gar oft manche de: zarten Schulpflanzcn, halbentwickelt, aus seiner heil gen Pflanzstätte weggenommen, sie zu befferem (?) Gedeihe j auf fremden Boden zu versetzen. — „Ach, schon wieder x ehn einige meiner besten elf- bis zwölfjährigen Schüler in d e Latein-, Gewerb- und Handelsschule," klagt mancher thätig Lehrer seinem an diesem peniblen Umstande antheilnehnunder Collegen, der ihm vielleicht dasselbe Klagelied singen könnte. — Besonders find es die Lehrer in den Städten, di; dieses Echulübel noch weit mehr zu beklagen haben, äs die Lehrer auf dem Lande. Es ist doppelt schmerzlich für den besseren Lehrer, wenn man ihm kurz vor d.r Prüsi ng der besseren Schüler beraubt, die Klassen zerreißt, die € chwachen zurückläßt und nun der Lehrer als lässig erscheint, während sich andere Anstalten der von ihm gesäetcn Saat!— erfreuen? Nein! entichlagen, denn dort — ist alles Mechanismus, System. t— Ist das das Gute und Nützliche/Ihr Ellern, das Ihr Euern Kindern ins Leben mitzuge be» gedenket, däß Ihr sie herausreißt s, aus bet geschickten Lattung Eures wackeren L'hrers? — Erzielen diese armen Geschöpfe in ihrer neuen fremden Lehranstalt (für die fiel in den meisten Fällen noch unreif sind) das, was sie als/Juden und Menschen tauglich macht? Empfangen sie / dort einen genügenden, jüdischen Religionsunterricht? /Bezweckt man dort die innige Religiosität, Bildung des Gkmüths neben Geistesbildung? Prüfet Eure aus jenen Anstalten eiitlassine Kinder, so habt Ihr die Fragen beantwortet. —! Das Heraus!eißen der Schüler aus der jüd. Volksschule vor der Confirmativn ist schädlich 1) für die elementarische (gründliche) Geistes- Junb Gemüthsbildung im Allgenieinen und 2) für die religiöse Bildung. 1) Für die elementarilche Geistes- und Gemüthsbildung. Dem das Seminar besuchenden Lehrer wird in der Pädagogik von Der Erziehung und dem Unterrichte gesagt, er lernt, wie /r zu unterrichten hat. Er fängt mit deni Einfachen an und hört mit dem Zusammengesetzten, dem Allgemeinen auf. Eck schreitet fort von dem Bekannten zum Unbekannten, von jem Nahen zum Entfernten, von der einzelnen Pflanz? zur Pflanzensamilie, zum Pflanzenreiche und zum Ueberblicke über die gesammte Natur. _ Er verfährt lückenlos, entwickelnd anregend, sucht die geistige und gemüthliche Bildung im Zr 'ämmenhango mit dem einzelnen Geistesvermögen — z v. dem Gedächtniß - zu fördern, mit einem Worte: er verfährt naturgemäß. Ganz! anders der „studierte" Lehrer, der Studienlehrer. Er! hat wohl Kenntnifle, aber nicht die Kencktniß, wie man sieqin der Schule bei Kindern verwerthet. Das 'ist ihm Nebensache. Er sagt vor, l rßt abschreiben, doctirt, läßt auswendig lernen. Ob dadurch das geistige und gemüthliche Leben des Kindes gefördwt wird, ihm ist's gleichgültig. Er ist dafür viel zu hc chstudiert, um sich um solche Lappalien zu bekümmern. Er änn sich nicht zu dem Kinde herablassen. Es geht ihm, wie einem Kaufmanne, der viele Maaren hat, und sich begnügt, sich mit denselben in sein